
… ein Himmel für Hartheim … | … a Heaven for Hartheim …
Kristiane Petersmann
ISBN: 978-3-99028-815-3
20,5 x 29,5 cm, 136 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover m. Schutzumschlag; Text dt. u. engl.
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Kurzbeschreibung
Das vorliegende Buch zeigt die Werke der Sammlung „Art Brut“ der Oberösterreichischen Landesgalerie. Diese Sammlung wurde 2011 angelegt und umfasst rund 60 Werke von KünstlerInnen mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen. 2017 wurden diese Werke faksimiliert und in der Dauerausstellung „Kunst Sammlung“ in der Säulenhalle des Wirtschaftstraktes des Schlosses Hartheim der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Säulenhalle aus dem 17. Jahrhundert bietet den Werken einen besonderen Platz.
Im Sommer 2017 durften wir zusammen mit 19 KünstlerInnen mit Beeinträchtigungen ein einzigartiges Raumkonzept realisieren:
Auf Hebebühnen und Gerüsten, teilweise über Kopf, mit Teleskopstangen und Gerätschaften aus dem Theatermalbedarf malten und zeichneten die KünstlerInnen auf die Gewölbedecke und die Seitenwände. Die Unmittelbarkeit der Wandzeichnungen und -malereien erweitert die Präsentation der Sammlung in einmaliger Weise, indem sie das künstlerische Potential und die Schaffenskraft der KünstlerInnen vergegenwärtigt.
BesucherInnen der „Kunst Sammlung“ sind eingeladen, sich unter diesem Himmel die Werke der Sammlung „Art Brut“, die unter Glas auf Tischen präsentiert werden, anzusehen. Für die Betrachtung der Gewölbedecke liegen Handspiegel auf, die „himmlische“ Einblicke gewähren. (…)
(Kristiane Petersmann & Moritz Nitsche)
The book on hand shows the works of the Upper Austrian State Gallery’s Art Brut Collection.
This collection was put together in 2011 and comprises around 60 works of artists with cognitive and mental impairments. In the year 2017 these works were facsimiled and made available to the public in the permanent exhibition “Kunst Sammlung” in the portico of the so called “Economic Wing” of Hartheim Castle.
The portico dating back to the 17th century offers a very special place for the artworks.
In the summer of 2017, we could realize a unique spacial concept together with 19 artists with impairments:
On lifting platforms and scaffolds, partly working overhead and using telescope bars and equipment for theater painting, the artists painted and drew on the portico ceiling and the sidewalls.
The immediacy of the wall drawings and paintings amplifies the collection’s presentation in an unparalleled way by bringing the creative power of the artists to the spectator’s mind.
Under this heaven, visitors of the art collection are invited to behold the artworks of the Art Brut Collection which are presented on tables under glass. For viewing of the portico ceiling, hand mirrors are provided, thus offering “heavenly” insights. (…)
(Kristiane Petersmann & Moritz Nitsche)
[Hrsg., Red.: KULTURFORMEN, Kristiane Petersmann.]
Rezensionen
Michaela Grininger: Viel mehr als ein KunstprojektBuchpräsentation der besonderen Art im Schloss Hartheim
Sehr feierlich, sehr künstlerisch wurde am 28. März 2019 das Erscheinen des Buches „... ein Himmel für Hartheim“ zelebriert. Dem Inhalt angemessen eben. Schließlich enthält er nicht weniger als 60 Kunstwerke von 19 KünstlerInnen aus dem Bereich Artbrut.
Es war im Sommer 2017, als eine Idee zur Umsetzung kam, die herausfordernder für alle Beteiligten kaum sein konnte. 19 KünstlerInnen aus fünf verschiedenen oö. Sozialeinrichtungen durften an ein gemeinsames Werk schreiten. An ein Werk, für das es kaum Vergleiche gibt. Außer eventuell mit der Sixtinischen Kapelle.
Die Idee zu diesem Projekt stammt von Kristiane Petersmann, künstlerische Leiterin der KulturFORMEN und Moritz Nitsche, Bühnenbildner. Sie wollten der Dauerausstellung des Schlosses Hartheim – der „Kunst Sammlung“ –, in der seit eineinhalb Jahren 60 faksimilierte Werke aus der Sammlung Artbrut der Oö. Landesgalerie gezeigt werden, einen Rahmen zu geben. Und dieser Rahmen ist in diesem Fall ein Gewölbe. Das Deckengewölbe des Wirtschaftstraktes des Schlosses Hartheim, aus dem 17. Jahrhundert stammend. Es sollte als Malgrund dienen, um anschließend den Werken Himmel und Rahmen und Raum zu geben.
