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Kurzbeschreibung

[Text: Isolde Fehringer, Klaus Ebenhöh. Illustrationen: Daniel Spreitzer]


Der kleine Bär Bummbumm mag nichts lieber, als mit anderen Kindern zu spielen. Da er ein kleiner Tollpatsch ist, geht das nicht lange gut. Erst die pfiffige Heidi Hummel weiß einen Ausweg …

„Kinder, die Probleme machen, haben Probleme und brauchen Hilfe. Sind sie wie Bummbumm unsicher in der Reizverarbeitung, finden sie sich in sozialen Situationen nur schwer zurecht. Das Buch führt einfühlsam vor Augen, wie sehr Betroffene leiden, und zeigt humorvoll Lösungen für ein besseres Miteinander auf. Absolut lesenswert!
(Dr.in Ilse Aumüller, Kinderpsychologin und Familientherapeutin)

„Bummbumm und seinen Freunden gelingt es ausgezeichnet, ihren Alltag gemeinsam, fröhlich und in Respekt vor den unterschiedlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten zu meistern. Und ganz nebenbei tragen sie auf herzerwärmende Weise dazu bei, das Verständnis für Kinder mit Wahrnehmungsstörung zu steigern. Unbedingt lesen!“
(Danielle Belleflamme, BSc., Ergotherapeutin)



Rezensionen
Eva Winroither: Die Nöte des kleinen Tollpatschs

Sie hassen Sonnencreme oder umarmen andere schmerzhaft fest. Kinder mit seltsamem Verhalten leiden manchmal an einer Wahrnehmungsstörung. Ein Kinderbuch will aufklären.


Der kleine Bär hat sich schon so darauf gefreut. Immer wieder hat er seine Mutter gefragt: „Wann, Mama, wann?“ Endlich ist es soweit, der kleine Bär Bummbumm darf in den Kindergarten. Aber dort ist auf einmal nichts so, wie sich der kleine Bär das vorgestellt hat. Bummbumm liebt Kinder, aber die Kinder lieben ihn nicht. Er will sie drücken und ihnen zeigen, wie sehr er sie mag. Die Kinder schreien, dass er ihnen wehtue, und laufen davon. Da weint der kleine Bär bittere Tränen.

Der kleine Bär ist die Hauptfigur in einem Kinderbuch, aber es gibt ihn wirklich. Eltern werden Kinder wie ihn vielleicht auf dem Spielplatz getroffen haben oder selbst einen Bummbumm zu Hause haben.

Das sind Kinder, die man am ehesten als Tollpatsch bezeichnen kann. Kinder, die oft beim Türrahmen anrennen oder sich versehentlich neben den Sessel setzen. Denen Dinge schnell aus der Hand fallen und die, wenn sie andere umarmen, viel zu stark zudrücken. „In jedem Tollpatsch ist auch immer ein kleiner Grobian versteckt“, erklärt das eine Hummel namens Heidi im Buch.

Geschrieben haben das Buch Klaus Ebenhöh, im Brotberuf bei der NGO Horizon 3000 tätig, und Ergotherapeutin Isolde Fehringer. Die Illustrationen stammen von Daniel Spreitzer. Die Idee zu dem Buch kam den Autoren, weil sie merkten, dass abseits von Lehrern und Kindergartenpädagogen noch immer wenige Erwachsene über sensorische Integrationsstörungen (das sind Wahrnehmungsstörungen) bei Kindern Bescheid wissen. Das Kinderbuch richtet sich also auch an Eltern, die an ihrem Nachwuchs verzweifeln – weil sie nicht verstehen, was mit ihm los ist. Dabei zeigt das Buch über den kleinen Tollpatsch Bummbumm nur eine Wahrnehmungsstörung – weitere Bücher zu anderen Störungen sind daher in Planung.

Bei sensorischen Integrationsstörungen geht man von drei Basissinnen aus, die Berührung, Gleichgewicht und die Tiefenwahrnehmung regeln. Wenn diese nicht ganz entwickelt sind, kommt es zu einer anderen Reizverarbeitung. Die Kinder spüren, salopp formuliert, zu viel oder zu wenig.


Das Kind spürt sich nicht

Ein Kind kann etwa ein kleiner Bummbumm sein, weil es keine gute Tiefenwahrnehmung hat und zu wenig Informationen über Muskeln, Sehnen, Faszien und Organe bekommt. „Die Landkarte seines Körpers ist damit nicht gut ausgebildet, deswegen kann so ein Kind auch Körpergrenzen nicht gut wahrnehmen“, erzählt Fehringer. Wenn so ein Kind ein anderes zu fest umarmt, merkt es das nicht – es spürt sich ja selbst nicht genug.

