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Veranstaltungen

Christoph Janacs liest aus „Der Blick des Leguans“ im »Das Kino« in Salzburg

Mo 27. Mär 2017 um 19:30

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Ort:

Salzburger Filmkulturzentrum DAS KINO, Gewölbe
Giselakai 11
5020 Salzburg

Kurzbeschreibung

Lesung : Christoph Janacs: „Der Blick des Leguans“
Freitag, 24. März 2017, 19:30 Uhr
Das Kino (Gewölbe), Giselakai 11, 5020 Salzburg


Seit langem hegt der Salzburger Autor Christoph Janacs eine Vorliebe für Mexiko, die sich in dem Roman „Aztekensommer“ und dem Erzählband „Der Gesang des Coyoten“ sowie etlichen Gedichten niedergeschlagen hat. Auch in Essays vertieft er sich regelmäßig in aktuellen Krisen und Freuden dieses Landes.

Nun hat Christoph Janacs mit „Der Blick des Leguans“ 13 neue „mexikanischen Erzählungen“ veröffentlicht. Es geht um diverse mexikanische Schicksale; z.B. um jemanden, der illegal in die USA auswandern will und stattdessen in einen Strudel aus Drogenkrieg und Kriminalität gerät.

Janacs erzählt aber auch von einem unerfahrenen Touristenpaar oder vom Umweltaktivisten und Dichter Pajarito, der auf Anzeichen einer nahenden Katastrophe stößt und kein Gehör findet.


Buchpräsentation im Rahmen der Lateinamerika-Filmwoche, mit Hubert Kellerer (Akkordeon)



Santiago Guzmán trat unter das Vordach seiner Hütte, beschattete die Augen mit der Rechten, blickte hinaus in die Wüste.

Das Land: flirrend in der Mittagshitze, ein steinernes Meer, in dem die Kiesel, Felsen und spärlichen Gewächse – Mesquites, Yuccas, Sotoles, strohtrockenes gelbes Gras – zu tanzen schienen. Alles war erstarrt und zugleich in Bewegung: das grau-braune Gestein, die halbverdorrten Pflanzen, die ihre stacheligen Köpfe einem Himmel entgegenstreckten, über den Tag für Tag eine unbarmherzige Sonne rollte; selbst die rostroten Berge im Westen zitterten und bewegten sich, eine Herde vorzeitlicher Wesen, scheinbar unaufhörlich weiter und blieben dennoch stets auf demselben Fleck.

Das Land vibrierte.
Wenige Schritte entfernt stand der Esel unter dem Beifußbaum. Das Gewächs hatte sich in den Jahren von einem Busch zu einem stattlichen Baum ausgewachsen und verströmte am Morgen, wenn sich Tau gebildet hatte, einen betörenden aromatischen Duft. Jetzt, in der Glut, war er nichts als ein trockenes Gehölz; aber er spendete Schatten, den einzigen weit und breit.

Santiago trat auf den Esel zu und tätschelte seinen Rücken.
¿Y qué, Platero? Wovon träumst du?

Das Tier bewegte seine buschigen Ohren, öffnete aber seine Augen nicht.
Ich weiß: von saftigen Kräutern und einer milderen Sonne. Aber das spielt es hier nicht.

Santiago hob den Kopf. Ein Schatten war über ihn hinweggestrichen und hatte sein Gesicht gestreift. Ein Bussard: kreiste über ihrem kleinen anwesen und nutzte die heiße Luft und ein leichte Brise, um sich ohne einen Flügelschlag treiben zu lassen. Eine Sichel, die das Blau des Himmels ritzte, das jetzt, am hohen Mittag, blaß, fast aschfahl wirkte.

Santiago wandte den Kopf ab und sah hinüber zu dem kleinen Maisfeld hinter der Hütte. Die Blätter vergilbt, die Rispen verkümmert. Davon hatten sie früher nicht leben können, davon konnten sie auch heute nicht leben. Dennoch waren sie zurückgekehrt …




Christoph Janacs
Der Blick des Leguans
Verlag Bibliothek der Provinz
ISBN 978-3-99028-600-5


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