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Kurzbeschreibung

[Umschl.-Abb.: © Jutta Schneeweiß]

Zu Hause nach dem Mittagessen hatte der Vater plötzlich den absonderlichen Einfall, die Küche auszumalen. Auf der Stelle wurde alles mit Zeitungspapier zugedeckt, außer der Bank. Auf der saß ich, einen Mantel übergeworfen, in der Ecke, fröstelnd vor Kälte, die durch die offene Tür hereinkam, während er mit einem Rasierpinsel – etwas anderes besaßen sie nicht – die Wände weißigte. Mir wurde mit der Zeit vom Geruch der Farbe richtig übel und ich bekam Bauchkrämpfe. „Das habe ich jetzt davon, dass ich vorzeitig aus dem Krankenhaus hinauswollte, sagte ich mir.“ Paul legte seine Hand tröstend auf jene der Mutter. „Es wurde bereits dunkel, und es war noch kein Ende abzusehen. Am späten Heiligen Abend, waren die Wände dann endlich fertig gestrichen.“
„Sein Vater hatte sich damals wohl auf seine Art die Zukunft ausgemalt“, dachte Paul.
Mehr für sich flüsterte er: „Weiße Weihnachten …“



Der Titel „Kleider des Himmels“ als poetisches Bild für die Wolken ist eine Entsprechung für die schwankende Stimmungslage von Agnes, der Protagonistin des Romans, die in den kurzen Pausen zwischen den Katastrophen ihr Fortkommen sucht.
Für Agnes sind die „Kleider des Himmels“ der Sehnsuchtsort, eine wirkungsmächtige Zufluchtsstätte: „Manchmal wünsche ich mir so sehr, dass mich eine der Wolken dort oben still und leise fortträgt…“
Dieses „Dokument“ einer Frau und Gattin „mit schönen glänzenden dunklen Augen“, die vergeblich versucht ihr Leid dadurch erträglicher zu machen, dass sie sich mitunter einen sanften Tod erhofft, der sie aller bangen Sorgen entledigt, soll das Dasein in einem Licht schildern, das nur noch in ihren Wachträumen seine einstige (kleinbürgerliche) Pracht entfalten kann.
Die beiden „gebrochenen“ Frauen, Helene (Mutter von Martin, dem Gatten) und – ungleich mehr – Agnes (Mutter der beiden Kinder Paul und Regina, sind Menschen, die sich ihrer misslichen Lage zwar b ewusst sind, aber einfach zu wenig Kraft und mangelnde Unterstützung haben, um ihre Last abzuschütteln und der seelischen Bedrückung und ihrer „Prädestination“ halbwegs unbeschadet zu entkommen.
Paul und Hanna, die jungen Liebenden des Romans, selbst zugleich Getriebene und Opfer, leben das aus bzw. führen fort, was sie als „Idealzustand“ einer Beziehung jeweils vorgelebt bekommen; und ihnen gelingt es auch als Studierende nicht, sich der Fesseln gesellschaftlicher Konventionen zu entledigen. So setzt sich unter umgekehrten Vorzeichen fort, was sie von ihren Eltern „ererbt“ haben.



Rezensionen
Karin Waldner-Petutschnig: Ein Familien-Porträt in Grautönen

Arnulf Ploder schildert ein Frauenleben zwischen Erdenschwere und Sehnsucht.

Weil Frauen oft so viel aushalten müssen, um eine Familie zusammenzuhalten. Der Mann ist ja bald einmal weg“, erzählt Arnulf Ploder von seinen Beweggründen, einen Roman über zwei Frauenschicksale zu schreiben. Von der ständig kränkelnden, an unerfüllten Hoffnungen und ihrem untreuen Mann leidenden Agnes und von Helene, ihrer Schwiegermutter. Und auch die dritte, junge Generation in Gestalt der Kinder Paul und Regina scheint sich nicht aus dem familiären Muster aus Abhängigkeit und Kleinmut lösen zu können. Es ist ein Familienporträt in Moll, das der Autor entwirft. Langsam und über mehrere Jahre erzählt er vom kleinbürgerlichen Leben und Träumen in der Provinz, von abwesenden Männern und depressiven Frauen. Wie er das tut, ist lakonisch und nüchtern, „an Stifter geschult“, wie er im Gespräch selbst sagt. Die Gefühle brodeln unter der Oberfläche, doch ab und zu durchbricht Poesie den Protokollstil: „Zu dritt gingen sie nach oben: die kleinen Schweigestill und Sagjanichts und eine Leidefroh.“ Den Titel für seinen ersten Roman leiht sich Arnulf Ploder, Preisträger des Lyrikwettbewerbes der Klagenfurter Stadtwerke 2019, von William Butler Yeats, bei dem es in einem gleichlautenden Gedicht heißt: „… hab nur meine Träume. Die legte ich zu deinen Füßen aus, tritt sanft, du trittst ja auf meine Träume.“
Mit den Wolken, den „Kleidern des Himmels“, zieht die Sehnsucht nach Glück für Agnes dahin. Und die Erdenschwere des Alltags drückt sie zu Boden. Der Autor, pensionierter Deutsch- und Philosophielehrer in Klagenfurt, ist ein genauer Beobachter, der ohne Pathos aber mit viel Empathie für seine Figuren persönliche Schicksale entwirft.

(Karin Waldner-Petutschnig, Rezension in der Kleinen Zeitung Ausgabe Kärnten vom 19. Oktober 2020)