Umgekehrt, erzählt Fehringer, gebe es Kinder, die eine Abneigung gegen Berührungen haben. „Diese Kinder hassen etwa Sonnencreme. Das ist so, als hätten sie ein Sandkorn im Auge. Sie mögen meistens auch keine Etiketten im Leiberl.“ Das alles wäre kein Problem, wenn nicht diese Kinder oft generell Dinge ungern angreifen würden. Infolgedessen etwa mit Bausteinen keine Türme bauen. Das wirkt sich freilich auf die Entwicklung aus. „Weil diese Kinder viel weniger ausprobieren und dann nicht auf das gleiche Erfahrungsrepertoire zurückgreifen können.“

Andere Kinder haben wiederum eine Gleichgewichts- oder Schwerkraftunsicherheit. Bei Ersterer wollen Kinder etwa keine Schaukelreize. Babys mögen es nicht, wenn sie nach hinten auf den Wickeltisch gelegt werden, oder schreien, wenn sie im Auto gegen die Fahrtrichtung im Kindersitz sitzen – während es mit Blick nach vorn besser funktioniert. Sind sie in Hinblick auf Gleichgewicht hingegen unterempfindlich, können sie sich zu Adrenalinjunkies entwickeln, die Extremsportarten wie Base-Jumping lieben. Berührungsunempfindliche Kinder spüren Reize wiederum nicht gut. Sie erleben die Welt, „als würde man mit einem Handschuh in der Tasche nach seinem Autoschlüssel suchen“, sagt Fehringer. Für sie alle gibt es Übungen, mit denen die Reize trainiert und normalisiert werden können. Malen mit Rasierschaum auf dem Spiegel, zum Beispiel. Das Wühlen in Raps oder Linsen, Schminken, auch das Angreifen mit einem sicheren Griff kann helfen.

Bis man dorthin komme, dauere es, warnt die Expertin. Fehringers Arbeit als Ergotherapeutin gleicht in ihren Erzählungen ein bisschen der eines Detektivs – muss sie doch Anhand von Mimik und Körperreaktionen erkennen, in welche Richtung der Therapieweg gehen soll. So wie bei jenem kleinen Buben, der mit 4,5 Jahren kaum sprach, völlig hyperaktiv war „und vielleicht bei einem Arzt auf ADHS diagnostiziert worden wäre“. Durch Fehringers Arbeit stellte sich heraus, dass bei dem Buben zwei Wirbel verschoben waren, die auf das Rückenmark drückten. Als diese wieder gerichtet waren, begann der Bub zu lernen – und wurde ruhiger.


Jeder Mensch hat Vorlieben

Trotzdem müssen Eltern nicht sofort zum Therapeuten laufen, wenn sie merken, dass ihr Kind etwa keine Etiketten im Leiberl mag. „Jeder Mensch hat gewisse Besonderheiten“, sagt Fehringer. Während die einen gern Menschen angreifen, tun es die anderen nicht. „Nur dann, wenn etwas zu einem Alltagsproblem wird, ist jemand ein Therapiefall.“ Wenn Kinder keine Freunde finden zum Beispiel, wenn sie nicht spielen oder wenn Babys bei Körperkontakt ständig schreien. Warum sich diese Reize bei manchen Kindern nicht so entwickeln wie bei anderen, könne man übrigens nicht sagen. In der Literatur gehe man von Sauerstoffmangel bei der Geburt, Trauma, Umwelteinflüssen oder Vererbung aus.

Wichtiger sei es ohnehin, mit den Kindern zu arbeiten, findet Fehringer – und aufzuklären. Damit auch andere Eltern im Kindergarten erkennen, wenn in der Gruppe ihres Kindes vielleicht ein kleiner Bummbumm ist.

(Eva Winroither, Rezension in der Presse vom 13. Jänner 2019, S. 33)


https://diepresse.com/home/bildung/erziehung/5559919/Die-Noete-des-kleinen-Tollpatschs


Karin Katona: Hilfe für kleine „Bären“

Ergotherapeutin schrieb Buch über Kinder mit Wahrnehmungsstörungen.

