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Kurzbeschreibung

Jede Zeile, die ich schreibe, ist Bestandteil des Kollektivs aller Erfahrungen/Höhepunkte, die ich bis jetzt erleben durfte, bis hin zum gegenwärtigen Zeitpunkt, an dem ich beschloss, den werten Leser an meinem Leben teilhaben zu lassen. Ich habe ja nun die Zeit, und weil ich nicht über meine „Sünden“ nachzudenken brauche, weil alles mit Fug und Recht passiert ist, tue ich lieber etwas, das meines Erachtens mehr Sinn macht …


Was man nicht so alles auf Flohmärkten findet. Als ich mich im Sommer dieses Jahres auf einem dieser Pfarrflohmärkte herumtrieb, stieß ich auf ein sonderbar aussehendes Notizheftchen. Es stach unter allen anderen Reader’s Digest-, Konsalik- und Simmel-Billigbüchern im Karton hervor. Ich überflog die handgeschriebenen Seiten, und ohne noch genau zu wissen, was ich da eigentlich gefunden hatte, bezahlte ich die 30 Cent, die als Verkaufspreis genannt wurden, und schlenderte nach Hause. Irgendwelche Vor- oder Nachkriegsnotizen würden es wohl sein, dachte ich, und fiel dann aus allen Wolken, als diese Vermutung aber so gar nicht zutraf. Was ich las, in gestochen scharfer Handschrift, das muss ich zugeben, ließ mich nicht mehr ruhig schlafen. Die Lebens-Aufzeichnungen eines Mannes, der sein eigenes Grab geschaufelt hatte, und alles lag erst kürzeste Zeit zurück. Das eigentlich Ungeheure dabei – aber, ich schweife ab.

Ich überlegte lange, aber entschied mich dann dazu, die Aufzeichnungen einem befreundeten Verleger zum Druck anzubieten, denn auch wenn es keine Literatur war, die besten Geschichten schreibt nun einmal das Leben selbst. Ich erwarte mir keine Sympathie für den Mann, der diese Zeilen geschrieben hat, ich jedenfalls empfand sie nicht, dennoch soll es ein zunächst wertfreies Herangehen sein, einfach weil es sich so ziemt.

(Clemens Ottawa im Vorwort)