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Kurzbeschreibung

Das 2007 gegründete Schrammel.Klang.Festival in Litschau am Herrensee im Waldviertel vereint auf beispiellose Art Musik, Natur und Theater.

Schrammelmusik, das Wienerlied und verwandte Genres erleben als Österreichische Weltmusik am Anfang des 21. Jahrhunderts eine Renaissance, die mitunter durch dieses weit über die Grenzen der Region bekannte Festival mitausgelöst wurde.

Dieses Buch beschreibt auf lebendige Weise die ersten Jahre der Festivalgeschichte. Beiträge von Künstlerinnen und Künstlern, Machern und Begleitern, die dieses Festival prägen, vereint mit unzähligen Bildern lassen den Leser in die Welt des Schrammelklangs tauchen.


Rezensionen
Michaela Brodl:

Zum zehnjährigen Jubiläum des Schrammel.Klang.Festivals legen die beiden Herausgeber – Zeno Stanek, Initiator, Theatergründer, Intendant und Regisseur, und Sebastian Gilli, Journalist und Lehrer – eine Festschrift, eigentlich einen Bildband, über das Festival vor, um dessen Entstehung und Durchführung zu dokumentieren sowie um Eindrücke, Einblicke und Erlebnisse zu vermitteln. 2006 erlebte das Publikum in Litschau, der Geburtsstadt Kaspar Schrammels (1811–1895) zum ersten Mal diese wunderbare Symbiose aus Musik, Natur und Theater mit dem Schwerpunkt Schrammelmusik. Ernst Weber beschreibt den Vater der berühmten Gebrüder Schrammel, Johann und Josef, in seinem Beitrag Kaspar Schrammel und sein Platz in der Geschichte der Wiener Musik (S. 45–46) als hervorragenden Klarinettisten, der schon mit zwölf Jahren in die Dorfkapelle aufgenommen wurde. Er übersiedelte später nach Wien und etablierte sich dort rasch in der musikalischen Welt. „Seinen hochbegabten Söhnen Johann und Josef lässt er eine weit über seinen Stand hinausgehende Musikausbildung zukommen“ (S. 46). Auf diese beiden geht der Begriff „Schrammelmusik“ zurück, auch wenn sie nicht die einzigen sind, die zu dieser Musikgattung beigetragen haben. Vielleicht sind sie nie in Litschau gewesen, dennoch sind die Litschauer stolz auf diese Verbindung. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Franz Zwölfer und Herbert Millner aus Litschau und Zeno Stanek unabhängig voneinander auf die Idee kommen, jene Persönlichkeiten für die Belebung der „verschlafenen Schrammelstadt“ (S. 191) zu nutzen. Trotz anfänglicher Skepsis und Ablehnung gelang es durch das große Engagement und Talent sowie durch viele glückliche Zufälle und Begegnungen, dass das Schrammel.Klang.Festival nun zu einer lange vor dem Termin ausverkauften Veranstaltung mit weit reichender Anerkennung heran gewachsen ist und mittlerweile auch von anderen Institutionen wahrgenommen wird. 2017 gab es auf Betreiben von Roland Neuwirth und Ernst Weber gemeinsam mit Rudolf Pietsch erstmals in Zusammenarbeit mit dem Wiener Volksliedwerk Workshops für Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, damit das Besondere dieser Musikgattung wie z. B. Tempo und Stil an junge Musikerinnen und Musiker weitergeben wird. Grundlage dafür sind unter anderem Aufnahmen von Schellack-Platten, die den Geschmack der Entstehungszeit treffend wiedergeben.

Zeno Stanek wäre kein Intendant und Regisseur, wenn er nicht aus dem Musik-Festival – es wird auch „Woodstock des Wienerliedes“ (Falter vom 14.7.2015, S. 21) genannt – ein überdimensionales Theatererlebnis macht, das Publikum verzaubert und mit Wiener Musik in den Bann der Zeit vor hundert Jahren zieht. Nicht nur einzelne Höhepunkte wie die Schrammeloperette von Roland Neuwirth und Peter Ahorner als Einstieg oder die Nachtwanderung mit dem Stationentheater – nein: Die ganze Welt ist Bühne und daher auch das Schrammel.Klang.Festival! Mit vielen liebevollen Details im herrlichen Ambiente rund um den Herrensee wird die Stimmung erfolgreich eingefangen, sei es nun durch Komparsen in historischen Kostümen am Weg (Lavendelmädchen, Brezelmadl und Brezelbua, Elfen, Marketender, Handwerker, Wäschermädeln), in der Kutsche, in der Dampfeisenbahn, in der Greißlerei. Alle sind im besprochenen Band abgebildet. Die Komposition mancher Bilder, vor allem jenes auf dem Titelblatt, erinnert an ein Gemälde von Claude Monet Die Dame mit dem Sonnenschirm (1886) oder Auguste Renoir Der Spaziergang (1870). Eindrücklicher als tausend Worte beschreiben die farbigen und schwarz-weißen Aufnahmen, manchmal auch über eine ganze Doppelseite ausgedehnt, die Stimmung an diesem Wochenende im nördlichen Waldviertel. Sie bestätigen und illustrieren die Aussagen aus den abgedruckten Gesprächen, die mit einigen Künstlerinnen und Künstler geführt wurden. Einstimmig loben diese die Veranstaltung und deren Erfolg und begründen das durch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse.

