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Kurzbeschreibung

[Mit einem Essay von Georg Gröller]

… man kann mit Recht sagen, dass Silvia Scheid uns mit diesem Fotoband ein Kunstwerk vorgelegt hat: Durch die ideologischen Verbrämungen und den gesellschaftlich ›geeichten‹ Blick hindurch gelingt es ihr mit diesen Fotos, ein Augenmerk auf Zonen der Lebendigkeit zu werfen, die nicht nur der wahrscheinlich wichtigste geheime und eigentliche Motor dieser Wallfahrt sind, sondern darüber hinaus auch die libidinöse Empfänglichkeit eines von außen kommenden Betrachters berühren …


Durch das Charakteristikum der organisierten Ausnahmesituation reiht sich die Lourdes-Wallfahrt der Malteser in die Tradition einer der ältesten Kulturtechniken ein – die Veranstaltung von Feiern, Ritualen und Spielen. Deren Funktion besteht natürlich vor allem darin, Orte und Zeiten lustvoller Übertretungen zu schaffen, die uns helfen sollen, den notwendigen Triebverzicht des täglichen Lebens besser zu ertragen. Um diese Funktion erfüllen zu können, muss der Exzess des Augenblicks mit der Sicherheit seiner zeit-örtlichen Begrenzung zusammenkommen. Wir können den Karneval oder die Hochzeitsfeier, oder heute vielleicht besser das Rockfestival, nur deswegen in vollen Zügen und ohne Sorgen genießen, weil wir die Sicherheit haben, nachher wieder in die geordneten Bahnen unseres normalen Lebens zurückzukehren. Durch diese Möglichkeit des Durchatmens sichert das Fest so das Fortbestehen unseres Alltags. Es ist damit allerdings auch der Gegenspieler einer wirklich radikalen Veränderung des Lebens. Genau dieses Motiv könnte für die Lourdes-Wallfahrt der Malteser eine nicht geringe Rolle spielen.