Warenkorb
0€ 0

Veranstaltungen

Dine Petrik liest aus »Flucht vor der Nacht« in der Alten Schmiede in Wien

Mi 17. Jun 2015 um 19:00

Link zu "Dine Petrik liest aus »Flucht vor der Nacht« in der Alten Schmiede in Wien" >


Ort:

Alte Schmiede
Schönlaterngasse 9
1010 Wien

Kurzbeschreibung

Dunkle Lebensgründe – erzählende Auflösungen: Lesungen und Gespräch

Markus Köhle (Wien): Einleitungen und Moderation
DINE PETRIK (Wien): FLUCHT VOR DER NACHT. Roman (Bibliothek der Provinz, 2015)
Friedrich Hahn (Wien): Der Setzkasten oder Erwin und die halben Luftballons. Roman (Edition Keiper, 2015)


Der zweifelnde Protagonist in Dine Petriks Geschichte ist bildender Künstler, wie Bruno Salcher, sein loser Weggefährte durch die Nachkriegszeit in Österreich und durch das junge und mittlere Lebensalter, der die Folie für den identitätsstiftenden und infragestellenden Vergleich liefert. Während der eine sich durch heftige Existenznot kämpfte und das Brüchige im künstlerischen Bemühen wie im Privaten fortsetzte, profitierte Bruno früh von fraglichen, bis in die Nazizeit zurückreichenden Verbindungen, nahm Ruhe und Pragmatismus mit in eine Familiengründung und den erfolgreichen Verkauf seiner Arbeit.

Die Hauptfigur in Friedrich Hahns neuem Roman ist einfach »Einer«. Einer wurde mit zwanzig Jahren aus dem Herz-Jesu-Spital entlassen, weiß nicht, was davor war, noch wer seine Eltern sind. Gesellschaftliche Konventionen muss er im Kino erlernen. Als mit seiner einzigen Vertrauensperson Gisela der unerfüllbare Wunsch nach einem eigenen Kind erwächst, taucht deren beste Freundin Jette auf.


Dine Petrik, *1942 in Unterfrauenhaid/Burgenland, lebt seit 1959 in Wien. Handelsschule, verschiedene Brotberufe, Besuch der Wiener Kunstschule; schreibt seit Anfang der 1990er und ist heute freie Autorin. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften, Anthologien – jüngste Bücher: Hertha Kräftner. Die verfehlte Wirklichkeit (2011); Magenta. Lyrik (2014).

Friedrich Hahn, *1952 in Niederösterreich geboren. Seit 1969 schriftstellerische Tätigkeit, (foto)grafische Arbeiten, Veranstaltungsorganisation, Schreibworkshops, politischer Mandatar in Wien Alsergrund. 2001 Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich. Hörspiele und Features, u.a. für ORF und DRS, zuletzt: 28 fortgeflüsterte wimpern (Autorenproduktion 2010/11); jüngste Bücher: und besorgte mir stufen für meine schritte. über die durchlässigkeit. Gedichte (2011); Mitten am Rand. Roman (2011); Wie es im Buche steht. Roman (2014).

Markus Köhle, *1975 in Nassereith, Studium der Germanistik und Romanistik in Innsbruck und Rom, seit 2001 literarisch, literaturwissenschaftlich und veranstalterisch tätig, lebt in Wien; Mitherausgeber des Handbuchs österreichischer und Südtiroler Literaturzeitschriften 1970–2004 (gem. mit R. Esterhammer u. F. Gaigg; 2 Bd., 2008); zuletzt: Hanno brennt. Roman (2012); Ping-Pong-Poetry (mit Mieze Medusa; 2013).


Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen der Alten Schmiede



Dine Petrik
Flucht vor der Nacht
Verlag Bibliothek der Provinz
ISBN 978-3-99028-367-7


13 Kapitel und das persönliche, fast mythisch anmutende Schicksalsjahr 2000 in Wien - das sind die Eckpfeiler eines psychodramatischen Textes, der in fiebriger Sprache und in Zeitsprüngen durch die Beziehungen des trinkenden Malers Bogathy eilt- mit Todesahnungen, Rivalitäten und Realitätssplittern ringsum: Erinnerungsbilder seiner Exfrau Catherine, seiner tödlich verunfallten Tochter Olivia, der Affaire "Margarete" und der neuen Liebe Edith - sie alle enden in ihren unausweichlichen Spannungen wie im antiken Drama: Olivia stirbt durch einen Obsidian, Edith fällt rätselhafterweise vor die U-Bahn (durch die Hand Margaretes?) und Bogathy sieht trotz euphorischer Momente nur im Fenstersturz die Lösung. Schuldgefühle, Lügen, Träume und Einbildungen verbinden auf tragische Weise das Figurennetz wie in einem Hexenkessel. Und bemerkenswert viel Wien, Wienarchitektur, das Ringen um diese Stadt, das Fußfassen in ihr.

Die Sprache bleibt in ihrem minuziösen Realismus samt Poesie und dem negativen (Anti-)Pathos stets nur andeutend, tastend, wütend, ratlos und liefert in ihrem aufgebrachten Tonfall des Lamentos ein recht aussichtsloses Sittenbild zwischen London, Wien, Poysdorf und Armenien. In jedem dieser Kapitel lauert das Flüchtige und das Nächtliche - und undurchschaubbar in der privaten Ganzheit ohnehin.

weitere Veranstaltungen >>