Kinder, die Probleme machen, haben Probleme – und brauchen viel Verständnis. Stellvertretend für Kinder mit Wahrnehmungsstörung steht der kleine Held des neuen Kinderbuchs von Isolde Fehringer und Klaus Ebenhöh. „Bummbumm, der kleine Tollpatsch“ erzählt von einem Bärenjungen, der anderen wehtut, weil er sich selbst nicht spürt. „Kinder wie Bummbumm haben oft Schwierigkeiten beim Erlernen von Abläufen – zum Beispiel grobmotorischen Aufgaben wie dem Laufen oder feinmotorischen Aufgaben wie dem Sprechen“, erklärt Autorin und Ergotherapeutin Isolde Fehringer.

Mit ihrem Buch möchte die Purgstallerin nicht nur betroffenen Kindern eine Figur geben, mit der sie sich identifizieren können, sondern auch Eltern und Pädagogen den richtigen Umgang mit diesen Kindern zeigen. „Für mich gibt es keine Problemkinder, sondern nur Schützlinge, die ich auf ihrem Weg begleiten darf“, sagt Fehringer. „Ich sehe mich als Fürsprecherin, die in der Familie, im Kindergarten und in der Schule erklärt, warum diese Kinder Dinge tun, die für andere nicht nachvollziehbar sind.“

Tatsächlich macht das Buch vom Tollpatsch Bummbumm manche „komische“ Verhaltensweisen von Kindern ganz einfach erklärbar – und zeigt dabei spielerische Lösungen. „Kinder wie Bummbumm brauchen intensivere Reize, also körperlich größere Anstrengungen als andere Kinder – wie die Spiele, die im Buch beschrieben sind. Erst dadurch bekommt das Kind das Gefühl, dass es auch wirklich trägt, hält, hebt oder zieht“, erläutert die Autorin. „Je öfter das Kind das tut, desto schneller werden die richtigen Nervenverknüpfungen gebildet.“ Das Kind bewege sich sicherer und nehme eigene und fremde Körpergrenzen besser wahr. Letztlich sei das Buch aber nicht nur für kleine Bummbumms, sondern für alle da, denn: „Jeder von uns hat seine Besonderheiten.“

(Karin Katona, Rezension in der NÖN Ausgabe Erlauftal vom 12. Januar 2019)


https://www.noen.at/erlauftal/purgstall-wieselburg-buch-fuer-kinder-mit-wahrnehmungsstoerungen-geschrieben-purgstall-an-der-erlauf-wieselburg-isolde-fehringer-131090030#


Raïffëÿßenzeitung: Tollpatschig

Bummbumm ist ein kleiner Bär, der sich auf den Kindergarten freut. Dort tappt er von einem Problem und Missgeschick in das nächste. Die anderen Tierkinder leiden, wodurch wiederum Bummbumm seine Begeisterung verliert und sich in den Wald zurückzieht. Heidi Hummel hilft ihm, die Situation schließlich zu verstehen und zeigt ihm, wie er trotz seiner Kraft mit den anderen spielen kann.

Co-Autorin Isolde Fehringer ist Ergotherapeutin und kennt Kinder wie Bummbumm, die Wahrnehmungsschwierigkeiten haben. Diese Tollpatsche brauchen intensivere Reize, um die richtigen Nervenverknüpfungen zu bilden. Der tiefgründige Inhalt von „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“ ist zudem von Daniel Spreitzer ansprechend illustriert und nicht nur für die Kleinen lehrreich, sondern auch für Eltern und Pädagogen.

(Rezension in der Raiffeisenzeitung vom 17. Januar 2019)


https://epaper.raiffeisenzeitung.at/issue.act?issueId=570864&mutationShortcut=RAIFF&issueDate=20190117&thumbUrl=http://raiffeisen.diginews-service.apa.at/download/RAIFFMIDPNWFR/epaper-25/RAIFF_20190117_RAIFF_1/THUMBNAIL_1-x_80_380.jpg


Claudia Riedler: Wenn Kinder sich nicht richtig spüren

Wahrnehmungsstörungen zeigen sich auf unterschiedliche Weise – und können auch zu Lernschwierigkeiten führen.

