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Kurzbeschreibung

[Mit Beiträgen von Gerhard Roth, Anita Fuchs, Martin Behr, Günther Holler-Schuster, Roswitha Orac-Stipperger, Solveig Haring]

Die Steiermark ist reich an Menschen, die sich nicht mit der Normalität zufrieden geben. Die getrieben sind, die starren Grenzen des Alltags zu sprengen, ihre subjektiven Träume zu erfüllen und ihre lodernde Kreativität auszuleben. Die exorbitante Maschinen konstruieren, sich eigene Welten bauen, aus vielerlei Gründen lieb gewordene Gegenstände horten, Sammlungen aufbauen und präsentieren, schnitzen, schweißen, bemalen oder andere sichtbare Zeichen ihrerer Eigenständigkeit setzen.

Sapperlot! gibt diesen Menschen und deren Lebenswerken eine Bühne, präsentiert die unterschiedlichsten gestalterischen Ausformungen dieser Leidenschaften. Zugleich fasst das essayistische Fotobuch mit Texten von Solveig Haring, Günther Holler-Schuster und Roswitha Orac-Stipperger sowie einem Interview mit Gerhard Roth eine Auswahl jener Orte und Objekte zusammen, die eine sinnliche Belebung der Alltagswelt darstellen: Ungewöhnliche und irritierende (Kunst-)Werke im öffentlichen Raum, bizarr anmutende Manifestationen einer Volksfrömmigkeit, überdimensionierte Nachbauten weltbekannter Statuen, originelle und schillernde Privatmuseen, Lokalitäten mit außergewöhnlichem Ambiente, charmante Heimgartenkunst, heimelige oder monströse Attraktionen und Installationen für große und kleine Kinder, zeitgenössische Volksbräuche, tolldreiste touristische Manifestationen sowie Relikte eines in dieser Form langsam untergehenden Landlebens.

Das auch als Reiseführer zu verwendende etwas andere Steiermark-Buch vereint Liebenswertes, Besonderes, Kurioses, Monströses, Außergewöhnliches, Skurriles, Öffentliches und Verborgenes, Künstlerisches und Kunstvolles, Authentisches und Fantastisches, Glühendes und Blühendes, Kitschiges und Schönes, Berührendes und Schreckliches, Poppiges und Glorioses. Sapperlot!



Rezensionen
Bertram Karl Steiner: Das Land der Steirer mit der Seele suchen

Unter dem Titel »SAPPERLOT! Steiermark spektakulär« ist soeben ein schräger Fotoband von Anita Fuchs und Martin Behr mit essayistischen Texten zur steirischen Gemütsart erschienen. Ein abolutes Muss!

Mein Vater, ein Schätzer des Steirertums, pflegte mir die besondere steirische Gemütsart durch die (von Augenzeugen – 1867 und zuletzt 1908 in Murau, Paris ed. 1955) dokumentierte Anwesenheit des sogenannten Tatzelwurms in steirischen Wäldern zu erklären. Das ist ein wurm- bis lurchartiges Wesen, welches mitunter dadurch auffällt, dass es einen Katzenkopf trägt. Dieser Tatzelwurm sei, so mein Vater, das heimliche Totemtier des Homo Styriacus. Daher eine gewisse surrealistische Grunddisposition im Seelenleben desselben und sein Hang zum jähen Aufbrausen. Im letzten Falle entweicht ihm Feuer aus sämtlichen Körperöffnungen, was sich wiederum am Wappentier der Stadt Graz nachweisen lässt, welches etwa an den dortselbst fahrenden Straßenbahnen angebracht ist.


»Steiermark spektakulär«

All das bestätigt der gewichtige Fotoband »Sapperlot! – Steiermark spektakulär«, erschienen im Verlag »Bibliothek der Provinz«. Die Herausgeber, Anita Fuchs und Matin Behr haben sich mit ihren Kameras auf den Weg gemacht; sie wollten »das Lande der Steirer mit der Seele suchen« – und sie fanden es: In der Weltmaschine des Franz Gsellmann, in zu Kobolden umgeschnitzten Baumstrünken, hölzernen Osterhasen, dem »Weltgrößten Klapotetz«, einer kolossalen Mickymaus, überdimensionierten Kürbissen, einer Keramik-Pizza gigantischen Ausmaßes, bemalten Hydranten und in weiteren zahllosen Spuren angewandter steirischer Weltsicht.


Steirermen for Hollywood

Besonders überzeugend tritt der Geist des Tatzelwurms in der mitunter kultische Züge annehmenden Verehrung für Arnold Schwarzenegger zutage. Diesem kulturhistorische Phänomen wenden die Herausgeber ihre Aufmerksamkeit zu, wenn sie etwa jenes Ruderboot dokumentieren, in welchem Arnie seiner Maria Shriver anno 1985 in der Gemeinde Thal sein Eheversprechen gab. Einem Marterl gleich ist das Boot dort aufgestellt … Wie ja überhaupt die Affinität des (ost-)steirischen Idioms zum Englischen amerikanischer Ausformung nicht bestritten werden kann.
Die atemberaubende Fotoserie ist mit essayistischen Texten von Solveig Haring, Günther Holler-Schuster, Roswitha Orac-Stipperger und Gerhard Roth ergänzt. Saperlot!, eine solche raffiniert selbstironische Betrachtung täte auch den Kärntnerinnen und Kärntnern ganz gut. Vielleicht traut sich jemand. Der Homo styriacus hat's auch geschafft.

(bks, Rezension in der Kärntner Tageszeitung vom 6. Jänner 2012, S. 44 f.)