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Kurzbeschreibung

Thomas J. Hauck. Ill. von/de Hanneke van der Hoeven


Leonie ist neunzehn, seit kurzem, und lebt mit Mama in einer französischen Kleinstadt, immer noch. Mama macht die feinsten Karamellbonbons für Monsieur Mercier. Mama macht sich Sorgen, ein bisschen, weil Leonie anders ist, ganz anders, anders als die anderen und Leonie singt, wie Mama, Callas, Maria Callas. Und Leonie ist glücklich so wie es ist. Und so soll es auch bleiben. Aber eines Tages führt sie der Duft von Käse in eine andere Welt, in die Welt von Monsieur Kiwitt und die Welt der Liebe.

Léonie a dix-neuf ans depuis peu et vit encore avec sa maman dans une petite ville, en France. Maman fabrique, pour Monsieur Mercier, les meilleurs bonbons qui soient. Maman se fait un peu de soucis car Léonie est différente, tout à fait différente, différente des autres et Léonie chante La Callas, Maria Callas, comme Maman. Et Léonie est heureuse comme cela. Et la vi e doit rester ainsi. Mais un jour, l’odeur du fromage la conduit dans un autre monde, dans le monde de Monsieur Kiwitt et dans le monde de l’amour.


Rezensionen
rfi:

Thomas Johannes Hauck ist vielen Gießenern noch als Leiter des Theaterstudios im Löbershof bekannt. Als bildender Künstler, Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler hat Hauck einen guten Ruf. Ein wichtiges Standbein seiner künstlerischen Existenz sind seine Kinderbücher, daneben schreibt er auch Kriminalromane und feingliedrige poetische Erzählungen. Mit seinem neusten Buch „Leonie oder der Duft von Käse“, das simultan ins Französische übersetzt ist, beschränkt sich der Autor auf nur wenige Personen und fast nur einen Handlungsstrang, die zart-poetische Liebesgeschichte von Leonie und Monsieur Kiwitt.

Die Vorgeschichte erzählt Hauck mit nur wenigen Strichen: Leonie ist neunzehn Jahre alt und lebt bei ihrer Mutter, die Karamellbonbons für Monsieur Mercier herstellt. Leonie wird wegen ihrer geringen Körpergröße und ihrer starken Kurzsichtigkeit gehänselt. Leonie fährt auf ihrem Fahrrad in die Stadt und singt Arien der Callas, was ihr Geldgeschenke von Passanten einträgt. Es werden von Hauck keine konkreten Musikstücke benannt, vielmehr steht Leonies Singen und der Mythos Callas für die metaphysische Macht und Schönheit der Musik.

Geld riecht nach Käse

Leonie verzaubert durch ihr Singen ihre Umgebung, so wie den einsamen ehemaligen Bauern Vandeux. Eines Tages schenkt ihr ein großer Passant einen Geldschein als Belohnung für ihren Gesang. In dem Käsegeruch, den der Geldschein verströmt, kulminiert die Synästhesie von Farben, Düften und Klängen, die des Autors innigstes Anliegen ist. Indem Leonie dem Geruch von Käse nachspürt, erschließt sich ihr die Welt des Käseverkäufers Monsieur Kiwitt. Mit Bildern und Gesang erobert sie sein Herz. Als sie das erste Mal bei ihm übernachtet, vollzieht sie die Trennung von ihrer weinenden Mutter….

Auch die wenigen Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet. Wichtig ist vor allem die poetische Atmosphäre, das helle, fast südliche Licht, in das das alles getaucht ist. Kunstvoll auch die Illustrationen Hanneke van der Hoevens. Sehr zu empfehlen!

[…]

(rfi, Rezension im: Gießener Anzeiger, 19. August 2017)


http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kultur/leonie-oder-der-duft-von-kaese-von-thomas-hauck_18119107.htm

Sören Heim:

Thomas J. Haucks „Leonie oder der Duft von Käse“ ist ein schwer zu kategorisierendes Buch. Sören Heim mit Überlegungen zu der Frage, ob Rezensenten junge Leser unterschätzen.

Kinderliteratur zu besprechen ist eine komplizierte Angelegenheit. Man ist ja als Besprechender ja für gewöhnlich kein Kind mehr. Und so klar man heute sagen zu können glaubt, was gute, was weniger gute Literatur ausmache, als Kind oder Jugendlicher stand man auf Sachen, die das erwachsene Heute dem jungen Damals kaum guten Gewissens aushändigen würde. Darum bin ich vorsichtig mit dem Besprechen von Kinder- und Jugendliteratur, esseidenn es geht darum die normativen Ansprüche zurückzuweisen, die andere Erwachsene gern an solche Texte herantragen.

