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STRANDBAD DROSENDORF – Wo Sommerfrische lebt

Geschichte · Kultur · Erinnerungen · Rezepte aus der Strandbadküche

Mella Waldstein

ISBN: 978-3-99028-890-0
23 x 24,5 cm, 128 Seiten, zahlr. vierfärbige Abb., Hardcover m. Schutzumschl.
€ 28,00
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Kurzbeschreibung

[Mitarbeit: Susanne Meiringer]

Die Geschichte der Badekultur am Beispiel des Strandbades Drosendorf an der Thaya


Der rührige Verschönerungsverein von Drosendorf errichtete unter Mithilfe der Stadtgemeinde an Stelle des den derzeitigen Bedürfnissen viel zu klein gewordenen Bades eine neue Strandbadanlage mit 50 Kabinen und einem Tennisplatz. Am 21. d. [Monats, 21.7 1929] fand, wie uns aus Drosendorf geschrieben wird, die Eröffnung der neuen Anlage statt. Der Verschönerungsverein hatte das bekannte Orchester der „Musikfreunde“ in Stockerau für das Fest gewonnen. Am 20. d. [Monats], abends, leiteten Fanfaren vom Turm der Stadtpfarrkirche das Fest ein, denen sich sodann ein Konzert im Hotel Failler anschloß. Der Obmann des Verschönerungsvereines R. Maurer konnte zahlreich erschienene Sommergäste, dann die Bürgermeister von Drosendorf-Stadt und -Altstadt, Kloiber und Planer, General Graf Hoyos und viele andere begrüßen. Sonntagmittag wurden die Badeanlage und der Tennisplatz ihrer Benützung übergeben. Auf den Wiesen vor dem Bade entwickelte sich ein lebhaftes Strandleben und war für Unterhaltung bestens gesorgt. Handballspiele, Stafettenlaufen, Tauziehen, Orchestervorträge der „Musikfreunde“ Stockerau und Hörnerfanfaren ließen den Nachmittag viel zu rasch vergehen.

(Kleine Volks-Zeitung, 24. Juli 1929)



Rezensionen
Helga Maria Wolf: Mella Waldstein, „Strandbad Drosendorf“

Seit alters her genossen Adelige das Landleben fernab der Residenz in ihren Traumschlössern und Jagdhäusern. Vor rund 200 Jahren entdeckten bürgerliche Kreise die Sommerfrische. Vor dem geistigen Auge entsteht Leopold Kupelwiesers Aquarell „Landpartie der Schubertianer“, das fröhliche Reisende im Gesellschaftswagen bei Atzenbrugg zeigt. Bald machten sich viele Wiener Familien auf den Weg in ländliche Quartiere. So erinnerte sich die Burgschauspielerin Rosa Albach-Retty (1874–1980): Jedes Jahr brach in der letzten Juniwoche das Urlaubsfieber aus. Dann holte die Anna … die großen Tragkisten und Körbe vom Dachboden … und sorgte dafür, dass alles rechtzeitig zum Westbahnhof gebracht wurde. … Man fuhr damals mit Sack und Pack und selbstverständlich mit den Dienstboten auf Sommerfrische. Menagieren nannte man das.

Ab 1910, als die Lokalbahn aus Retz kam, wurde Drosendorf im Waldviertel (Niederösterreich) ein beliebtes Ziel naturbegeisterter Städter. In der rund 1200 Einwohner zählenden Gemeinde an der Thaya, nächst der tschechischen Grenze, „sind all die Zutaten für eine klassische Sommerfrische vorhanden“, schreibt Mella Waldstein: Die wohlarrangierte Landschaft mit einer charaktervollen Flusslandschaft, malerische Felsen, aber auch sanfte Wiesen, südlich anmutende Hänge mit Robinien, Wacholder und Thymian und das dunkle, stille Grün der Wälder. Die Autorin muss es wissen. In Paris geboren und in einem Waldviertler Schloss aufgewachsen, wohnt Mella Waldstein in Drosendorf. Nicht nur das, die exzellente Niederösterreich-Kennerin und Publizistin pachtete auch das Restaurant im dortigen Strandbad. So erfährt man in ihrem jüngsten Buch viel Wissenswertes über die vor fast 100 Jahren eröffnete Freizeiteinrichtung. Mit historischen und aktuellen Fotos reich illustriert, gliedert es sich in vier Sachgebiete: Geschichte, Kultur, Erinnerungen und Rezepte aus der Strandbadküche.

