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Kurzbeschreibung

Ein Junge zieht einen schwarzen, an einer Schnur am Hals festgebundenen Hundewelpen die Straße lang. Das Hündchen fällt um, steht wieder auf, der Junge zieht das sich im Staub wälzende neugeborene Tier weiter über den heißen Asphalt. Kaum ist das Hündchen wieder auf den Beinen, beginnt es an einem gelben Hühnerfuß zu nagen, von dem ein paar Zehen schon halb abgefressen sind. Wendet sich der kleine Hund von der Hühnerkralle ab, schiebt ihn der Junge am Genick wieder zum Fressen. Während am Brunnen ein bärtiger Moslem laut keuchend Wasser in seinen Lederbalg pumpt, der schwarze Hundewelpe mit einem gelben Hühnerfuß im Maul auf mich zuläuft, umringen mich immer mehr Kleinkinder, schauen auf mein Notizbuch und betasten meine Füllfeder. Immer wieder hört man die Schreie der Krähen, überall sind sie und suchen nach Lebensmittelresten. Auch hier am Straßenrand picken sie zwischen einer sich langsam bewegenden, nassen, ebenfalls Lebensmittelreste suchenden Ratte die Rückstände von Reis und Dhal von den weggeworfenen, am Asphalt liegenden Blättertellern. […]


Rezensionen
Peter von Becker: Indiens Atem

[…] Ganz anders sieht und schreibt dagegen Josef Winkler. Der gerade 65 Jahre alt gewordene Kärntner, vor zehn Jahren Büchner-Preisträger, ist seit 1993 immer wieder nach Indien und vor allem auch nach Kalkutta gereist. Ursprünglich, weil seine Frau als Tochter eines in Indien beschäftigten deutschen Ingenieurs auf dem Subkontinent einige Jahre ihrer Kindheit dort verbracht hatte. Aus der privaten Erinnerung ist dann, wie von Indiens Geistern besessen und zugleich mit wachen Sinnen, eine wiederkehrende Beschwörung der erlebten Augenblicke geworden. Indiens wahnwitzige, zwischen Archaik und Supermoderne, zwischen Merkantilem und Spirituellem schwirrende Präsenz hält Winkler fest: in seinen mit blauer Tinte geschriebenen indischen Notizbüchern, in die er auch Fotos und Zeitungsausschnitte klebt, in den dazu gedruckten, ausformulierten Beobachtungen. Das alles findet sich als schöne, oft erschütternde Momentaufnahmen in den drei handlichen Bänden einer „K“-Trilogie, deren jüngster gerade erschienen ist. […]

(Peter von Becker, Rezension im Tagesspiegel vom 1. Juli 2018)


https://www.tagesspiegel.de/kultur/texte-ueber-kalkutta-hier-lebt-der-kritische-kulturelle-geist-indiens/22754410.html