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Kurzbeschreibung

[Kunsthandel Widder. Text: Dr. Cornelia Cabuk, Karoline Eberhardt MA, Mag. Roland Widder]


Carry Hauser wohnte in der Tiroler Gasse 1 in Wien-Hietzing, in einem Biedermeierhaus, an dem heute eine Gedenktafel an den Künstler erinnert. Sein Sohn ließ das Atelier unverändert, weshalb ich bei meinen Besuchen an jenen Tischen und Stühlen saß, an denen Carry Hauser zu Lebzeiten Freunde empfing und seine Tagesroutine pflegte. Aufstehen und Malen, Mittagessen und anschließende Rast, nachmittags wiederum Zeichnen und Schreiben, Empfangen von Freunden und Gästen sowie die Teilnahme an Kunst- und Kulturveranstaltungen. Hauser war ein fleißiger Künstler, wie nicht nur die vorliegenden Arbeiten, sondern auch die im Werkverzeichnis dokumentierten, zeigen.

In diesem Verzeichnis schreibt Frau Dr. Cabuk treffend, dass der Künstler in seiner Kunst auf Zeitereignisse reflektiert. Mir wurde jedoch durch die vielen Besuche in Hausers Wohnung und Atelier, zwischen Grafikstapeln, Bildern und Büchern, umgeben von persönlichen Gegenständen, der Blick vor allem auf das Autobiografische und Persönliche geschärft. Bedingt durch die Gespräche mit dem Sohn schiebensich deshalb für mich immer wieder private Fotos und persönliche Geschichten zum Künstler vor, wenn ich dessen Bilder betrachte.

Ich sehe die Fotos des jungen Mannes und Soldaten, der sich in seinen frühen Bildern mit ihn prägenden Personen und Erlebnissen auseinandersetzt: Seinen Eltern und Großeltern, dem Krieg, in dem sein Bruder fällt, und der eigenen, erwachenden Sexualität. In enger Schrift schreibt er Briefe an seine Eltern und führt Tagebuch, während er in seinen Holzschnitten und Tuschezeichnungen seine Träume dokumentiert und sich mit Spielarten der Liebe beschäftigt. Mit ambivalenten Gefühlen geht er von Wien aufs Land, nach Hals bei Passau, wo seine Kunst eine spirituelle Wende erfährt. Er heiratet 1922, seine Mädchen werden zu Madonnen, die Lustobjekte religiös sublimiert. Zurück in Wien und innerlich gefestigter, baut er sich sein Netzwerk auf. Arthur Roessler und Franz Theodor Csokor stehen stellvertretend für Literaten, Künstler und Kunstkritiker. Neben dem Malen ist ihm seine Organisationstätigkeit im Hagenbund ebenso wichtig. 1934 markiert die Geburt seines Sohnes Heinz einen Höhepunkt, liebevoll gestaltete Klapphefte und Fotobüchlein dokumentieren dies. Thematisch stehen in seiner Kunst von da bis in die späten 50er Jahre die Themen Familie und Religion im Mittelpunkt seines Schaffens.

Ein Gutteil der Arbeiten im Nachlass besteht aus diesem Werkblock und zwei der monumentalsten Arbeiten Hausers zierten rechts und links den Durchgang vom Wohnzimmer zu seinem Atelier: Der Heilige Lukas als Schutzpatron der Maler und der Heilige Johannes als Schutzpatron der Dichter.