Eine Ausnahme mache ich gern, nachdem mir das schmale Bändchen Leonie oder der Duft von Käse von Thomas J. Hauck in den Briefkasten geflattert ist. Ich habe Hauck vergangenes Jahr auf einer Lesung kennengelernt und die Art, wie er für Kinder liest, beeindruckt. Damals war es Sing Jacob, Sing, ein Langgedicht in melodischen freien Versen, vorgetragen mit Mut zur Musikalität und sichtlich in der Überzeugung, man müsse Kindern Literatur nicht in vorgekaut all zu verdaulichen Happen darreichen. Ein Gedicht von teils bedrückender Schwermut, das sich zur Hoffnung hin öffnet, ohne dass dabei der Zeigefinger erhoben würde.

Leonie oder der Duft von Käse geht in dieser Hinsicht sogar noch einen Schritt weiter. Die Geschichte um die neunzehnjährige Leonie, die zuerst ungern bei der eigenen Mutter ausziehen möchte und überhaupt ein besonders enges Verhältnis zur Mutter pflegt, die mit ihren Tränen den Pralinen der Mutter eine ganz besondere Note verleiht und später von einem Marktbeschicker, der streng nach Käse riecht – namentlich von dessen besonderem Duft – doch aus dem Haus der allein erziehenden Mutter gelockt wird, lässt sich kaum auf eine bestimmte Zielgruppe festnageln. Die Sprache ist von größter Einfachheit, in kurzen Haupt- mit seltenen Nebensätzen erhalten. Doch auch durch den Wechsel zwischen etwas längeren und immer wieder eingeworfenen ganz kurzen Satzbrocken von mitreisend rhythmischem Fluss. Und zwar, wie viele Werke Haucks, parallel auf Deutsch und Französisch.

Damit kommen sicher schon ganz junge Leser zurecht. Das Alter der Protagonistin und auch die angeschnittenen Themen sind für ein Kinderbuch dagegen eher ungewöhnlich, und hinter den Geschmacks- und Duftbildern, die sich mit dem Erwachen erste Liebe verbinden (besser vielleicht: Neugier, denn Haucks Figuren sind keine psychologisch konstruierten im Sinne des bürgerlichen Romans) scheint fast zwingend metaphorisch eine noch täppische Sexualität durch, was aber wiederum in dieser Erzählweise kaum die gewöhnliche Lektüre von Altersgenossinnen der Protagonistin sein dürfte:

Ein „Buch für alle und keinen?“ oder vielleicht ein Buch, das, ich habe den Verdacht ja bereits mehrfach geäußert, mal wieder darauf hinweist, wie die durchweg marktförmige Gesellschaft dazu tendiert, Kinder und Jugendliche zu unterschätzen? Hauck und Illustratorin Hanneke van der Hoeven haben wohl zu aller erst Texte und Bilder vorgelegt, die in sich stimmig sein sollen und dem eigenen Anspruch genügen. Eine Leser- und Betrachterschaft wird sich dann schon finden. Denn auch die teils in Montagetechnik erstellten, teils handgezeichneten surrealistischen Illustrationen, die den deutschsprachigen Text auf der oberen Hälfte der Buchseite vom französischsprachigen abtrennen sind nicht einfach gefällige Untermalung des Textes, sondern wollen eigentlich eingehend für sich und eingehender noch unter Berücksichtigung des Ganzen betrachtet werden. Schade, dass in dem schmalen Taschenbuch die Bilder dazu ein wenig klein ausfallen.

Es ist, für Kinder und Jugendbücher durchaus ungewöhnlich, ein Text, der schwer im Ganzen zu greifen ist. Nicht zwingend einer, von dem sich sagen lässt, er habe keine Botschaft. Doch einer der vor allem Grübeln macht, was am Ende diese Botschaft genau sein soll. Ein Text, dessen Sprache den Leser förmlich durch das Buch rauschen lässt während die Illustrationen geradezu kontrapunktisch einhalten lassen, zum genauen Hinsehen auffordern.

Es bleibt die unbeantwortete Frage nach der Zielgruppe. Und die bleibt vielleicht zum Glück unbeantwortet. Am Ende dürfte Hauck, Autor von unzähligen Kinder- und Jugendbüchern, seine Leser kennen.

(Sören Heim, Rezension für: postmondän - digitales Magazin für Literatur | Musik | Film | Theater, 5. September 2017)


https://postmondaen.net/2017/09/05/thomas-johannes-hauck-leonie-oder-der-duft-von-kaese/