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Kurzbeschreibung

Helmut Kepplinger ; Gerald Egger (Hg.)


Vor nicht allzu langer Zeit, als ich wieder einmal meinen Freund, den Künstler Helmut Kepplinger, heimsuchte, machte er mir eine Entdeckung zugänglich. Er hatte eine längst verloren geglaubte Kunstsammlung wieder aufgespürt, als er die Hoffnung darauf bereits aufgegeben hatte.

In bester Laune präsentierte er mir deshalb eine kleine Schachtel ohne Deckel. Anstelle der Abdeckung hielten mehrere Gummiringe den Inhalt in der Verpackung fest. Kepplinger löste diese, woraufhin fünfundvierzig dicht beschriebene Briefkuverts aus dem Karton purzelten. Der jeweilige Kurztext auf den Kuverts gab Aufschluss über Reihung und Beschreibung der im Inneren befindlichen Kleinformate. In den nummerierten Umschlägen steckten zwischen einem und fünf Bilder, fein säuberlich nach Inhalt und verwendeter Technik gereiht und zusammengestellt.

Außergewöhnlich und untypisch dabei ist: Es gibt zu diesen Arbeiten Kepplingers nahezu keine Texte, außerdem fehlen Datierungen. Der Künstler vermutet, dass er diese Serie Ende der 1970er beziehungsweise Anfang der 1980er-Jahre geschaffen hat. Die Zusammenstellung umfasst 201 Bilder vorwiegend in den Größen 5,5 cm x 9 cm. Die Abbildungen wurden 1:1 in diese Publikation übernommen.

Helmut Kepplinger bezeichnet seine Arbeiten nicht als Kunstwerke, sondern als Schöpfungen. Diese kleinen Bilder entstanden beinahe zur Gänze außerhalb seiner Wohnung in Restaurants und Kaffeehäusern, Kepplinger bezeichnet diese Miniaturen deshalb mit dem Begriff „Lokalwerke!" In Linzer Trafiken besorgte er sich kleine Notizblöcke und Reklameheftchen, deren weißen Flächen er in fantasievolle Bilderwelten verwandelte.

Seine Einsamkeit und das viele Nachdenken über sein Ich trieben Kepplinger in seiner Verzweiflung fort aus seinem kleinen Zuhause. In den Gaststätten verspürte er eine Art Geborgenheit, Zerstreuung und Ablenkung von seiner sonstigen Isolation. Er bearbeitete seine Schöpfungen und benutzte dazu Kugelschreiber in Grün, Blau oder Schwarz, Farb-, Filz-, Tusche- und Bleistifte.

Die verarbeiteten Themen erstrecken sich von Menschendarstellungen über Architektur, Kreuze, Pflanzen, Schiffe und vielen mehr. Helmut Kepplinger erzählte mir, dass er in seinen künstlerischen Anfängen sehr kleine Formate benutzte. Es sei dies eine besondere Übung gewesen, nur so konnte er es später wagen, größer und größer zu zeichnen. Besonders stolz ist er darauf, kein Behelfsmittel wie Brille, Lupe oder Vergrößerungsglas verwendet zu haben.

„Bei den Kleinstformaten muss man ordentlich und sehr genau arbeiten. Es ist wenig Platz vorhanden, man sieht alles und kann nichts vertuschen", meint Kepplinger.

(Gerald Egger)