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Hadersdorf-Weidlingau

Auf den Spuren eines Dorfes in Wien – Die Geschichte des Ortes im 20. Jahrhundert

Regine Rebernig-Ahamer

ISBN: 978-3-85252-842-7
22 x 25 cm, 226 S., zahlr. Abb.: Duplexdr., Kt., Hardcover; 2., aktualis. Aufl.
€ 34,00
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Kurzbeschreibung

Wir treffen uns in Hütteldorf
am Sonntag um halb zehn,
denn schön ist es, von Hütteldorf
nach Hadersdorf zu gehn.



Hadersdorf-Weidlingau liegt im äußersten Westen Wiens und ist Teil des 14. Wiener Gemeindebezirks. Bis zur Eingemeindung durch die Nationalsozialisten in das damalige „Groß-Wien" im Jahr 1938 bildete der Ort eine eigene Gemeinde an der Grenze zu Wien.
Heute ist Hadersdorf-Weidlingau eine typische Stadtrandsiedlung: Wiener suchen hier die ruhige Wohnlage, pendeln jedoch für Arbeit und Freizeit in vielen Fällen in die Großstadt, was den Stadtrand-Ort zu einer „Schlafsiedlung" werden lässt. Das stetig wachsende Einkaufszentrum andererseits bringt seit Jahren immer mehr Käufer, die an den Rand der Stadt pendeln.

Blickt man zurück in das 19. Jahrhundert, so war die Entwicklung des Dorfes vor allem durch die stadtnahe Lage geprägt und durch Spannungen bzw. Kontakte, die sich zwischen Großstadt und Dorf ergaben. Bis in die 1870er Jahre war Hadersdorf-Weidlingau noch eine rein agrarische Gemeinde, die landwirtschaftliche Produkte, vor allem Milch und Obst, nach Wien verkaufte und in deren großen Wäldern mancher Holzknecht Arbeit fand.
Ab 1850 erfolgten Errichtung und Ausbau der Westbahn, deren Strecke durch Hadersdorf-Weidlingau führt. Die Bahn stellte eine neue schnelle Verbindung nach Wien her – einerseits für die Bewohner des Ortes, die zur Arbeit in die Großstadt pendeln konnten, und andererseits für Wiener, die in kurzer Zeit eine Ferienregion erreichten und sogar von der Sommerfrische täglich nach Wien fahren konnten.
Gleichzeitig nahm die Bevölkerung in Hadersdorf-Weidlingau stetig zu. Zu den ansäßigen Familien, die oftmals Nahversorger-Geschäfte oder handwerkliche Betriebe führten, zogen einerseits Beamte und andererseits Bahnarbeiter zu. Damit veränderte sich auch die soziale Struktur im Ort, was sich nicht zuletzt auch in den Wahlergebnissen ab den letzten Jahren der Monarchie zeigte.

Eine wesentliche Prägung erhielt Hadersdorf-Weidlingau, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr Wiener den Ort als Ausflugsziel und als Sommerfrische entdeckten. An Sonntagen wanderten hunderte, wenn nicht tausende von Ausflüglern in die liebliche Gegend, den Wienfluss entlang, durch die Wälder und kehrten in einem der vielen Ausflugsgasthäuser ein.
Für den Aufenthalt in den Sommermonaten errichteten wohlhabende und adelige Familien stattliche Villen mir großzügigen Gärten, bürgerliche Sommerfrischler fanden Unterkunft in Ferienwohnungen und in den wenigen Hotelzimmern im Ort. Um die Jahrhundertwende war Hadersdorf-Weidlingau als Sommerfrische etabliert und richtete seine Infrastruktur danach aus, der Tourismus war der wesentliche Wirtschaftsfaktor geworden. Viele Familien der damaligen Wiener Oberschicht trafen sich in den Sommermonaten hier. Somit entwickelte sich ein reges gesellschaftliches Leben. In diese Zeit fällt auch der Höhepunkt des Vereinslebens von Hadersdorf-Weidlingau.
Die auf den Zusammenbruch der Monarchie folgenden turbulenten Jahre der Zwischenkriegszeit waren auch für Hadersdorr-Weidlingau eine schwierige Zeit. Entsprechend der österreichweiten politischen Entwicklung gestaltete sich auch im Ort die Gemeindepolitik. Die zuvor zu Tausenden angereisten Besucher und Urlauber wurden weniger, die wirtschaftliche und soziale Lage in Österreich wie in Hadersdorf-Weidlingau spitzte sich zu. Die Gemeinde hatte damit zu tun, die vielen wohnungslosen Familien des Ortes unterzubringen und mit den Gemeindefinanzen halbwegs über die Runden zu kommen.

