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Kurzbeschreibung

[The Selfish Giant, dt. · Ill. von Karl Korab]


Wenn die Kinder am Nach­mit­tag aus der Schule kamen, gingen sie für gewöhnlich in den Garten des Riesen, um dort zu spielen.

Es war ein großer, wunderschöner Garten mit weichem grü­nen Gras. Hier und da stan­den prächtige Blumen ster­nen­gleich auf der Wiese, außerdem zwölf Pfir­sich­bäu­me, die im Frühjahr zarte Blü­ten in rosa und perlweiß hervorbrachten und im Herbst reiche Frucht trugen.
Die Vö­gel saßen in den Bäumen und sangen so lieblich, dass die Kin­der im Spiel innehielten, um ihnen zuzuhören.
»Wie glücklich sind wir doch hier!«, riefen sie einander zu.

Eines Tages kam der Riese zurück. Er hat­te seinen Freund besucht, den Men­schenfresser von Cornwall, und er war sieben Jahre lang bei ihm geblieben. Nachdem die sieben Jahre vergangen waren, hatte der Riese all das gesagt, was zu sagen war; seine Gesprächsbereitschaft war nämlich begrenzt, und so entschied er sich dafür, in sein eigenes Schloss zurückzukehren. Als er dort ankam, sah er die Kinder in seinem Garten spielen.
»Was macht ihr hier?«, schrie er mit äußerst mürrischer Stimme und die Kinder liefen verängstigt davon.
»Mein eigener Garten ist immer noch mein eigener Garten«, sagte der Riese, »das muss jeder einsehen, und ich werde niemals jemandem außer mir selbst erlauben, darin zu spielen«. Und so errichtete er eine hohe Mauer rings um den Garten und stellte ein Warn­schild mit den folgenden Worten auf: Un­befugten ist der Zutritt bei Strafe verboten! – Er war wirklich ein sehr selbstsüchtiger Riese.



Rezensionen
Wendelgard Beikircher: Bekanntes Märchen von Oscar Wilde neu illustriert

Im bekannten Märchen von Oscar Wilde vertreibt ein selbstsüchtiger Riese die fröhlich spielenden Kinder aus seinem wunderschönen blühenden Garten. Ringsherum errichtet er eine hohe Mauer, die aber auch den Frühling aussperrt. Schnee und Frost, Nordwind und Hagel herrschen nun das ganze Jahr über … bis die Kinder dann doch wieder einen Zugang zum Garten finden – und der Riese der Liebe begegnet …

In dieser kleinformatigen, bibliophil gestalteten Ausgabe entwirft Karl Korab in warmen Farbtönen und ganzseitigen Bildern eine märchenhafte Welt, in der Selbstsucht und Herzensgüte, Winter und Sommer, Schuld und Reue, Liebe und Tod aufeinandertreffen. Die Illustrationen greifen die in den Texten angesprochenen Situationen seitenübergreifend auf und wirken in ihrer künstlerischen Ausgestaltung naiv und schablonenhaft. Reduziert auf die handelnden Figuren – maskenhaft der Kopf des Riesen – und weitflächige unberührte Gartenlandschaft, entwickelt sich die Geschichte vom herzlosen Riesen und den offenherzigen Kindern, die schließlich durch einen kleinen Jungen mit den Wundmalen Christi zu einem guten Ende gebracht wird.

Im Anhang sind die Kurzbiographien von Autor und Illustrator angefügt. Leider fehlt aber jeder Hinweis auf Ingeborg Mayer, deren sprachliche Umsetzung durchwegs überzeugt. Gelungen ist das Zusammenspiel von Text und Bild sowie die graphische und herstellerische Qualität des Märchenbuches.

(Wendelgard Beikircher, Rezension in: 1000 und 1 Buch)


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=15504&rezid=18258