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Kurzbeschreibung

Das Messer fest in die Hand nehmen – die ganze Kraft in den Arm legen und vorstoßen, die Klinge hineinbohren, lahmlegen die Fäuste und Füße, sie am Zuschlagen hindern. Sie dürfen nicht mehr ausholen, nicht mehr gegen mich prallen, mich zerschlagen und zertreten.


Die ersten meiner Erzählungen entstanden bereits während der Gymnasialzeit. 1959, als ich ›Wege ohne Ziel‹ schrieb, besuchte ich gerade die 6. Klasse. Angeregt dazu wurde ich gewiss durch die Lektüre jener Jahre; es war die Frühzeit des modernen Taschenbuchs. Schreiben war für mich damals Freizeitvergnügen und ich suchte dafür keine Öffentlichkeit. Eine Sammlung von Erzählungen widmete ich 1962 einer guten Freundin – und sie diente dann auch als Nachweis dafür, dass ich durchaus gerade Sätze zustande brächte, als ich mich um einen Ferialjob in der Redaktion der ›Oberösterreichischen Nachrichten‹ bewarb.

Aus dem Ferialjob wurde rasch mein Beruf, den ich in den darauffolgenden Jahren bei der Zeitung ›Neues Österreich‹ ausübte. In deren Wochenendbeilage wurden auch Erzählungen abgedruckt. So nahm ich eines Tages all meinen Mut zusammen und bot Otto Basil, dem Leiter des Kulturressorts, einen meiner Texte an. Dieser, es war ›Räder drehen im Sand‹, erschien schon kurze Zeit später. Es war meine erste Veröffentlichung. Dabei blieb es vorerst, obwohl ich weiter Erzählungen schrieb, vor allem auch in den Jahren, die ich dann in einem israelischen Kibbuz verbrachte. Allein vom Oktober 1965 bis zum Jänner 1967 entstanden dort sechzehn Erzählungen, die ich unter dem Titel ›Erweiterungen‹ zusammenfasste.

Ein Exemplar dieser Sammlung ließ ich dem Maler und Schriftsteller Carry Hauser zukommen, seit vielen Jahren ein väterlicher Freund, der mich immer in meiner schriftstellerischen Tätigkeit bestärkt hatte. Er schrieb damals zurück: »Dort, wo es Dir gelang (wirklich gelang), zwischen der autobiographischen Aussage (der naturalistischen Wirklichkeit des ICH) und der fast zu lyrischen Interpretation diesen wünschenswerten Schwebezustand zu finden (wie etwa in ›die lösung‹ oder ›das messer‹) bin ich stark beeindruckt.«

Aus dieser positiven Reaktion mag sich wohl der Gedanke an eine Veröffentlichung in Buchform gefestigt haben. Als ich jedoch 1968 endgültig nach Österreich zurückkehrte, fand ich neben der Rückkehr in den journalistischen Alltag, politischem Engagement und zuletzt auch noch der unvermeidlichen Ableistung des Wehrdienstes nicht die Zeit, mich darum zu kümmern. So blieben die Mappen mit Erzählungen, die ich mitgebracht hatte, ungeöffnet. Sie begleiteten mich jedoch durch mehrere Wohnungswechsel, um schließlich zusammen mit den früheren Texten in der sprichwörtlichen Tischlade die Zeiten zu überdauern.

Die Erzählung war in all diesen Jahren die einzige literarische Form, der ich mich widmete. Erst in den späten 70er Jahren begann ich, an einem Roman zu arbeiten. Ein Abschnitt daraus erschien 1982 in einer Anthologie des Fischer-Verlags, der Roman selbst teilte das Schicksal der Erzählungen, denn da schrieb ich schon am nächsten: ›Hasenjagd im Mühlviertel‹.

In der ›Volksstimme‹, in der ich ab 1970 als Redakteur im Auslandsressort arbeitete, bot ich nach einigen Jahren dem für die Wochenendbeilage verantwortlichen Kollegen die Erzählung ›Mit Schlagobers‹ an. Sie erschien, um keine Verwirrung zu stiften, unter meinem Pseudonym Rupert Rabe. Später, als ich selbst über mehrere Jahre die Beilagenredaktion leitete, wäre ich jedoch keinesfalls auf die Idee gekommen, hier noch weitere Erzählungen unterzubringen.

Ab 1992, mit dem Ende meiner Tätigkeit bei der Zeitung, widmete ich mich dann ganz der schriftstellerischen Arbeit. Mit der Erzählung ›Der lautlose Stollen‹ beteiligte ich mich 1993 am Max-von-der-Grün-Wettbewerb für Literatur der Arbeitswelt und erhielt für sie den 1. Preis. Danach wandte ich mich dem Schreiben von Romanen zu, und Erzählungen entstanden in erster Linie nur noch zwischen der Fertigstellung des einen und dem Beginn des nächsten; abgesehen von denen, die ich für die themenbezogenen Lesungen beim ›Linken Wort am Volksstimmefest‹ verfasste, das ich in den Jahren 1998 bis 2003 betreute, sowie als Herausgeber der damit verbundenen Anthologien fungierte.

Die Erzählung blieb immer die Basis meiner schriftstellerischen Tätigkeit, selbst wenn ich gelegentlich die Prosa verließ. Auch zwei der bisher erschienenen Romane fußen auf zuvor verfassten Erzählungen. Über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckt sich dieses Schaffen, das nun ausgewählt in zwei Bänden vorgelegt wird.

(Helmut Rizy in der Vorbemerkung)