Warenkorb
0€ 0

Kurzbeschreibung

[ARUNDA 98 | Verlag Bibliothek der Provinz]

Heutige Geister lächeln oft über den Heiligenkult und die Verehrung von Reliquien. Sie halten das für Bräuche aus einer überwundenen, ganz fernen Zeit und übersehen dabei gern, dass es sich hierbei um uralte Rituale handelt, praktiziert bereits bei den Sumerern und Ägyptern.
Reliquien gibt es auch in der Gegenwart: Als solche werden heutzutage die Unterwäsche von Sexidolen, von Königinnen und Sportlerinnen versteigert … Was in unserem Mittelalter diesbezüglich passiert ist, war geradezu märchenhaft. Der Handel mit Reliquien und der Kult um sie wurde ganz ernsthaft wahrgenommen. Dass er mit einem Schuss Humor und augenzwinkernd gesehen wurde, kam erst viel später, zum Beispiel in den Büchern von Reiner Schiestl, bei seinen „Heiligen-Legenden in Schrift und Bild“ (2017) und in der Fortsetzung „Heilige II“ (2019). Das erste Buch hat erstaunlich viele Freunde gefunden, auch unter Theologen, und ist bereits vergriffen. Deshalb haben wir uns für eine Fortsetzung dieser amüsanten Betrachtungen entschlossen.
Reiner hat zahlreiche seiner Aquarelle zerschnitten und die Teile zu neuen Bildern komponiert; er hat den Bruchstücken neues Leben eingehaucht, so wie die Kirche auf den Trümmern heidnischer Kulte neue Botschaften entstehen ließ.
Ein besonderer Wundertäter an der Schnittstelle zum Heidentum war der Bischof Nikolaus von Myra. Einmal hilft der Heilige drei armen Mädchen mit goldenen Kugeln, die er durch das Fenster in ihr Schlafzimmer wirft. Mit dieser Mitgift ermöglicht er den Mädchen die Heirat, und sie waren nicht mehr gezwungen, sich als Prostituierte zu verkaufen. In einer mehr im nördlichen Europa erzählten Geschichte rettete der heilige Nikolaus drei Knaben, die tot und eingepökelt in einem Fass lagen, indem er sie wieder zum Leben erweckte. Im Süden sorgt der hilfreiche Heilige für die Moral.
Im Norden überwindet er den Kannibalismus, der in heidnischer Frühgeschichte noch lange nachwirkte und den es bei den Kelten durchaus gegeben hatte, wenn man Caesar glauben darf. Das noch junge Christentum musste einen übermächtigen Götzenglauben überwinden, indem es das heidnische Weltbild mit noch größeren, christlichen Wundern überbot. Vergleichbares gelingt Reiner, indem er sich einen Kunsthimmel erschafft, mit vielen alten und gänzlich neuen Heiligen. Heilige II – Neue Legenden, das ist eine volkskundlich/theologisch/ästhetische Schöpfung, die vor allem mit Humor gelesen werden darf.

(Hans Wielander im Vorwort)