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Kurzbeschreibung

Waren Entscheidungen zu treffen, baten sie um die Meinung des anderen. Sie gaben Zweifel zu, gestanden Hoffnungen, sie lobten und bejahten, sie kritisierten vorsichtig, sie halfen einander mit ihrem Wissen, fragten um Rat und dankten dafür.

Der Austausch ihrer Gedanken war von Jahr zu Jahr intensiver geworden. Mussten sie ihn unterbrechen - Anlässe dazu gab es häufig -, waren sie beide verunsichert und erst erleichtert, wenn sie wieder Nachricht erhielten. Er hatte keine Illusionen, sie aber erlaubte sich zu träumen …


Rezensionen
Anton Distelberger:

Von den literarischen Streifzügen, die Maria Eliskases zwischen 2007 und 2012 in die Gefilde der Liebe unternommen hat, bringt sie 30 Reportagen aus diesem Elysium mit und lässt ihre Erzählungen über die faszinierenden Spielarten der Liebe in dem Sammelband „Im blauen Zug“ aufeinandertreffen. Es sind Pretiosen der Erzählkunst, die sich bewegen und flimmern, wie die Luft, die sich im Sommer über dem Asphalt staut.

Heiß geht es oft her, wenn sich Männer und Frauen in diesen Geschichten „erkennen“, aufeinander einlassen und miteinander Umgang pflegen. So einiges wird explizit gemacht, des Öfteren geht es ganz schön zur Sache. Die Schreiberin ist ihren Figuren durchwegs wohlgesonnen, es ist den Erzählungen anzumerken, dass die Forschungsberichte von Sympathie gegenüber dem Gegenstand der Beobachtung getragen werden. Bei all ihrer Neugierde wahrt Eliskases die Integrität ihrer Protagonisten. Es gibt in diesem Buch keine Schuldzuweisungen. Alle, die bereit sind, sich auf das Abenteuer der Liebe einzulassen, genießen das erkennbare Wohlwollen der versierten Erzählerin. An ihren Figuren schätzt sie deren Bereitschaft zum Risiko. Liebende sind Menschen, die viel aufs Spiel setzen, der Einsatz ist hoch. Nicht immer geht alles glatt, die Liebe ist riskant wie ein Trapezakt ohne Netz. Liebende leben mehr als ein Leben, manchmal führen sie auch ein Doppelleben.

Eliskases ist die einzige in diesem Buch, der die Ereignisse nicht entgleiten. Gerne bedient sie sich zu diesem Zweck einer reflektierten und ironisch gebrochenen Herangehensweise. Der Gefühlstaumel wird oft aus der Distanz der Erinnerung erzählt, die Zeitebenen kunstvoll verschachtelt. Ganz lässt sich damit nicht verschleiern, wie sehr Maria Eliskases im Verlauf der Handlung das Personal ihrer Geschichten ans Herz gewachsen ist. Immer wieder blitzen dazwischen auch ihre eigenen Züge hervor, ihre ausgeprägte Frankophilie, die ihr bekannten und vertrauten Schauplätze und Szenarien zwischen dem heimatlichen Salzkammergut und dem fernen Paris, die sie mit verschiedensten Charakteren bevölkert.

Einmal – auf der Seite 100 – geht sie sogar das Wagnis ein, mit einer dieser Figuren direkt in Dialog zu treten. Ist das sie selbst, der sie in einer ihrer eigenen Erzählungen einen Auftritt zuschanzt? Geschickt weicht sie einer solchen Festlegung aus: „Sind meine Texte mein Leben gewesen? Um Texte auf ein unbeschriebenes Blatt zu setzen, darf man selbst kein unbeschriebenes Blatt sein – zwar nur ein Wortspiel, doch mit Spielen hat ja auch das Schreiben zu tun.“ Eliskases erweist sich als umsichtige und sachkundige Reiseleiterin durch das unübersichtliche Terrain der Liebe.

(Rezension: Anton Distelberger)