
Die Nacht der Tiere
Michaela Weiss
ISBN: 978-3-99028-877-1
22,5×19 cm, [24] Seiten, zahlr. vierfärbige Abb., Hardcover
18,00 €
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Kurzbeschreibung
Die Nacht war blau wie Tinte, als die Versammlung der Tiere begann.
Die Tiere saßen dicht an dicht, Fell an Federn, Pelz an Panzer, Haut an Borstenhaar und Schuppen an Stacheln. Sie drängten sich aneinander, denn es war sehr kalt, und so konnten sie sich zumindest ein wenig wärmen. Alle sehnten sich nach ihren gemütlichen Höhlen und Nestern, ihren Seerosenblättern, Erdgängen und Unterhölzern. Aber sie waren sich einig, dass der Grund dieser Versammlung zu wichtig war, um im warmen Zuhause zu bleiben.
„Es war vor langer Zeit, aber ich erinnere mich sehr genau an damals“, sagte der Hund.
Die Tiere drängten sich immer dichter aneinander, um sich zu wärmen. Jedes Tier wollte dem Hund möglichst nahe sein, um kein einziges seiner Worte zu versäumen. „Woran erinnerst du dich, Hund?“, übersetzte die Steinfliege die Frage der Regenbogenforelle, denn kein anderes Tier konnte die ausgestoßenen, schillernden Luftblasen der Forelle verstehen, und so war es gut, dass die Steinfliege im Laufe der Zeit jede Regung des Fisches zu deuten gelernt hatte. „Weißt du denn etwas darüber, wie die Tiere und die Menschen früher zusammenlebten?“, knarrte der Sonnendachs, der aus einem berühmten zoologischen Garten angereist war, denn eigentlich lebte er in einem sehr fernen und heißen Land. „Waren sie glücklich?“, pfiff das Baumwollschwanzkaninchen und trommelte vor Aufregung einige Male mit den Hinterläufen auf die Erde. Dann sprang es unter die Waldblumen und verschwand.
Rezensionen
Heinz Wagner: Kinderbuch: Eine Konferenz der Tiere 2.0Michaela Weiss schafft in „Die Nacht der Tiere“ atmosphärische Kunstwerke, die ein Plädoyer für Achtsamkeit gegenüber Tieren sind.
Irgendwie erinnert die Geschichte an Erich Kästners „Die Konferenz der Tiere“, sozusagen eine Version 2.0. Aus allen Gegenden der Welt lässt die Autorin und Illustratorin Tiere dieser Welt – hier unter einer großen Eisenbahnbrücke zusammen kommen. War es bei Kästner vor 70 Jahren knapp nach dem 2. Weltkrieg die Frage von Kriegen, die die Tiere verhindern wollten, so versammeln sich hier die Tiere, um über den Umgang der Menschen mit ihnen und der Natur zu klagen. Und sie wollen mit dem Zug abhauen. Dann würden die Menschen schon sehen, erleben, wie sehr ihnen die Tiere fehlen.
„Aber die Menschen brauchen uns“, sagte der Hund. Und leise aber sicher fügte er hinzu: „und vor allem brauchen uns die Kinder. Sie finden Freunde in uns…“
Und so machten sich die Tiere wieder auf nach ihnen Zuhauses. Die Menschen hatten ihre Abwesenheit nicht einmal bemerkt. „Nur wer ihnen ganz nahe kam …“ Und jene, die das Buch lesen UND genau betrachten. Denn jedes einzelne der Bilder, ob kleine Illustration hinter dem jeweils ersten Großbuchstaben eines neuen Abschnitts oder Doppelseite ist ein Gemälde, in dem neben den großen erkennbaren Tieren, viele feine striche und Details zu entdecken sind.
Mit diesen Illustrationen vermittelt bzw. schafft sie ein Gefühl der Achtsamkeit gegenüber unseren tierischen Mitgeschöpfen. Und nicht nur damit, auch mit so manchen Wort-Bildern. Highlight ist wohl jener Auszug aus einem Satz: „übersetzte die Steinfliege die Frage der Regenbogenforelle, denn kein anderes Tier konnte die ausgestoßenen, schillernden Luftblasen der Forelle verstehen, und so war es gut, dass die Steinfliege im Laufe der Zeit jede Regung des Fisches zu deuten gelernt hatte.“
(Heinz Wagner, Rezension im Kurier, online veröffentlicht am 27. Dezember 2020)
https://kurier.at/kiku/kinderbuch-eine-konferenz-der-tiere-20/401139723
Franziska Trost: [Rezension]
Die Nacht der Tiere: Die Nacht ist tintenblau, so wie die verträumten Zeichnungen von Michaela Weiss. Unter einer Brücke kommen die Tiere zusammen, um über den Umgang der Menschen mit der Natur zu diskutieren – und über Flucht nachzudenken. Aber die Menschen brauchen uns doch, meint der Hund – vor allem die Kinder. Poetisches Büchlein über die Achtsamkeit im Umgang mit Tieren. Verlag Bibliothek der Provinz (ab 4 Jahren)
(Franziska Trost, Rezension in der Kronen Zeitung vom 15. Jänner 2021)