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Kurzbeschreibung

[Hrsg. von Elisabeth Ragl]


Eines Abends fällt Anna an die Decke.

Einfach so?
Nun, vielleicht, weil sie einen Kopfstand gemacht hat …

Kaum ist Anna in der verkehrten Welt gelandet, holt Alwin Silbertrompete sie ab.
Zusammen mit Madame Coco und anderen Musikern fahren sie durch den Abendhimmel zum Vollmond.
Ein wunderbar wildes Konzert beginnt!

Und als sich der Monddrache über Krach und Klamauk beschwert, tritt Anna ihm mutig entgegen und bezähmt ihn.
Wie schafft sie das bloß?



Rezensionen
Lukas Bärwald: Wo oben unten ist und unten oben

Anna stellt sich auf den Kopf – und erlangt einen neuen Blick auf die Welt.

Das Hamburger Vollmondorchester musiziert seit 1988 jeden Monat in der Nacht der höchsten Strahlkraft des Erdtrabantens. Dann treffen sich rund zwei Dutzend Musikanten und lassen ihre Instrumente zu Ehren des Mondes erklingen. In just dieser Stadt wohnt der Autor und Illustrator Jens Rassmus. Sein Vollmondorchester besteht in diesem Bilderbuch aus einer Vielzahl illustrer Phantasiewesen, wie Tim Tuba, Alwin Silbertrompete und Madame Coco, die eines Nachts mit dem Ruderboot vor Annas Fenster schweben – mit dem Kopf nach unten und den Rudern in der Luft.

Aber Anna wird von ihren Eltern ignoriert, geht wortwörtlich an die Decke und schon ist oben unten, unten oben, die Straßen der Himmel und der Himmel das Meer. Diese Bewegung in Annas Wahrnehmung vollzieht das Buch mit und stellt die Welt in Bild und Text auf den Kopf. Auf dem Mond beginnt die liebevoll monströs gestaltete Kapelle sogleich mit ihrem Konzert und nachdem der aufgebrachte Monddrache beschwichtigt worden ist, bebt der volle Mond vor lauter Tanz und Musizieren, bis der Schlaf das Ende bringt.

Im Gegensatz zur Musik zum Träumen ist dieses Buch ein Traum zur Musik, der im vergangenen Jahr vom ARCOrchester im Brucknerhaus Linz als Musiktheateraufführung adaptiert wurde. Aus diesem Anlass ergänzte Jens Rassmus das bereits im Jahr 1999 erschienene Bilderbuch um einige weitere Szenen und ließ die Bedrohung durch den Monddrachen nicht nur abgewehrt werden, sondern stattete ihn und seine Abneigung gegen die Musik mit einer Hintergrundgeschichte aus und machte ihn zum guten Ende zum begeisterten Tänzer des Vollmondorchesters. Diese Veränderung der Perspektive und Wahrnehmung ist dabei das grundlegende Element in der Bild- und Textgestaltung. Indem sich Anna auf den Kopf stellt, nachdem die mehr dem Fernseher zugewandten Eltern sie ins Bett schicken wollen, erlangt sie einen neuen Blick auf die Welt. Auf die gleiche Weise ist sie diejenige, die in dem Monddrachen nicht das bedrohliche Ungeheuer, sondern ein ver- und aufgeschrecktes Wesen sieht, das sich ebenso nach der Musik sehnt.

Die weich konturierten Acrylbilder stehen auf den Doppelseiten den mit feinem Strich gezeichneten Vignetten gegenüber. Dabei ist das dunkel-warme Blau des Meeres und der Nacht, das sich schon in der ersten Illustration durch das Fenster schleicht, die bestimmende Farbe der Bilder und dient als Sehnsuchtsmetapher. Sehnsucht nach einer traumhaften Reise aus der gewohnten Welt an einen Ort, an dem die Wirklichkeit auf dem Kopf steht und das Vollmondorchester zum Tanz bittet.

(Lukas Bärwald, Rezension in der Furche 16/2008)


Klaus Nüchtern: Jens Rassmus, „Das Vollmondorchester“

Mit dem Kopf nach unten hängt auch Anna von der Zimmerdecke. Doch was heißt schon oben, was unten? Man braucht das jüngste Buch von Jens Rassmus, dem wir ja das Jahrhundertwerk „Bauer Enno und seine Kuh Afrika“ verdanken, nur auf den Kopf zu stellen, um zu sehen, dass man es eigentlich auf die Füße gestellt hat. Man blättert also von links nach rechts und dann von rechts nach links und dann wieder Und siehe, der Himmel wird zum Meer, und die Häuser hängen ins heilignüchterne Wasser. Auf dem rudert Anna mit Heribert Hut, Tim Tuba, Madame Coco und Alwin Silbertrompete zum Mond, wo „Das Vollmondorchester“ einen rechten Radau macht, was den Lockenwickler tragenden Drachen ziemlich vergrätzt. Aber wo Gefahr ist, wächst bekanntlich das Rettende auch, und Jens Rassmus erweist sich einmal mehr als Meister einer luziden mondlichtigen Romantik, die auch unausgeglichene Gemüter nicht allzu sehr aufwühlen wird.

(Klaus Nüchtern, Rezension im Falter #49/99 vom 10. Dezember 1999, S. 67)