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Kurzbeschreibung

Wiener Karl-Kraus-Vorlesungen zur Kulturkritik ; 1. - edition seidengasse


»Wenn Elite irgendeine Funktion hat, dann die der indirekten Doch-Beeinflussung von Politik und Kunst. Das ist aber ausgeblieben. Alle Dinge, die differenziert nicht abgehandelt werden, kommen später vulgär zurück.« (Werner Schwab)

Seit dem Frühjahr 1987 laden die Wiener Vorlesungen Persönlichkeiten des intellektuellen Lebens dazu ein, ihre Analysen und Befunde zu den großen aktuellen Fragen und Problemen der Welt vorzulegen. Seit Beginn der Reihe waren über 1200 Referentinnen und Referenten bei den Wiener Vorlesungen zu Gast. Im Sinne des Diktums von Werner Schwab geht es den Wiener Vorlesungen um eine Schärfung des Blicks auf die Differenziertheit und oft auch Widersprüchlichkeit der gesellschaftlichen und kulturellen Wirklichkeit.

Mit dem Vortrag von Josef Haslinger und dem nun vorliegenden Band beginnen die Wiener Vorlesungen eine neue Reihe, die »Karl Kraus Vorlesungen zur Kulturkritik«. Karl Kraus war einer der pointiertesten Politik-, Kultur-, Ideologie- und Sprachkritiker des 20. Jahrhunderts. Seine Texte, die er bei 700 Vorlesungen zwischen 1910 und 1936 zum größten Teil in Wien vorgetragen hat, richteten sich gegen Verlogenheit, Sensationsgier, Kriegstreiberei, Doppelmoral, Lüge und Kitsch. Mit seinen Vorlesungen erreichte Karl Kraus ein großes Publikum. Er hatte einen präzisen Blick auf die politischen und kulturellen Entwicklungen seiner Zeit, die er kritisch kommentierte und deren Konsequenzen er mit großer Klarheit vorhersah. Mit den »Karl Kraus Vorlesungen zur Kulturkritik« nehmen die Wiener Vorlesungen die Tradition einer im Befund genauen und im Ausdruck geschliffenen und pointierten Kulturkritik, wie sie u.a. von Karl Kraus, Anton Kuh und Egon Friedell gepflegt wurde, wieder auf.

Bei der Formulierung der Zielsetzungen dieses neuen Projektes der Wiener Vorlesungen war unsere erste Prämisse, dass unsere Kultur, die durch Konsumindustrie und Populismus konsequent vernebelt wird, Impulse der Aufhellung, der Aufklärung, der Auseinandersetzung und der Kritik braucht. Der Hauptstrom der medialen Produktion dient – nicht anders als in anderen Epochen der Geschichte – der Affirmation dessen, was sich machtvoll Geltung und Durchsetzung verschafft. Kulturkritik wird derzeit häufig von den wirklich praktischen Leuten, die wirklich auf allen zehn Zehen im wirklichen Leben stehen, als fatalistische und defensive Haltung denunziert; von »Kulturpessimismus« ist dann die Rede, weil es leichter ist, Kritik mit der Phrase der Fortschrittsfeindlichkeit zurückzuweisen, als sich mit ihren Inhalten auseinander zu setzen.

Das Wissen, dass sich selbst die finstersten Ideen, Interessen und Mächte in der Geschichte mit dem Etikett des Fortschrittlichen schmückten, bestärkt uns in dem Anliegen, dass man dem, was in zeitgeistigen und modischen Kleidern daherkommt, die häufig nur altbekannte Macht- und Herrschaftsinteressen kaschieren, mit Vorsicht und Kritik begegnen muss ...