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Kurzbeschreibung

Manfred P.T. Ellermann war am 7. Februar in Zirl in Tirol losgegangen, um zu vergessen. Alles wollte er vergessen. Sagte er sich. Alles. Sein ganzes Leben.

Manfred P.T. Ellermann taucht in eine seltsame Geschichte ein, eine Geschichte voller Poesie, Melancholie und großem Erwarten. Ein Traum? Eine Vision? Realität? Er weiß es nicht und wird es vielleicht nie erfahren, wenn es da nicht einen Duft gäbe …


Rezensionen
rfi: Poesie des Vergessens

Thomas J. Hauck legt poetisch dichte Erzählung vor

Mit „Der Fisch, der zu ihm gesprochen hatte“ veröffentlicht Thomas J. Hauck im Verlag Bibliothek der Provinz einen Text, der die Grenzen zwischen Realität und Imagination zu sprengen scheint. Hauck, der den Giessener Kulturfreunden noch aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bekannt ist, umschreibt in seiner Erzählung einen allmählichen Verfallsprozess. Indem Manfred P.T. Ellermann eines Tages beschließt, seine Familie und seinen Beruf aufzugeben und einfach loszugehen um zu vergessen, beginnt er eine Fußreise, die ihn von Zirl in Tirol nach Straßburg führt. Im Zentrum des Werks steht eine Poesie des Vergessens, die es dem Leser nicht erlaubt, Manfred P.T. Ellermann einfach als Demenzkranken abzutun.

Manfred P.T. Ellermann hat mehrere Begleiter auf seiner Wanderung: einen Fisch, vielmehr eine liebevoll gepflegte Fischgräte, eine rote Weihnachtskugel, die ihn an ein Küken erinnert, eine Spinne, die er in einer abgewirtschafteten Pension findet, und eine Spielkarte. Der Fisch ist Symbol des Flusses Lethe, der für das Vergessen steht. Das Küken symbolisiert mit seiner roten Farbe die Liebe, wohingegen die Spinne zwei Bedeutungen hat: das Sakrale und das Leben als Labyrinth. Die Spielkarte erinnert an die Glücksgöttin Fortuna. Indem der Protagonist diese ständigen Begleiter in vielfacher Art und Weise befragt, dann wieder in die Tasche steckt oder auf einer Bank ausbreitet, bleibt der Erzählstrom im Fluss und es wird Spannung erzeugt.

Völlig unklar ist es, ob die Ereignisse, die Manfred P.T. Ellermann zustoßen, in der Realität begründet sind oder völlig ins Reich des Imaginären gehören. Das betrifft auch jene Frau, die der Held in der Mitte des Buches trifft, aber nicht ansprechen kann, weil ihn eine Bilderflut überwältigt. Die Suche nach ihr wird zum Hauptmotiv der Erzählung. Ob er sie zum Schluss findet, bleibt offen. Das Ganze vollzieht sich in einem Strassburg der intensiven Farben, Töne und Düfte. Gegen Ende, wenn die Grenzen der Sprache sich in einem großen Crescendo auflösen, verdichtet sich das Geschehen. Hauck pflegt eine kultivierte, musikalische Sprache und Georgia Wölfle illustriert feinsinnig und poetisch. Ein kleines Meisterwerk!

(rfi, Rezension in: Giessener Anzeiger, [?.]8.[?]2016)