Die einen sind besonders tollpatschig oder wild, die anderen sitzen häufig am Tisch und beschäftigen sich still. „Wahrnehmungsstörungen von Kindern zeigen sich auf unterschiedliche Art und Weise. Meist fallen die Kinder im Alltag zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule auf“, sagt Isolde Fehringer, Ergotherapeutin in Wieselburg. Sie sieht sich als Vermittlerin zwischen Eltern, Kindern, Pädagogen – und hat ein Kinderbuch geschrieben, mit dem sich die spezielle Situation gut aufarbeiten lässt (siehe Kasten).ie einen sind besonders tollpatschig oder wild, die anderen sitzen häufig am Tisch und beschäftigen sich still. „Wahrnehmungsstörungen von Kindern zeigen sich auf unterschiedliche Art und Weise. Meist fallen die Kinder im Alltag zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule auf“, sagt Isolde Fehringer, Ergotherapeutin in Wieselburg. Sie sieht sich als Vermittlerin zwischen Eltern, Kindern, Pädagogen – und hat ein Kinderbuch geschrieben, mit dem sich die spezielle Situation gut aufarbeiten lässt (…).

„Schreibschwierigkeiten können daher kommen, dass das Kleinkind nie gelernt hat, seine Arme und Beine über der Körpermitte zu kreuzen.“ (Isolde Ferhinger, Ergotherapeutin)

Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind Wahrnehmungsschwierigkeiten hat? „Zum Beispiel beim Anziehen, wenn Kinder die Schuhe verkehrt tragen, oder auch wenn sie besonders empfindlich auf Berührungen reagieren, wenn sie bestimmte Lebensmittel wegen ihrer Konsistenz nicht essen wollen oder wenn sie sich schwer tun, Freunde zu finden“, sagt Fehringer. Kinder wie Bummbumm (so heißt der Protagonist im Bilderbuch) haben oft Schwierigkeiten beim Erlernen von Abläufen – zum Beispiel bei grobmotorischen Aufgaben wie dem Laufen, bei feinmotorischen Aufgaben wie dem Sprechen oder bei Bewegungen, die Timing verlangen, dazu gehört etwa das Ballspielen.

Die einen spüren Gleichgewicht und Berührung zu wenig – und ziehen sich zurück. Die anderen nehmen diese Reize zu stark wahr und verhalten sich „auffällig“. „Kinder, die sich in die Enge getrieben fühlen, können mit Kampf, Flucht oder auch Furcht reagieren. Die Angst kann sich als Erstarren zeigen oder auch als überdrehtes Lachen“, erklärt die Ergotherapeutin. Da gebe es viele Missverständnisse.

Werden Wahrnehmungsstörungen nicht behandelt, kann es zu Lernschwierigkeiten kommen. „Hinter jeder Rechenschwäche steckt eine Wahrnehmungsschwäche, und auch hinter mancher Legasthenie“, sagt Fehringer. Auch Schreibschwierigkeiten könnten daher kommen, dass das Kleinkind nie gelernt habe, seine Arme und Beine über der Körpermitte zu kreuzen.

„Was die Kinder brauchen, ist Verständnis und Erklärung.“ Mit Ergotherapie könne man viel erreichen und auch den Selbstwert des Kindes stärken. „Das Buch soll zwischen Eltern und Kindern, aber auch zwischen den Kindern vermitteln“, sagt Fehringer.

„Bummbumm“, das Buch
Isolde Fehringer hat mit Klaus Ebenhöh und Daniel Spreitzer (Illustrationen) ein Kinderbuch rund um das Thema Wahrnehmungsstörungen geschrieben. In „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“ (…) geht es um einen kleinen Bären, der anderen weh tut, weil er sich selbst nicht genug spürt.

(Claudia Riedler, Rezension in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 6. Februar 2019, S. 6


https://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/wenn-kinder-sich-nicht-richtig-spueren;art114,3097984


Ariane Zeilinger: „Und plötzlich werden ‚komische‘ Verhaltensweisen von Kindern erklärbar“

Zu wild, zu fest, zu grob – der kleine, tollpatschige Bär Bummbumm spürt sich nicht – und steht im Mittelpunkt des Bilderbuches von Isolde Fehringer und Klaus Ebenhöh. Tips besuchte die Autorin, um mit ihr über das „Herzenswunschprojekt“ zu sprechen.


Tips: Warum spürt sich denn der Bär Bummbumm nicht?

