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Kurzbeschreibung

Ein Geflecht von Luftschutzstollen mit einer Gesamtlänge von vierzig Kilometern erstreckt sich unter dem Stadtgebiet von Linz. Der Limonikeller ist ein Teil davon.

Dort halten zwei Ex-Marinesoldaten der Deutschen Bundeswehr einen Attentäter gefangen, der im Zentrum von Linz ein Auto mit einer Handgranate in die Luft gesprengt hat. Ein weltweit renommierter Professor für Nanoanalytik der Johannes Kepler Universität fand dabei den Tod.

Die Linzer Polizei ermittelt sofort im Verdacht auf islamistischen Terror. Polizeioberst Max Steinberg zweifelt und geht in seinem fünften Fall wieder eigene Wege.



Rezensionen
Oberösterreichische Nachrichten: Kain und Abel und ein Stollen in der Linzer Unterwelt

Ein Krimi mit viel Ortskolorit und einem Appell gegen Vorurteile

Er will das Verfahren gegen eine Menge Geld verkaufen - aus menschlichen Gründen. Doch bei dem Tausch Koffer (in dem der Schlüssel der Entwicklung verborgen ist) gegen Geld saust der Wissenschafter vermittels Bombe ab ins Jenseits. Der Attentäter samt Koffer (ein Kroate) ist jedoch im Fadenkreuz von Auftragskillern, die den Mann abfangen, in den „Limonikeller“ schleppen, um ihm dort den Code zu entreißen und ihn dann zu entsorgen. Der Auftraggeber ist der Bruder des Wissenschafters. Beide sind / waren Söhne eines Industriellen, der mit Textilien ein riesiges Imperium aufgezogen hat. Die Brüder waren einander nie grün. Der zum Kain Mutierende wollte seinen Bruder als Erfinder und Teilhaber an der Firma auf diese Weise „enterben“. Die Sache geht aber für alle Beteiligten schlecht aus, sie folgen zwei Wochen nach Start des Geschehens dem Ersttoten ins Nirwana nach.

Angesetzt auf diesen Fall wird Polizei-Oberst Max Steinberg, der jedes Mal nach einem Auslands-Einsatz heimgekehrt glaubt, er könne mit einem ruhigeren Job daheim der Pension entgegengehen. Doch auch nach der 17. Heimkehr klappt’s nicht mit dem Posten eines Unterweisers an der Polizeihochschule. Er wird höherenorts mit der Mitarbeit an der „Bombe Linz“ beauftragt. Die Leiterin der Einsatzgruppe ist eine neue Polizei-Stadtkommandantin.

Die Ermittlungen konzentrieren sich gemäß standardisiertem Vorurteil auf die Asylantenszene, denn für die Meisten steht fest: Das kann nur ein Islamist, ein Salafist oder dergleichen sein. Es wäre aber nicht Max Steinberg mit seinem Riecher, der seinen eigenen Kurs in der Soko fährt - und schließlich recht behält. Er nimmt die Fäden auf, die also bis nach Kroatien reichen, und hat das Netz schließlich fertig geknüpft.

Mit seinen Linz-Krimis hat sich Volker Raus in die vordere Reihe der Krimi-Autoren nicht nur Österreichs geschoben. Themen und Orte des Geschehens sind stets Linz und von Linz ausgehende, markante tatsächliche Ereignisse und Geschehnisse benutzt er als Basis. Zentralfiguren der gebauten Linz-Szene (beruflich und privat) bevölkern alle (jetzt fünf) Romane, auch Kroatien (Raus’ Lieblingslandschaft außerhalb Österreichs) wird immer wieder gerne eingebaut.

In diesem Fall also der „Limonikeller“. Er ist Teil eines 40 km langen Stollensystems, das die Nazi von KZ-Häftlingen unter unmenschlichen Bedingungen in die Linzer Hügel wühlen ließen als Schutzräume für die Bevölkerung, als absehbar wurde, dass der Eroberungskrieg, mit dem Hitler Europa überschwemmen ließ, zu den Verursachern heimkommen würde. Der historisch exakte Erzählrahmen: Eine Führung durch den Stollen mit Berichten über Geschichte und Funktion (vor einigen Jahren in einer besonderen Besichtigungsaktion „Tiefenrausch“ öffentlich zugänglich.)

Der Medien- und Marketing-Experte Raus stellt die Geschichte in die Gegenwart, lässt sie im Oktober 2016 starten, führt durch die Linzer Stadtszenen, die Eisenbahnbrücke ist schon weg, also: Aktueller geht’s nicht. Er erzählt in lockerer Reportageform, das Handlungsgerüst ist geradlinig, man fühlt sich in seinem Szenario gleich zu Hause, denkt mit dem Polizisten, leidet (bei Schicksalsschlägen) mit ihm.

Raus flicht das Aktuelle mit ein: Reales Flüchtlings-Problem, Asylanten-Auseinandersetzungen, kriminelle Machenschaften um Flüchtlinge - und verkündet eine Botschaft: Geflüchtete aus dem Orient sind nicht automatisch Verbrecher, es gilt, nicht Vorurteil-dominierten Fährten zu folgen. Auch in diesem Erzählfall sind es nicht Flüchtlinge aus dem Balkan, sondern die Verbrechen sind hausgemacht. Eine wichtige Schlüsselbotschaft. Auch sensationsgeile Medien als Meinungs-Vehikel von parteipolitischen Scharfmachern bekommen ihr Fett ab. Passt auch zum Linzer Lokalkolorit.

(Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 12. November 2016)