Die Geschichte des Strandbades Drosendorf begann am 21. Juli 1929, nachzulesen in der wenige Tage danach erschienen Kleinen Volks-Zeitung: Das Eröffnungsfest fing am Vorabend mit Fanfarenklängen und einem Konzert an. Am folgenden Sonntag konnte der Verschönerungsverein, dem die Anlage zu verdanken war, zahlreiche Honoratioren begrüßen und es war für Unterhaltung bestens gesorgt. Handballspiele, Stafettenlaufen, Tauziehen, Orchestervorträge … und Hörnerfanfaren ließen den Nachmittag viel zu rasch vergehen. Das neue Badhaus von Drosendorf könnte ein berühmtes Vorbild haben, das alte Strandbad Wannsee in Berlin. Ihre Bilder gleichen sich wie Zwillinge. Schon um die Jahrhundertwende hatte der Verschönerungsverein das Badeparadies Drosendorf eifrig beworben, sogar von der „Thaya-Schweiz“ war die Rede. Nach den beiden Weltkriegen nahm das Strandbad 1947 wieder den Betrieb auf, die dortigen Sommerfeste mit der Wahl einer Standbadkönigin, Volkstanzvorführungen und Sportwettbewerben waren legendär. In den 1960er Jahren begann jedoch sein bis 1993 andauernder Dornröschenschlaf. Dann wurde es als „Kneipp-Aktiv-Thayabad“ kurzfristig gerettet. Nach der Jahrtausendwende begann eine neue Ära mit Innovationen, wie Open-Air-Kino, Kinderferienspiele, Yogakurse, Cocktailabende oder Tanz auf der Terrasse. Die Co-Autorin Susanne Meiringer pachtete das Bad und Mella Waldstein wurde Strandbadwirtin. Das Strandbad setzt mit einer kleinen, aber leichten Sommerküche, mit frischen Produkten, regionalen Waren und Slowfood-Buffets bei Kinoabenden auf eine Küche abseits von Pommes und Leberkäsesemmel. Einige ihrer Beobachtungen aus der „Loge am Fluss“ teilt sie dann humorvoll mit. Die Kochrezepte – von roter Linsensuppe bis Schokoladekuchen – füllen einen ganzen Abschnitt zum Ausklang des Buches. Artikel über die Müllerzünfte und das städtische Elektrizitätswerk runden den ersten Block ab.

Über die Kultur auf der Thayawiese gibt es vieles zu berichten. Die kreativen Pächterinnen organisieren ein Sommerkino, „Lesungen unterm Sonnenschirm“, das „Forum Experimentelle Architektur von und mit Jan Tabor“, Theater und Popkonzerte. Auch „Ansichten aus Drosendorf“ fallen in das Kapitel Kultur. Die „Landstadt“ ist eine „Bilderbuchstadt“, wie historische und moderne Fotos bezeugen. Eine Besonderheit ist die einzige noch vollkommen geschlossene Stadtmauer Österreichs. Weit über die Stadt- und Staatsgrenzen hinaus führen die Fotoessays über Bäderarchitektur und eine Flussreise entlang der Thaya: Die Thaya ist neben dem Kamp der wichtigste Fluss des Waldviertels. Sie entspringt bei Schweiggers und mündet bei Hohenau im Weinviertel in die March. 235 Kilometer liegen zwischen Quelle und Mündung. Bei Raabs bekommt die Thaya Verstärkung. Die Mährische Thaya verbindet sich mit der Deutschen Thaya.

Erinnerungen der Gäste sind im dritten Block zusammengefasst. Die ersten Reminiszenzen stammen vom Wiener Autor Alfred Wolf. Geboren 1923 (also älter als das Strandbad) war er 1937 auf Sommerferien in Drosendorf. Mit Gleichaltrigen verbrachte er in der Thayastadt und Umgebung einen Abenteuer- und Kultururlaub. Floß- und Bootsfahrten auf dem Fluss standen auf dem Programm, ebenso Ausflüge auf den Umlaufberg, zu den Burgruinen Eibenstein und Kollmitz oder nach Mähren. Für einen Vierzehnjährigen bemerkenswert sind die Architektur- und Landschaftsfotos, die Alfred Wolf mit seiner Zeiss-Ikon-Kamera Marke „Box Tengor“ aufnahm. Gestochen scharf illustrieren sie jetzt seinen Artikel. Nach mehr als 80 Jahren eine echte Rarität! Die Psychologin Christiane Rizzi hat ihre Erlebnisse im Thaya-Bad in Verse gegossen, die Literaturpreisträgerin Barbara Neuwirth bevorzugt dafür Prosa. Dem Text von Martin Trautmann merkt man an, dass sein Verfasser „seit frühesten Kindheitstagen mit ganzem Herzen Drosendorfer“ ist.

Mella Waldstein, die auch als Stadtführerin fungiert, macht mit ihrem ansprechend gestalteten Buch Lust, in Geschichte und Gegenwart Drosendorfs einzutauchen. Und sie macht Gusto zum Probieren der Rezepte aus der Strandbadküche, von denen appetitliche Farbfotos im 4. Kapitel zu sehen sind.

(hmw, Rezension für Austria-Forum. Das Wissensnetz aus Österreich, veröffentlicht am 14. Oktober 2020)


https://austria-forum.org/af/Kunst_und_Kultur/B%C3%BCcher/B%C3%BCcher_%C3%BCber_%C3%96sterreich_2020/Waldstein_-_Strandbad_Drosendorf