Isolde Fehringer: Bummbumm hat eine Form von insgesamt fünf möglichen Wahrnehmungsschwächen. Bummbumm spürt sich nicht so gut und macht daher auch komische Sachen, wie setzt sich neben den Sessel oder ist zu wild und ungestüm. Das Buch eignet sich, um erstmals mit dem Thema „Wahrnehmungsschwäche“ in Berührung zu kommen. Wenn sich der Alltag mit einem Bummbumm herausfordernd gestaltet, besteht die Möglichkeit, weitere Hilfe zu suchen. Das Buch eignet sich zum Aufarbeiten im familiären Rahmen sowie in Kindergartengruppen oder zum Auflegen in einer fachspezifischen Praxis.

Tips: Das Buch handelt von Wahrnehmungsschwächen – war es einfach, einen Verlag dafür zu finden?

Isolde Fehringer: Überraschenderweise nicht. Wir haben zunächst ein Konzept erarbeitet und an mehrere Verlage geschickt. Richard Pils vom Verlag Bibliothek der Provinz hat sich gleich dafür interessiert. Als wir es fertig hatten, sagte er fix zu, aber wir dachten, dass die Veröfftentlichung noch dauern würde. Wir freuten uns alle sehr, als wir es dann noch vor dem Weihnachtsfest in den Händen halten durften. Es wurden 300 Stück aufgelegt.

Tips: Von der Idee bis zum Bilderbuch, wie lange dauerte dieser Prozess?

Isolde Fehringer: Die Idee zum Buch gibt es schon seit fünf Jahren. Klaus Ebenhöh und mich verbindet seit Jahren eine Freundschaft. Ich bin Ergotherapeutin – Klaus kennt meinen Beruf und fand die Idee super, ein Kinderbuch mit dem Schwerpunkt Ergotherapie herauszubringen.

Tips: Wer übernahm welchen Part bei der Umsetzung des Buches?

Isolde Fehringer: Der fachliche Hintergrund und das Grundgerüst stammen von mir. Klaus Ebenhöh hat Publizistik studiert und bereits Bücher veröffentlicht – er hat den Text ausgearbeitet. Daniel Spreitzer war für die Illustration zuständig. Summa summarum ist es ein Gemeinschaftsprojekt, wo jeder seine Ideen einbrachte – so änderte sich zum Beispiel auch die Illustration der Figuren.

Tips: Gibt es ein Beispiel dafür?

Isolde Fehringer: Ja, zum Beispiel der Hauptcharakter Bär Bummbumm. Dieser wurde zunächst mit dünneren Beinen illustriert. Nun hat er dicke Beine, da dies authentischer ist und auch besser zur Figur passt. Während des Entstehungsprozesses beeinflussten wir drei uns immer wieder gegenseitig.

Tips: Was macht denn das Buch so einzigartig?

Isolde Fehringer: Es behandelt das spannende Thema in dieser Form zum ersten Mal. Fesselnd deshalb, weil „komische“ Verhaltensweisen von Kindern plötzlich ganz einfach erklärbar werden. Wussten Sie, dass Schreibschwierigkeiten daher kommen können, weil man als Kleinkind nie gelernt hat, Arme und Beine über die Körpermitte zu kreuzen? Oder dass manche Kinder anderen Kindern nur deshalb weh tun, weil sie sich selbst nicht genug spüren? Ich kenne diese Verhaltensweisen aus meiner Arbeit als Ergotherapeutin sehr gut.

Tips: Worauf legten Sie bei der Arbeit das Hauptaugenmerk?

Isolde Fehringer: Mir war es besonders wichtig, für sich selbst sprechende Bilder begleitend zum Text zu publizieren. Das ist gerade für die jüngeren Kinder besonders wichtig. Sie sollen auch eine Idee davon bekommen können, wohin die Reise geht – und auch davon, dass es einer nur gut meint und das eben für jemand anderen schon zu viel sein kann. Das kann man auch auf Missverständnisse umlegen, die auch im Alltag auftreten. Wir stehen alle am selben Platz, haben aber andere Perspektiven auf die Sicht der Dinge. Ich habe Klaus immer wieder von Verhaltensweisen erzählt und er meinte, dass man das ja auch auf Erwachsene umlegen kann.

Tips: Was schätzen Sie besonders an der Illustration von Daniel Spreitzer?

Isolde Fehringer: Ich mag den Perspektivenwechsel. Zuerst steht der Bär Bummbumm für sich alleine im Mittelpunkt, im Kreis der anderen Tierkinder. Dann wieder ist der Bär alleine im Wald und fühlt sich verloren. Doch wenn man das Bild betrachtet, merkt man, dass er eigentlich gar nicht alleine ist.