Nach den Veränderungen im Jahr 1934 brachte der Nationalsozialismus das endgültige Aus dieser Phase in der Ortsgeschichte. Hadersdorf-Weidlingau wurde 1938 nach Groß-Wien eingemeindet und verlor seine Funktion als Sommerfrischeort. Mit der Vertreibung der Juden aus dem Land verlor der Ort auch etliche honorige Familien, gleichzeitig erfolgte die Beschlagnahmung von jüdischem, kirchlichem und stiftungsmäßigem Eigentum.

1945 wurde Hadersdorf-Weidlingau für einige Tage Kriegsschauplatz, die Dramatik dieser Zeit ist in der Erinnerung vieler noch lebendig geblieben. Nach dem Krieg wurde Hadersdorf-Weidlingau nicht mehr aus der Großstadt ausgegliedert (wie etwa der Nachbarort Purkersdorf). Somit hatte der Ort endgültig seine Eigenständigkeit aufgegeben und in Folge dessen verlor und verliert er im Laufe der Jahrzehnte die eigene Identität.

Im ersten Teil dieses Buches wird diese jüngere Geschichte des Ortes, vor allem der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erzählt. Die Geschichte des Ortes, von der ersten Besiedlung bis zum 20. Jahrhundert hat bereits Roland Maruna in „Hadersdorf-Weidlingau. Geschichte einer Wiener Ortsgemeinde" ausführlich dargestellt.

Der zweite Teil führt in Spaziergängen durch das ehemalige Gemeindegebiet von Hadersdorf-Weidlingau und bietet Informationen zu vielen Gebäuden und Plätzen. Ein dritter Teil behandelt die historische Entwicklung und die Veränderung der dörflichen Infrastruktur.

Bei der Beschreibung eines Ortes lässt sich dieser freilich von verschiedensten Seiten aus betrachten und vielfältige Fragestellungen tun sich auf. Im vorliegenden Buch geht es vor allem um eine alltags- und sozial-geschichtliche Darstellung, erweitert durch eine Dokumentation von Architektur und Topographie in Hadersdorf-Weidlingau. Gestreift werden im Rahmen dieser Ortsmonographie auch soziologische, raumplanerische und stadtgeographische Fragen. Es geht im Weiteren um Lebensgefühle und die Art und Weise, wie ein Ort vertraut und zur Heimat wird.

(Regine Rebernig-Ahamer in der Einleitung)



Rezensionen
Hans Werner Scheidl: „Ha-Wei“

Lange Zeit hat der kleine Wiener Vorort mit dem Doppelnamen Haderdorf-Weidlingau der benachbarten Millionenstadt Paroli geboten. Erst 1938, mit der Schaffung von „Groß-Wien“ durch die Nationalsozialisten, ging dieses Eigenleben zu Ende. Heute ist das Grätzl Teil des 14. Gemeindebezirks. Ähnlich wie Pötzleinsdorf, Salmannsdorf, Neustift im Walde, erlebte der Vorort um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Blüte durch den Sommertourismus. Wohlhabende Wiener Bürger errichteten sich stattlichen Villen für die „Sommerfrische“, oder sie mieteten sich hier ein.

9000 Einwohner – wahrlich keine große Zahl. Dennoch: Die sozialen Kontakte funktionieren in einem derart kleinen Kosmos umso besser, je mehr man über das eigene Woher Bescheid weiß. […]

(hws, Rezension in der Presse zur 1. Aufl. von Regine Rebernig-Ahamers „Hadersdorf-Weidlingau“ 2007)