Der Rezensentin drängt sich die Erinnerung an die Veranstaltungsreihe „Schrammelpicknick im Wiener Burggarten“ des Österreichischen Volksliedwerkes in den Jahren von 2001 bis 2003 auf, wo an Sonntagvormittagen im Sommer einem wissenden und interessierten Publikum sowie Touristen Schrammelmusik dargeboten wurde. Eine CD, herausgegeben 2002 von Maria Walcher und Ernst Weber, gibt kleine Kostproben der außergewöhnlichen Instrumentalmusik und ist im Österreichischen Volksliedwerk erhältlich. Von den einzelnen Festivals in Litschau gibt es ebenfalls CDs, die über den Online-Shop auf deren Homepage bezogen werden können. Ohne die beiden Veranstaltungen vergleichen zu wollen, bietet das Schrammel.Klang.Festival jedes Jahr ein Vielfaches an Darbietungen, Besucherzahlen und Attraktionen, denn beim Schrammelpicknick wurde auf nur drei Bühnen im Burggarten in Wien ausschließlich Wiener Musik zum Besten gegeben. In Litschau treten Gruppen auf, die nicht nur Wienerisches im Repertoire haben, sondern spielerisch und frei diese Musik interpretieren bzw. weit darüber hinausgehen. Auch das findet Gefallen, kommen doch die Gäste aus Wien und sogar auch aus dem Ausland. Mehrere Musiker-Generationen machen einander Platz, wenn es darum geht, das Publikum zu unterhalten. Da gibt es keine Berührungsängste zwischen Jung und Alt, beim Singen und Musizieren sind sich alle einig: Schrammelmusik ist nach wie vor eine beliebte Musikgattung. Sie wird seit den 1920er Jahren als instrumentale Wiener Musik in kleiner Besetzung definiert, und sie ist die einzige Musikgattung, die sich aus einem Familiennamen entwickelt hat – das gab es bisher noch nicht. 24 Stichwörter – alle enthalten den Begriff „Schrammel“! – hat Ernst Weber in einem kleinen Begriffslexikon (S. 210–211) aufgelistet und beschrieben.

Die Idee des Promenierens ist ebenso dem Schrammelpicknick nachempfunden: Jede oder jeder soll von Bühne zu Bühne spazieren und genießen, aber wie man in den „Reflexionen“ nachlesen kann, lässt sich in Litschau der einmal gefasste Plan einer bestimmten Abfolge von Darbietungen nur schwer einhalten. Zu sehr lockt die gerade aktive Musikgruppe, sodass ein Weitergehen kaum möglich ist. Der so genannte „Schrammelpfad“ führt ausgehend vom Litschauer Strandbad, wo seit 2009 das Herrenseetheater steht, an allen „Naturbühnen mit Wiener Ethnosound ohne Verstärker“ (S. 23) vorbei durch das Gelände und bietet reichlich Raum zum Innehalten, Verweilen und Zuhören: „Ein filigraner, aber eindringlicher Klangteppich, gewoben nicht nur aus der dargebotenen Musik, sondern auch aus der friedlichen Stimmung der Menschen, der glasklaren Luft, dem würzigen Duft und der tiefgrünen Farbe des Waldes. Dazwischen ab und zu der sommerliche Paukenschlag eines Gewitters, so als wollte auch der Himmel die Naturbühnen bespielen – natürlich unplugged, wie die Musiker, die sich derweil im Schutz der Regenzelte mit den Zuhörern auf ein, zwei Achterln Wein zusammenfinden“ (S. 71). Ein buntes Band am Handgelenk beweist den geleisteten Beitrag zum Eintritt, um sich frei bewegen zu können, Pausen zu machen, wiederzukehren oder einfach zu flanieren.

Das Buch gewährt Einblick in viele Details aus dem Hintergrund, die einer Besucherin und einem Besucher normalerweise verschlossen bleiben. Man erfährt Vieles über die Organisation und woran gedacht werden muss, damit alles wie am Schnürchen klappt. Eine unglaublich große Zahl (mittlerweile über 200) an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Litschau und Umgebung ist involviert, denn es gilt, in kurzer Zeit ein entsprechend großes Publikum zufrieden zu stellen. Tragen sie keine Kostüme, sind sie an den grellbunten Festival-T-Shirts leicht zu erkennen. Jedes Jahr wird ihnen am Ende dieser anstrengenden und mehr als ausgefüllten Tage ausgiebig für ihr Engagement Dank und Anerkennung ausgesprochen, wie auch die Gruppenfotos und Namenslisten bezeugen.

Schenkt man dem Buch Glauben, hat sich der Traum der beiden Litschauer erfüllt. Die Stadt Litschau hat durch das Schrammel.Klang.Festival an Bekanntheit und Beliebtheit gewonnen. Zum zehnjährigen Jubiläum kann man nur gratulieren!

(Michaela Brodl, Rezension in: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes, Band 66 [2017], S. 288 ff.)


MR:

Aus Anlass des 10. Schrammel.Klang.Festivals haben Festivalgründer Zeno Stanek und Germanist Sebastian Gilli einen großformatigen Prachtband über die zurzeit so populäre Wiener Musik herausgegeben. Texte von Peter Ahorner, Otto Brusatti, Karl Ferdinand Kratzl, Ernst Molden, Christian Qualtinger, Stefan Slupetzky, Ernst Weber u. a. sowie zahlreiche Interviews mit Musikerinnen und Musikern zeugen von der Vielfalt des Genres. Festivalstimmung vermitteln die Fotos von Stephan Mussil, Andreas Biedermann, Benjamin Wald, Karl Satzinger und Günter Witzmann. Die Schilderungen des Making-of mit den zahllosen hinter den Kulissen tätigen
Menschen zeigen die Komplexität eines Festivalbetriebs.

(MR, Rezension in: kunstStoff. Die Zeitung der Kulturvernetzung Niederösterreich Nr. 22, August 2016, S. 17)