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Kurzbeschreibung

Johanes Zechner. Bildn. Übers. der Gedichte von Christine Lavant. Mit einem Nachwort von Walter Fanta


Stellen wir uns einen Bildenden Künstler vor, der nicht so nicht-naiv ist wie Johanes Zechner. Wenn der den Auftrag bekäme, gegen gutes Geld zum Beispiel, aus der Bilderschrift der Gedichte von Christine Lavant Bilder einer Ausstellung zu fabrizieren, was würde dieser naive Künstler tun? Er würde wahrscheinlich in den Gedichten die Bedeutung suchen. Damit er die dann aufmalen kann. Er würde vielleicht sogar einen Literaturwissenschaftler zu Rate ziehen. Damit der ihm die tieferen Bedeutungen der Gedichte in einem close reading unter Berücksichtigung von Psychosemantik, Autorpsyche, Leserpsyche, vollständig ausliest. Das wäre nicht mehr so naiv. Oder doch?

Oder was würde so ein naiver Maler sonst noch tun können? Er könnte von der Oberflächengestalt der Metaphern und Symbole ausgehen. Er liest einen Baum. Also zeichnet er einen Baum. Der Baum ist das Symbol des Lebens. Also kommt auch etwas Leben in das Bild. Der Maler liest die Rose. Er malt die Rose auf das Bild. Die Rose, die Rose ist doch das Symbol der Liebe. Also malt der Maler zur Rose die Liebe dazu. Ganz so naiv ist das gar nicht. Und was soll er denn auch sonst tun, der arme Maler, der den Auftrag bekommen hat, von einem Geldgeber, oder von einem inneren Auftraggeber, die Schriftbilder der Gedichte von Christine Lavant in Bildende Kunst zu verwandeln? Wäre der Künstler weniger naiv, wäre er wirklich modern, würde er sich einen Dreck um die Symbolik scheren. A rose is a rose is a rose.

Aber noch weniger naiv ist Johanes Zechner. Sein Verfahren der Übersetzung fokussiert die Signifikanten, die Ebene des Bedeutenden, die reinen Schriftzeichen. Damit ist er modern. Doch schafft er seinen Umschriften einen Umgrund, auf dem sich Bedeutungen andeuten, in dem die Signifikat-Ebene in Konturen wieder sichtbar wird. Damit schafft er etwas nochmals Neues …

(Walter Fanta)