Tips: Wie empfanden Sie die Buchpräsentation?

Isolde Fehringer: Es war sehr aufregend, sein eigenes Buch vorzustellen. Es waren zahlreiche Freunde, Kindergärtnerinnen und Sonderpädagogen anwesend. Wir haben über den Werdegang des Buches gesprochen und den Hintergrund erzählt.

Tips: Sind weitere Projekte geplant?

Isolde Fehringer: Ja, es gibt bereits Ideen für ein weiteres Projekt. Mehr möchte ich jedoch zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht verraten.


(Isolde Fehringer im Gespräch mit Ariane Zeilinger von der Tips-Redaktion Purgstall an der Erlauf vom 29. Jänner 2019)


https://tips.at/news/purgstall-an-der-erlauf/leben/454044-und-ploetzlich-werden-komische-verhaltensweisen-von-kindern-erklaerbar


Daniela Bachal: Wann ein Tollpatsch Hilfe braucht

Die Kinder-Ergotherapeutin Isolde Fehringer über das Phänomen Tollpatsch und wie Eltern erkennen können, ob ihr Kind eine spezielle Förderung braucht.

Der kleine Problembär Bummbumm, in dem es in Ihrem neuen Kinderbuch geht, ist so ungeschickt, dass er ständig sich selbst und anderen wehtut. Als Ergotherapeutin arbeiten Sie mit vielen Kindern, denen es geht wie dem kleinen Bummbumm: Was stimmt mit ihnen nicht?

ISOLDE FEHRINGER: Salopp formuliert spürt sich der kleine Bär einfach nicht. In der Fachsprache heißt das ,propriozeptiv unterempfindlich’, er hat eine Form der Wahrnehmungsstörung. Er kann tiefensensible Reize im Körper, die über Faszien, Sehnen, Muskeln, Gelenke und innere Organe wahrgenommen werden, nicht so verarbeiten wie andere Kinder. Von einem Problemkind will ich dabei aber nicht sprechen. Probleme bekommen Kinder wie Bummbumm ja nur, weil sie von anderen nicht verstanden werden. Ich sehe mich eher als ihre Fürsprecherin, die in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule erklärt, warum sie Dinge tun, die für andere nicht nachvollziehbar sind. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, dieses Kinderbuch zu schreiben. Es soll Kindern helfen, sich selbst zu erkennen und Worte für das eigene Erleben zu lernen – und anderen Kinder soll klar werden: „Der macht das nicht absichtlich.“

Einen Tollpatsch wie Bummbumm erkennen Sie woran?

Kinder wie Bummbumm haben oft Schwierigkeiten beim Erlernen von Abläufen – zum Beispiel bei grobmotorischen Aufgaben wie dem Laufen, bei feinmotorischen Aufgaben wie dem Sprechen oder bei Bewegungen, die Timing verlangen, dazu gehört zum Beispiel das Ballspielen. Es kann auch sein, dass ihnen Dinge ständig aus der Hand auf den Boden fallen, weil sie nicht spüren, ob sie etwas überhaupt gut in der Hand haben. Und es ist möglich, dass ihnen beim Kreideschreiben ständig die Kreide abbricht, weil sie zu fest drücken. Es geht bei dem Thema auch um das richtige Dosieren der eigenen Kraft. Ein Tollpatsch tut sich eventuell auch schwer, mit Besteck zu essen, weil es für ihn nicht einfach ist, den Arm so zu bewegen, dass er mit dem Löffel in den Mund trifft, und wenn er versucht, Saft in ein Glas zu schütten, gibt es eventuell regelmäßig eine Überschwemmung.

Was braucht nun so ein Kind wie Bummbumm?

Es braucht intensivere Reize, also körperlich größere Anstrengungen als andere Kinder – wie die Spiele, die im Buch beschrieben sind. Denn erst dann bekommt das Kind das Gefühl, dass es auch wirklich trägt, hält, hebt oder zieht. Je öfter es das tut, desto schneller werden die richtigen Nervenverknüpfungen gebildet. Das Kind bewegt sich sicherer und nimmt eigene und fremde Körpergrenzen besser wahr. Kinder wie Bummbumm lieben die Schwerarbeit, sie tragen gern den schweren Einkauf, schieben gern schwere Kisten mit Spielzeug durch die Gegend oder heben ihre Spielkameraden gern in die Luft.

