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Kurzbeschreibung

»Vor ihm lag die Hochebene der Murge und dahinter, wenn auch noch entfernt, die Halbinsel des Salento, wo die Weinfelder bis direkt an die Küste herunterreichten und das Meer nachts silbern flimmerte.«

Klaus Voswinckels APULISCHE GESCHICHTEN nähern sich den Menschen, der Landschaft und den Geheimnissen des Südens aus wechselndem Blickwinkel. Leichthin, wie von selber rücken sie das Fremde ganz nah und lassen das Vertraute neu und ungewohnt erscheinen.

APULIEN, am Stiefelabsatz von Italien gelegen, abseits der Macht­zentren Europas, umgeben vom Mittelmeer, ehemals griechische Kolonie und noch heute voll archaischer Spuren und Winke, wird zum Land der Entdeckungen und der Veränderung des Blicks. Worum es geht, Schritt für Schritt, ist, den Hochmut der Abgrenzung zu verlieren und wieder Kontakt mit dem Kreatür­lichen aufzunehmen. Tiere, Menschen und Dinge geraten in eine zunehmende Gleichwertigkeit, und die Geschichten, locker verbunden durch wiederkehrende Motive und Personen, korrespondieren und antworten einander – auch auf die Frage: Was wollen wir? Wovon leben wir? Und welche Bilder brauchen wir, um zu leben?

Es sind lapidare, emphatische, heitere, mafiöse, geflüsterte und manchmal lichttrunkene Geschichten, die Klaus Voswinckel hier erzählt. Und natürlich sind es Liebeserklärungen an Apulien, das schon lange sein poetisch-magischer Schreibort ist.


Vom Reisen

Mit zerrissenen Sohlen trat er die Reise an. Er mußte sich so sehr auf diese Reise gefreut haben, daß er tagelang (oder war es Wochen und Monate?) in den Straßen umhergegangen war und jetzt, wo er die Stadt verließ, deren Schaufenster und Menschen er bis in die merkwürdigsten Details hinein studiert hatte, als wolle er an ihnen die Fremde lernen und hätte sie im Grunde schon dauernd für sich vorausertastet, ein Loch unterm Schuh entdeckte und, als er genauer hinsah, dazu noch zwei bis in die Sohlenmitte auslaufende Risse, die sogar mühelos im Auftreten zu lokalisieren waren: Er trat vor die Tür und spürte seinen Fuß sofort unmittelbar auf dem Pflaster.

Dieses Gefühl nahm mit jedem Schritt zu, und da es nicht regnete, nahm er es als das triumphale Gefühl seiner selber, als sei ihm eine Außenhaut aufgeplatzt, und er könne mit einer feineren, empfindsameren Schicht seiner selbst den Boden berühren. So ging er, einen Hauch ungleich, was andere vielleicht als Humpeln auslegten, die gleichgültige Straße hinunter und bog um die Ecke, kommenden Regenfällen entgegen, er hatte steinige Wanderungen vor sich und Tage, an denen er durch nichts als Macchia und wilde Oliven ging, vor ihm lag die Hochebene der Murge und dahinter, wenn auch noch entfernt, die Halbinsel des südlichen Salento, wo die Weinfelder bis direkt an die Küste herunterreichten und das Meer nachts silbern flimmerte, wie er es in seiner Kindheit einmal geträumt hatte, ein riesiger Kegel, der aus der Zukunft auf ihn zukam. Dort stand ein Haus, weiß zwischen Bäumen schimmernd, und bis zu diesem Haus würde er gehen.