Wie gesagt, eine herausfordernde Aufgabe, die da überlegt wurde. Es mussten die täglichen Fahrten für die KünstlerInnen organisiert, die passenden Gerätschaften hergeschafft werden – Hebebühnen, Gerüste, Geräte aus dem Theatermalbedarf etc. – und vor allem mussten die KünstlerInnen über sich hinauswachsen, damit dieses Werk in Angriff genommen werden konnte. Denn „so hoch oben zu arbeiten, das bedeutet eine gewisse Angstüberwindung. Auch körperlich war die Arbeit herausfordernd. Zum Teil wurde ja über Kopf gearbeitet. Das alles glich ein bisschen einer Bergbesteigung. Auch das Gefühl danach, es geschafft zu haben, löste ähnlich viel Kraft und Freude bei allen aus.“, so Kristiane Petersmann.
Weil dies alles so einmalig ist – und das auch schon im Vorhinein klar war – wurde dieses Projekt von fünf Fotografen begleitet. Die daraus entstandenen Porträts, die die
KünstlerInnen während des Schaffensprozesses zeigen, sowie die Bilder der Werke der Dauerausstellung, wurden nun zusammen mit sehr poetischen Texten, die am Ende der Arbeit von Kristiane Petersmann und Moritz Nitsche erarbeitet wurden, im Buch „...ein Himmel für Hartheim...“ vereint.
Alle 19 Beteiligten sowie die Einrichtungen Caritas, Diakoniewerk, Lebenshilfe, Schön für besondere Menschen und Institut Hartheim haben, um es mit den Worten von Kristiane Petersmann zu sagen, „eine großartige Arbeit geleistet“, die als „Plädoyer für Kunst im Kontext von Menschen mit Behinderungen“ verstanden werden kann.
(Michaela Ogris-Grininger, Rezension im Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift der OÖ Kultur, 73. Jg., Folge 04, 05.2019, S. 4)
KULTURFORMEN: … ein Himmel für Hartheim – ein wunderschönes Buch
Im 17. Jahrhundert war hier ein Roßstall und es ist ein Gebäude mit Geschichte. Seit dem Sommer 2017 werden hier neue Geschichten erzählt. Mit der Realisierung eines einzigartigen Raumkonzeptes für die Säulenhalle, die die Ausstellung „Kunst Sammlung“ aus der Sammlung „Art Brut“ der OÖ Landesgalerie beherbergt, ist ein Gesamtkunstwerk entstanden. Kristiane Petersmann und Moritz Nitsche entwickelten dafür ein besonderes Konzept und begleiteten 19 Künstler und Künstlerinnen mit kognitiven und Mehrfachbeeinträchtigungen bei der Umsetzung.
Begleitet wurde die Gestaltung des Gewölbes auch durch eine Gruppe von Fotografen, die die Arbeiten an der Gewölbedecke dokumentierten. Aus Ihren Bildern, welche die KünstlerInnen bei der Arbeit zeigen, entstand ein wunderschönes Buch mit dem Titel „… ein Himmel für Hartheim“.
Der im Verlag Bibliothek der Provinz erschienene Bildband bietet im zweiten Teil des Buches außerdem auch Einblicke in die Werke der „Kunst Sammlung“.
Am 28. März wurde das Buch in der Säulenhalle präsentiert. In einer gemeinsamen Aktivität ließen alle an der Entstehung des Buchprojektes Beteiligten gemeinsam ein geheimnisvolles Paket in die Hände des Verlegers Richard Pils schweben. Das Paket enthielt ein Exemplar des Buches, das unter neugierigen Blicken von Richard Pils ausgepackt wurde. Dann machten sich die Gäste mit jeweils einem großen Puzzleteil in der Hand auf die Suche nach einem bestimmten Bild im Gewölbe. Die Puzzles wurden in kleinen Gruppen zusammengesetzt und die Bilder gemeinsam bestaunt. Auf einer Tour durch den Saal besuchten dann Kristiane Petersmann und Moritz Nitsche die einzelnen KünstlerInnen unter „Ihrem“ Bild im Himmel und überreichten ihnen feierlich jeweils ein Exemplar des Buches.
Begleitet wurden sie dabei vom jungen Ensemble Lumis, das die Präsentation musikalisch gestaltete.
Den gemütlichen Abschluss der Präsentation bildete ein festliches Picknick unter dem Himmel von Hartheim – an einer langen, weiß gedeckten Tafel wurde gemeinsam gefeiert und geplaudert. Auch während des Picknicks wurden noch Details aus den Gewölbemalereien mit einer kleinen Kamera entdeckt und live mit einem Beamer hinter dem Bücherisch an die Wand projiziert. Es war ein langer, bezaubernder Abend, der den vielen Gästen die gekommen waren, hoffentlich lange in Erinnerung bleiben wird.
(Eintrag auf dem Blog der KULTURFORMEN vom 2. April 2019)
https://www.kulturformen.at/?seite=news-kulturformen&sprache=DE&inhaltID=2134