Und betroffene Kinder suchen sich diese Reize nicht von allein? Dazu braucht es die Ergotherapie?

Ohne Unterstützung suchen sie sich diese Reize zwar, aber in sehr unstrukturierter Weise, bei der womöglich ständig alles fliegt und fällt, was Mama und Papa natürlich extrem nervt.

Ein bisschen einen Tollpatsch, Grobian oder Wildfang – oder wie auch immer man das jetzt nennen will – haben doch viele Kinder in sich. Ab wann ist eine Therapie nötig?

Es stimmt schon, dass es eher ruhige und eher wilde Kinder gibt. Eine Therapie ist dann nötig, wenn im Alltag das Umfeld, also Schule, Familie, Kindergarten, Eltern und das Kind selber unter der Situation leiden.

Ab welchem Alter arbeiten Sie mit den Kindern?

Ich habe teilweise sehr junge Kinder mit zwei Jahren, bei denen die Eltern sagen, sie tun sich so schwer, sich Bewegungsabläufe zu merken, fallen und stolpern so oft. Die sogenannte Wahrnehmungsschwäche besteht meistens von Geburt an, bei Kindern unter drei Jahren hat sie bloß einen anderen Namen: Da spricht man von Regulationsstörung.

Und das Problem wächst sich nicht von allein aus?

Nein, in diesem Sinne nicht – aber wie sich das Kind weiterentwickelt, hängt stark davon ab, wie gut es sich in seinem Umfeld eingebettet fühlt und ob man ihm genug von den prorezeptiven Reizen bietet, von denen einige auch in meinem Buch beschrieben sind.

Was, wenn ein Kind wie Bummbumm erst mit der Pubertät zu Ihnen kommt?

Also in der Pubertät können die Jugendlichen grundsätzlich besser spüren, was sie gern tun. Wenn die Pflichtschule vorbei ist und sie sich selbst für einen Beruf oder eine Schule selbst entscheiden können, machen sie dann meistens etwas, das ihnen gefällt und ihren Talenten und Fähigkeiten auch eher entspricht. Wer Grobes liebt, sollte schließlich nicht versuchen, ein Feinmechaniker zu werden.

Je nach Alter gibt es bei Kindern wie Bummbumm also ganz unterschiedliche Thematiken, um die es in der Therapie geht?

Ja, das geht von der Integration in den Kindergarten über die Vorbereitung auf die Schule bis hin zur Unterstützung bei einer Leseschwäche. Die Basissinne müssen ja gut funktionieren, damit ein Kind in der Schule gut mitkommt. Bekommt ein Kind mit Wahrnehmungsschwäche keine Unterstützung, wirkt sich das eventuell in einer Lernschwäche aus. Legasthenie kann eine Wahrnehmungsschwäche sein, Dyskalkulie, also Rechenschwäche, ist hingegen sicher eine.

Wie kommen Eltern überhaupt zu einer Ergotherapie für ihr Kind?

Der Kinderarzt entscheidet, ob ein Kind zur Ergotherapie sollte oder nicht. Das bedingt freilich, dass man seinem Kinderarzt sehr offen und ehrlich erzählen muss, welche Erfahrungen man mit seinem Kind im Alltag macht.


Hintergrund

Was in der Fachsprache Wahrnehmungsstörung, sensorische Integrationsstörung oder zentrale Verarbeitungsstörung genannt wird, ist eine leichte neurologische Funktionsstörung, durch die das Kind die Informationen von seinen Sinnen nicht so gut verarbeiten kann, dass es exakte Informationen über seinen Körper und die Umwelt bekommt. Es hat folglich Schwierigkeiten, sein Verhalten an die jeweiligen Erfordernisse anzupassen. Ist die sensorische Verarbeitung gestört, muss sich ein Kind zum Beispiel darauf konzentrieren, nicht vom Sessel zu fallen, und kann daher den Buchstaben, die es schreiben oder lesen soll, weniger Aufmerksamkeit widmen.

Wahrnehmungsstörungen können die unterschiedlichsten Ausprägungen haben: Manche Kinder sind unterempfindlich, registrieren die Signale, die ihr Körper aussendet, gar nicht oder nur stark zeitverzögert, andere Kinder wiederum sind überempfindlich, was sie zu Überreaktionen, Wutausbrüchen, Reizbarkeit und Rückzug veranlasst. Nicht alle Kinder brauchen eine Therapie, oft reicht es schon, Anregungen eines Therapeuten daheim konsequent umzusetzen.


