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Eine Sparkasse (nicht nur) für die Wiener

Die Geschäftspolitik der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien im Kontext der Entwicklung des österreichischen Sparkassensektors

Rudolf Bogensperger
edition seidengasse: Enzyklopädie des Wiener Wissens

ISBN: 978-3-99028-613-5
21 x 15 cm, 284 S., Hardcover
€ 24,00
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Kurzbeschreibung

Enzyklopädie des Wiener Wissens ; 26. - Edition Seidengasse


Viele Wienerinnen und Wiener verbinden mit der Zentralsparkasse nostalgische Erinnerungen an den Sparefroh oder den Weltspartag. Die gemeinnützige Sparkasse hat das Wiener Kultur- und Alltagsleben jahrzehntelang geprägt.

Zu den wenigen bekannten Aspekten der Geschichte der Zentralsparkasse zählt etwa ihre Rolle in den österreichischen Banken- und Finanzkrisen der Zwischenkriegszeit oder ihre Pionierleistung bei der Einführung von Gehaltskonten.

Mit der Liberalisierung im österreichischen Kreditwesen seit den 1970er Jahren wurde aus einer Wiener Gemeindesparkasse schrittweise ein europäischer Finanzkonzern. Die öffentlichen Haftungen der Gemeinde Wien für die Sparkasse wurden vor diesem Hintergrund zum politischen Thema. Gerade angesichts aktueller Diskussionen über öffentliche Haftungen für Geldinstitute - Stichwort Hypo Alpe Adria - ist es interessant zu sehen, wie die Zentralsparkasse bzw. die Bank Austria und die Stadt Wien mit dieser Frage umgegangen sind.


Rezensionen
Alfred Paleczny:

In der in Österreich leider ziemlich vernachlässigten Unternehmensgeschichte nehmen die Darstellungen der Banken und Sparkassen eine Ausnahmestellung ein, weil in den letzten zwölf Jahren neben den üblichen Festschriften auch eine Reihe von bankhistorischen Darstellungen erschienen sind. Die Autoren sind allerdings meist ehemalige Führungskräfte der Kreditwirtschaft, die sich bemühen, ihr jeweiliges Institut in ein positives Licht zu rücken und Kritik ihrer Bankpolitik vermissen lassen. Das trifft auch auf die bisher einzige Geschichte der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien zu, die ihr letzter Generaldirektor René Alfons Haiden unter dem bezeichnenden Titel „Die Z – eine Wiener Erfolgsgeschichte“ herausgegeben hat.

Der junge Historiker Rudolf Bogensperger hat basierend auf seiner Diplomarbeit eine weitere Geschichte dieser Sparkasse geschrieben, die das Naheverhältnis zwischen Politik und Wirtschaft kritisch analysiert. Dabei spannt er den Bogen von der Vorgeschichte der 1907 realisierten Gründung über die Entstehung der Bank Austria 1991 bis zum Austritt der Bank Austria aus dem Sparkassenverband 2004. Er verliert dabei nie den Zusammenhang, in dem diese Sparkassen im Sparkassensektor stand und hat wichtige Primärquellen, etwa die Sitzungsprotokolle des Kuratoriums der Zentralsparkasse bis 1922, des Reichsverbandes (später Hauptverbandes) der Sparkassen bis 1934, des Wiener Gemeinderates und der Wiener Sparkassenaufsicht bis etwa 1970 zum Großteil erstmals ausgewertet.

Bogensperger beschreibt zunächst die Konflikte zwischen den – an dieser kommunalen Sparkassengründung uninteressierten – Liberalen, der Lueger-Partei und den bestehenden Wiener Kommunalsparkassen, die an einer übermächtigen Konkurrenz ebenfalls nicht interessiert waren. Sie gingen dann auch 1923 und 1925 in der Zentralsparkasse auf.

Weiters zeigt Bogensperger für die Jahre der Monarchie die oft gravierenden Meinungsunterschiede zwischen dem operativ tätigen Sparkassenleiter Heinrich Ernest Brand und den übergeordneten Quasi-Eigentümern, den Wiener Bürgermeistern und dem Gemeinderat. Die christlichsoziale Gemeindeverwaltung wollte „ihre“ Sparkasse für die Vergabe von billigen Krediten an politisch nahestehende Gruppen verwenden, während Brand eine eigenständigere Politik bevorzugte, die eher auf Stärkung des Eigenkapitals und Erschließung neuer Geschäftsfelder ausgerichtet war.

Auch in der Ersten Republik stand die Zentralsparkasse (Z) als Sparkasse des „Roten Wien“ und größte Gemeindesparkasse im Zentrum vieler Auseinandersetzungen mit den meist deutschnational eingestellten Vereinssparkassen und dem Reichsverband der Sparkassen. Ursache dafür waren meist die damals häufigen Finanz- und Bankenkrisen. Teilweise wurden die Konflikte öffentlich ausgetragen, etwa bei der Abwicklung der Centralbank der Deutschen Sparkassen.

Breiten Raum widmet Bogensperger der Einbindung des ehemaligen Gewerkschaftschefs und Innenministers Franz Olah in die Geschäfte der Z unter anderem bei der Finanzierung der Kronen-Zeitung mit Sparbüchern seiner Gewerkschaft, die letztlich zur Ablöse des damaligen Z-Generaldirektors Josef Neubauer 1969 führte. Neubauer war es trotzdem gelungen, aus der Z ein modernes Kreditinstitut zu machen; unter seiner Führung legte er die Basis für die „goldenen“ Jahre der Z bis zur Fusion mit den verstaatlichten Aktienbanken, der Länderbank und der Creditanstalt in den 1990er Jahren.

Die Rolle der Z bei diesen politisch umstrittenen Fusionen wird ausführlich geschildert, allerdings aufgrund der geltenden Archivsperren nur auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen.

Weniger ausführlich wird die Zeit der nationalsozialistischen Besetzung Österreichs behandelt. Für diese Jahre gibt es bereits eine ausführliche Darstellung des Historikers Theodor Venus. Die Rolle der Sparkassen bei der Finanzierung der NSDAP und des Zweiten Weltkrieges bleibt dennoch ein Forschungsdesiderat. Für die Friedensjahre des 20. Jahrhunderts hat Bogensperger aber mit diesem Buch eine wichtige Lücke in der Bankengeschichte geschlossen.

(Alfred Paleczny, Rezension in: Wiener Geschichtsblätter, 72. Jg./ 2017, Heft 1, S. 92 f.)