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Kurzbeschreibung

Hrsg. von Thomas Hofmann, Erich Rabl und Wolfgang Stangl


Heimatbücher haben oft viele Vorworte. Dieses Buch besitzt keines. Ist es etwa kein Heimatbuch? Unsere Absicht ist es, den Bezirk Horn in seiner gesamten Vielfalt darzustellen. Dabei wäre jeder Versuch der Vollständigkeit eine Anmaßung. Wie wäre es auch möglich, alleine die Zeitspanne von rund 3,4 Milliarden Jahren - so alt ist das älteste Teilchen des Bezirks, gemessen an einem Zirkonkristall aus Drosendorf - zu bewältigen? Ein ganzes Menschenleben, und auch drei Menschenleben würden nie ausreichen, um diesen Zeithorizont, der sich räumlich auf 783,9 km² zwischen Thaya, Taffa und Kamp erstreckt, zu beschreiben.

Daher entschlossen wir uns, ein Mosaik anzuferigen; kleine Teile, Ausschnitte, Aspekte zu einem, wenn auch willkürlichen Ganzen zusammenzufügen. Die Definition des Mosaiks wurde Leitfaden und Titel des Buches: Durch das Aneinanderfügen verschiedenfarbiger und/oder verschieden geformter Teile soll ein neues Muster, ein neues Bild entstehen. Die Herkunft des Wortes »Mosaik« vom arabischen »musäuwak«, das für »geschmückt« oder »verziert« steht, war uns eine Herausforderung, ein schönes, ästhetisch anspruchsvolles Buch zu machen. So haben sich viele Fotografen auf den Weg gemacht, um das Land festzuhalten. Gerade Fotos, die im Bruchteil einer Sekunde einen ganz bestimmten, mehr oder minder eng begrenzten Ausschnitt festhalten, eignen sich als Mosaiksteine. Die Zahl der aufgenommenen Fotos, zusammen mit der Zahl jener, die wir aus Archiven entnommen, angeschaut, in Betracht gezogen und diskutiert haben, übersteigt bei weitem die Tausendergrenze. Die schlussendlich veröffentlichten Fotos stellen daher nur eine kleine Auswahl dar. Kirchtürme, lachende Menschen, Bauern bei der Feldarbeit, Hausfassaden, blühende Mohnfelder, Kellergassen; all das sind Ausschnitte und Momente, die in Summe ein Ganzes ergeben - eben ein Mosaik.

Auch die Texte können nur Details des Bezirks wiedergeben. Ein wichtiges Anliegen ist uns, Bekanntes aus einer vielleicht weniger bekannten Perspektive darzustellen. Zum Beispiel die Stadt Horn, Mittelpunkt, Herz und Lebensader des östlichen Waldviertels. Wie wurde sie 1835 gesehen? Was hat sich 1890 getan? Wie hat sich Horn verändert? Die Antwort geben uns Reiseschriftsteller, die sich der Stadt Horn mit jener Unbefangenheit nähern, die nur Reisende an den Tag legen können.

Die (Kunst-)Geschichte der Stifte Altenburg oder Geras würde allein Stoff für mehrere Bücher abgeben. Die Darstellung des Endes des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 und die des Stiftes Altenburg in einem Artikel zu vereinen, mag unkonventionell erscheinen, doch eröffnet sich vielleicht gerade daraus ein neuer Zugang zum Kloster, zum Glauben oder zur Vergangenheit.

Wenn die Rosenburg stets mit der Ballade »Es liegt ein Schloss in Österreich« in Verbindung gebracht wird, so soll diese hier auch wiedergegeben werden. Dass der junge Grillparzer in Schloss Greillenstein weilte, wissen wenige. Was er seiner Mutter am 10. Juli 1807 schrieb, ist nur eingefleischten Grillparzerverehrern vertraut und soll nun allgemein zugänglich werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Geologen Moriz Hörnes, dem Kino in Drosendorf oder dem Sommerfrischeort Gars. Auch die Langauer Kohle, sprich Details von deren kurzer Bergbaugeschichte, mag heute den meisten nicht mehr bekannt sein. Wer weiß schon, was Bertha von Suttner in Harmannsdorf empfand? Wem sind die phantastischen Ideen eines gewissen Herrn Paur ein Begriff?

Vollständigkeit? Braucht man sie wirklich? Entsteht das vollständige Bild nicht sowieso im Kopf jedes Einzelnen? Es lassen sich unzählige einzelne Fäden spinnen, die jeder zu seinem eigenen Netz vernetzt. Ein Beispiel sei erwähnt: Jener Abt, der in der Barockzeit Stift Altenburg und auch Maria Dreieichen ausbaute, Placidus Much, stammte aus dem Weinbauort Straning. Einer seiner Nachfahren, Michael Much, nahm im 19. Jahrhundert Weinreben aus Italien mit nach Hause. Hier pflanzte er sie und kultivierte so den »Much'sehen Veltliner«, der heute noch verbreitet ist. Dass zwischen der Familie Much aus Straning und der Familie Weber in Röschitz (Stichwort: Lössschnitzereien im Weberkeller) verwandtschaftliche Beziehungen bestehen, zeigt, wie sehr hier alles verwoben ist. So ließen sich unzählige feine Fäden weiterspinnen, von Ort zu Ort, von Mensch zu Mensch.Derartige Betrachtungen zeigen, dass es bei einem Heimatbuch im Grunde keinen Anfang und kein Ende gibt. So möchten wir mit diesem Buch dazu anregen, Eindrücke, Bilder und Erinnerungen zu einem eigenen Mosaik zusammenzufügen. Fixpunkte und gleichsam ein roter Faden sind Beiträge zur Geschichte und Gegenwart des Bezirkes und die umfassende, auf statistischen Zahlen und Erhebungen beruhende Darstellung der 20 Gemeinden und 152 Ortschaften.

Heimat ist vielfältig. Heimat erlebt jeder anders, und daher ist dieses Buch kein »normales« Heimatbuch. Die Autoren dieses Buches wollen Mut machen, den Bezirk Horn, der vielen eine Heimat ist, neu zu sehen und zu erleben ...