Zur Person

Isolde Fehringer (www.isoldefehringer.at) hat sich als Ergotherapeutin für Kinder auf die sensorische Integration ihrer Schützlinge spezialisiert. Seit 18 Jahren arbeitet die Niederösterreicherin immer wieder mit Kindern mit Wahrnehmungsschwäche und stellt dabei fest, dass das Thema noch immer weitgehend unbekannt ist. Deshalb das neue Kinderbuch: „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“, von Isolde Fehringer, Klaus Ebenhöh und Daniel Spreitzer, Verlag Bibliothek der Provinz, 20 Euro.

(Daniela Bachal, Rezension in der Kleinen Zeitung vom 6. April 2019, S. 14 f.)


mesp: Isolde Fehringer, Klaus Ebenhöh, Daniel Spreitzer, „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“

Bummbumm ist ein kleiner Tollpatsch. Wie kann er mit seinen Freunden spielen, ohne sie dabei zu verletzen? Ein Buch, das sich aus ergotherapeutisch-fundierter Perspektive mit Kindern mit einer empfindlichen Reizverarbeitung beschäftigt.

Einige Kinder können tiefensensible Reize, die über Faszien, Sehnen, Muskeln, Gelenke und innere Organe wahrgenommen werden, nicht so verarbeiten wie andere Kinder. Dies führt dazu, dass sie anderen Kindern beim liebevollen und freudigen Spielen weh tun, ihnen Dinge herunterfallen und kaputt gehen, ohne dass es deren Absicht ist. Richtige Tollpatsche!
Bummbumm, der kleine Bär, stellt so ein Kind dar. Er freut sich schon auf den Kindergarten, um dort Freunde kennenzulernen. Doch eins kommt zum anderen. Am Ende des Tages ist Bummbumm verzweifelt und versteht nicht, warum keiner mit ihm spielen möchte. Heidi Hummel findet den verweinten Bummbumm im Wald und diagnostiziert sein Verhalten auf kindlich spielerische Art und Weise. Jedoch nimmt sie seine Besonderheiten an und gibt ihm nun wertvolle Tipps, wie er mit den anderen Kindern spielen kann und sie Freunde werden.
Gemeinsam hüpfen die neuen Freunde auf einem Moostrampolin, Bummbumm zieht die anderen Tierkinder in einem Leiterwagen um die große Eiche und sie bauen gemeinsam ein Indianerzelt, bei dem Bummbumm die größten und schwersten Äste tragen darf.
Die Ergotherapeutin Isolde Fehringer hat in ihrer beruflichen Karriere viele solcher Kinder wie Bummbumm begleitet. Dieses Buch schrieb sie gemeinsam mit Klaus Ebenhöh für all diese Kinder, aber auch für ihre Freunde, Eltern und Pädagog*innen.
Den Autor*innen gelingt die Übertragung der Thematik auf die Tierwelt wunderbar. Die Tiere dienen als Objekte, um die Thematik ein stückweit von der menschlichen Gestalt abzulenken. Im Gegenzug bekommen die Tiere jedoch menschliche Züge, wie die Sprache und ihr Verhalten. Das Buch bietet vielfältige Möglichkeiten, um gemeinsam mit Kindern über die Verhaltensweisen der Tiere zu reflektieren und kommunizieren.
Der Einschlag des Buches ist durch einen Bärenkopf auf türkisen Hintergrund erkennbar. Die Rückseite des Buches zeigt passend den Hinterkopf des Bärs. Das quadratische Format des Buches ist handlich und in einer entsprechenden Größe für Kinderhände. Die Illustrationen von Daniel Spreitzer stellen die Emotionen der Tiere übertrieben dar, was diese jedoch in den Vordergrund rückt. Der kolorierte einfache Zeichenstil ist für Kinder leicht zu erkennen. Der Text ist in serifenloser Druckschrift in die Bilder eingefügt. An einigen Stellen bedient sich der Illustrator auch dem Comiczeichenstil, indem er verschiedene Handlungsabfolgen auf einer Doppelseite darstellt.
Insgesamt ein ansprechend illustriertes Buch, das viel inhaltliches Potenzial auf der pädagogischen Ebene verspricht. Sehr zu empfehlen!

(mesp, Rezension für die JULIM. Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW, Juni [?] 2019)


https://www.ajum.de/2019ii/ajum_2019ii-bibliothek-der-provinz-5.pdf#page=2