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Kurzbeschreibung

[Übers. von Nina Bungarten. Kommentiert und hrsg. von Robert Streibel]

Sein Gerechtigkeitssinn hat ihn ins Gefängnis gebracht – zuerst in Griechenland und dann in Stein an der Donau. Nikos Mavrakis’ Leben ist geprägt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die deutsche Besatzung in Griechenland, vom Willen zu überleben und von einer Liebe, für die selbst Kerkermauern kein Hindernis dargestellt haben. Seine Frau Sofia, die ebenfalls zu zehn Jahren Haft verurteilt und 1944 nach Krems transportiert wird, gelingt es trotz Haft ihrem Mann im nahen Gefängnis Stein aufzuspüren und ihn mit Lebensmitteln zu unterstützen. Nikos Mavrakis überlebt das Massaker am 6. April 1945 in Stein und wird – zurückgekehrt nach Griechenland – als Linker abermals eingesperrt und auf die Gefängnisinsel Makronisos verbannt.

Antonis Sanoudakis hat diese Geschichte 1984 aufgezeichnet. Robert Streibel hat dieses einmalige Dokument eines Unbeugsamen von Nina Bungarten übersetzen lassen und fasst den Stand der Forschung zu den Griechen in Stein zusammen.



Siehe auch die von Robert Streibel gelesenen Auszüge aus „Widerstand in Griechenland und Stein – Die Geschichte des Nikos Mavrakis“ auf Robert Streibels Website: ().




[Robert Streibel: „Die Geschichte des Nikos Mavrakis“, Podcast auf Spotify]


Rezensionen
Hans Rauscher: Mancher würde Mauthausen gern aufsperren

Der Wahnsinn, der die Menschen zu Tätern machte, bleibt schwer begreiflich

Leon Zelman wurde als völlig entkräfteter 17-Jähriger vor 75 Jahren, am 6. Mai 1945, von der US Army aus dem Nebenlager Ebensee des KZs Mauthausen befreit. Später machte es sich der 2007 verstorbene Zelman zur Lebensaufgabe, mit dem Jewish Welcome Service andere Überlebende wieder aus dem Exil nach Österreich zu holen (zumindest auf Besuch) und sie irgendwie mit der alten Heimat zu „versöhnen“.

Leicht wurde es ihm und den anderen, die Ähnliches versuchten, nie gemacht und wird es weiterhin nicht. In den 1960er-Jahren sprachen Geschworene die ärgsten KZ-Schinder frei. Heute finden sich widerliche Figuren aus dem Umfeld der rechtsextremen Publizistik (Aula), die die freigelassenen KZ-Häftlinge als „Massenmörder“ und „Landplage“ bezeichneten und – trotz Gerichtsurteils – weiterhin schmähen. Unbedarftes Justizpersonal wollte darin zunächst nichts Verfolgenswertes sehen. Hätte ja stimmen können, das mit der „Landplage“.

Inzwischen gibt es Aufklärungsseminare für Justizpersonal. Der Wahnsinn, der die Menschen zu Tätern machte, bleibt schwer begreiflich. In der jetzt erschienenen Geschichte des griechischen Widerstandskämpfers Nikos Mavrakis (Widerstand in Griechenland und Stein, aufgezeichnet von Antonis Spanoudakis, kommentiert und herausgegeben von Robert Streibel, Verlag Bibliothek der Provinz) wird geschildert, wie im Zuchthaus Stein SS und Hitlerjugend (!) noch im allerletzten Moment hunderte politische Häftlinge niedermetzelten. Allerdings: Mavrakis selbst wurde von österreichischen Wachleuten unter einem Leichenhaufen hervorgezogen und versteckt.


