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Kurzbeschreibung

[Hrsg.: Landesmuseum Joanneum, Jagdmuseum und Landwirtschaftsmuseum Schloss Stainz]
[artedition | Verlag Bibliothek der Provinz]



Die Geschichte von Diana und Aktaeon entstammt dem berühmten, etwa am Anfang unserer Ära entstandenden Bücherzyklus der Metamorphosen des römischen Dichters Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. – 17 n. Chr.). Gerald Brettschuh schafft es, diesen antiken, tragischen Jagdmythos ganz neu, in weiblichem Sinne zu interpretieren und mit einer zeitgemäßen Mythologie persönlicher und örtlicher Art zu verbinden.
Wenn man im römischen Urtext nachschlägt findet man ganz andere Akzente als in den hier abgebildeten Kunstwerken. Bei Ovid stehen das Weibliche und das Männliche, verkörpert in der keuschen Diana als Beispiel perfekter, weiblicher, nackter Schönheit und im virilen, tapferen Jäger Aktaeon, in tödlicher Opposition. Er als Sterblicher hat die göttliche Diana nackt gesehen und hat sich damit der schlimmsten antiken Freveltat schuldig gemacht: der Hybris oder des Übermutes, des Vergehens gegen die göttliche Ordnung. Er hat sich vom Jagdrevier der Menschen zu weit entfernt, in den verbotenen Bereich der Götter begeben und muss darum unbedingt und sehr grausam sterben. (…)

Man findet überhaupt nichts von dieser ovidischen Moral in Brettschuhs künstlerischer Auseinandersetzung mit dem antiken Mythos. Andere Zeiten haben andere Sitten und auf diese Weise ist seine unterschiedliche Thematisierung einer uralten Geschichte auch sehr modern zu nennen.
In seiner Diana und Aktaeon gewidmeten Serie fehlen die rücksichtlosen Mitjäger und blutrünstigen Hunde überhaupt und die weiblichen und männlichen Hauptakteure spielen jede und jeder eine deutlich andere Rolle. Die gänzlich andere Natur ihres beiderseitigen Verhaltens ist von größter Bedeutung. Wohl ist Aktaeon auch bei Brettschuh ein Gesetzesbrecher. Aber die Metamorphose führt nicht zu seinem Tod: In manchen Teilen der Serie erfährt er die Annäherung Dianas und die beiden Hauptfiguren bilden ein erotisch glückliches Paar. Anders als bei Ovid bildet nicht der Zorn Dianas den End- und Angelpunkt der Historie. Aktaeon bleibt unbestraft. (…)

In Gerald Brettschuhs Bildern vom Treffen Dianas mit Aktaeon, von Mann und Weib, von These und Antithese, verschmelzen dionysisch erotische Berauschung und apollinisch edles Menschentum zu einem Gleichgewicht, einer Harmonie. Eine aufregenden künstlerischen Synthese.

(Joost Vander Auwera, Diana und Aktaeon: Thema – Herkunft – Verwandlung. Gerald Brettschuhs Metamorphose einer Metamorphose)