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Kurzbeschreibung

[Aus "La notion d'espace dans l'œuvre narrative de Thomas Bernhard]


Mit Frost (1963), seinem ersten umfangreichen Werk – 1965 mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet – , ist Thomas Bernhard der Durchbruch in die Welt der Literatur schlagartig gelungen.

Dieses Werk bleibt, unserer Ansicht nach, ein Meisterstück sowohl auf der sprachlichen als auch auf der inhaltlichen Ebene. In »Tage« und »Briefe« gegliedert, enthält diese Erzählung zahlreiche autobiographische Elemente, die erst später, also ab 1975, bei der Erscheinung der Autobiographie entschlüsselt werden konnten.

Bis zur Veröffentlichung von Frost noch völlig unbekannt, zählt Thomas Bernhard zwanzig Jahre später zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern. Viele Preise wurden ihm inzwischen verliehen. Die Sekundärliteratur übertrifft bei weitem sein eigenes schöpferisches Werk: ein unverkennbares Zeichen des Erfolgs.

»Unser hochgeschätzter ja schon weltberühmter Autor über welchen jetzt schon mehr Bücher erschienen sind als er selbst geschrieben hat.«

Einen wesentlichen Zug seines Werkes bilden Humor, Ironie, ja Sarkasmus gegen die Welt, aber auch gegen den Autor selbst gerichtet. Ein Moment, allzuoft von der Kritik übersehen, die ihn vor allem als einen düsteren Autor betrachtet, wogegen er sich sträubt.

»Bei 'Frost gab's auch zu lachen, nur hat es niemand gemerkt.« Für Marcel Reich-Ranicki ist Thomas Bernhard »(...) der hartnäckige Sänger der Krankheit und der Auflösung, des Unterganges und des Todes.«

Botho Strauß hingegen widerlegt diese Behauptung: »Bernhards Bücher handeln so wenig vom Tod wie Stifters Bacher von der Natur handeln.«

Also bleibt die Frage offen... Bernhard selbst aber liefert die Antwort, nicht ohne Paradox!

»Der Tod ist mein Thema, weil das Leben mein Thema ist.« Wenn auch dominant, schließt dieses Thema andere nicht völlig aus. Darunter ist keines belanglos oder nebensächlich. Dieses oder jenes zu bevorzugen wäre rein arbiträr. Aber in Betracht der Fülle der Bernhardschen Thematik einerseits und der großen Zahl der Kommentare darüber ist es uns als erforderlich erschienen, unsere Arbeit auf ein einzelnes Motiv einzuschränken. Stark beeindruckt von der Bedeutung des Raumbegriffs bei Bernhard, haben wir diesen Aspekt zum Mittelpunkt unserer Untersuchung gewählt.