Sadismus

Wie kam man überhaupt ins KZ? Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) hat schon im Vorjahr unter dem Titel „dachaureif“ eine Aufstellung des ersten „Österreichertransports“ in das KZ Dachau am 1. April 1938 herausgegeben. Einige der Kurzbiografien: Dr. Robert Danneberg, prominenter sozialdemokratischer Abgeordneter (hat verhindert, dass die Verfassungsänderung von 1929 komplett autoritär wurde), 1942 in Auschwitz umgekommen. Ludwig Klausner: Schuhwarenhaus Del-Ka, „Schutzhaft-Jude“, Mauthausen, Buchenwald, nach Abpressung seines Vermögens Zwangsemigration in die USA. Maximilian Ronge: k. u. k. Offizier, 1934–38 Staatspolizeileiter im Bundeskanzleramt. Bei seiner Verhaftung trat er der Gestapo in Galauniform gegenüber. Er überlebte dank Intervention des deutschen Abwehrchefs Canaris. Ludwig Soswinski: Sozialdemokrat, dann Kommunist, Dachau, Flossenbürg, Dachau, Majdanek, Auschwitz, Mauthausen. Nach 1945 KPÖ-Funktionär, Obmann der Lagergemeinschaft Mauthausen.

Ins KZ Mauthausen kam auch Hermann Lein, mein späterer Lehrer in Deutsch und Geschichte, weil er als 18-Jähriger an der „Rosenkranzdemonstration“ vor dem Stephansdom („Christus ist unser Führer“) teilgenommen hatte.

Der Sadismus, der in diesen Lagern herrschte, ist überreich dokumentiert. Es begann schon auf dem Transport: „Eine wahrhaft unvergessliche Fahrt, bei der sich Angehörige der Elite der NSDAP, meist kräftige, junge Burschen, abwechselnd an uns müde prügelten. Viele von uns hatten am Ende dieser ‚Reise‘ so zerschlagene Gesichter, dass sie nicht mehr einem menschlichen Antlitz glichen“ (Fritz Bock, späterer ÖVP-Vizekanzler).

In Wirtshäusern kann man heute noch hören, dass man „Mauthausen wieder aufsperren sollte“. Es würden sich auch genug finden, die da mitmachen. Solange die demokratische Gesellschaft die notwendige Wachsamkeit und Widerstandskraft aufbringt, wird das nicht passieren. Darauf wird man zu achten haben, auf immer.


(Hans Rauscher im Standard vom 5. Mai 2020)


https://www.derstandard.at/story/2000117303941/mancher-wuerde-mauthausen-gern-aufsperren


Petra Vock: Augenzeuge berichtet: Massaker von Stein überlebt

Nikos Mavrakis wurde 1945 in Stein exekutiert – und überlebte. Seine Schilderung des NS-Massakers ist nun erstmals auf Deutsch erschienen.

„Stellt euch nun an die Wand!“ Einer, dem dieser Befehl im Zuchthaus Stein galt, war der Grieche Nikos Mavrakis. Wie durch ein Wunder überlebte er die Erschießung, wurde fast 100 Jahre alt und starb erst 2014 in seiner Heimat Kreta.

75 Jahre nach dem NS-Massaker von Stein am 6. April 1945 hat der Kremser Historiker und Autor Robert Streibel nun Mavrakis‘ Erinnerungen herausgegeben – erstmals auf Deutsch und unter dem Titel „Widerstand in Griechenland und Stein. Die Geschichte des Nikos Mavrakis“ (Verlag Bibliothek der Provinz).

Aufgezeichnet wurden Mavrakis‘ mündliche Erinnerungen bereits 1984 auf Kreta von Antonis Sanoudakis. Streibel erfuhr davon, als der griechische Herausgeber mit ihm Kontakt aufnahm: „Er hat sich nach einer Werbung gemeldet, die ich im Internet geschaltet habe auf der Suche nach Familien von Häftlingen von Stein“, schildert Streibel. „Ich konnte das Geld für die Übersetzung auftreiben und den Verlag überzeugen, da ich es für ein besonderes Dokument halte.“ Das Nachwort enthält einen Kommentar von Streibel samt Schilderungen von zwei weiteren Überlebenden.

(Petra Vock, Rezension in der NÖN Ausgabe Krems vom 10. Mai 2020)


https://www.noen.at/krems/bucherscheinung-augenzeuge-berichtet-massaker-von-stein-ueberlebt-krems-stein-nikos-mavrakis-buchveroeffentlichung-204300081