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Kurzbeschreibung

Geschichten beginnen oft mit einer Frage - so auch im Falle des vorliegenden Werkes. Als mich der Fotograf Jakob Gsöllpointner im Jänner 2013 bei einem Gespräch über unsere jeweiligen beruflichen Hintergründe fragte, ob ich ein Buch mit ihm machen möchte, bejahte ich umgehend - ohne den Schatten eines Zweifels.

In den folgenden Monaten entstand eine von mir verfasste Reihe von Texten, deren Inhalte einerseits aus meiner Beschäftigung als Gerontopsychologin mit einem "Demenz" genannten Syndrom gespeist sind und andererseits aus zwischenmenschlichen Erfahrungen unabhängig davon resultieren. Denn Beziehungen zwischen Menschen folgen ihren Gesetzmäßigkeiten über den Rand von Diagnosen und Symptombeschreibungen hinaus.

Jakob Gsöllpointner hat den Textzyklus "Bis das Vergessen uns scheidet" in der Folge mit seinen Fotos kombiniert. Dabei handelt es sich zum Teil um Arbeiten der letzten Jahre, andere Bilder entstanden neu durch die Auseinandersetzung mit den Texten. Ihm war es wichtig, einen Fluss des reinen Betrachtens durch das Einbringen von einzeln stehenden, das Buchformat füllenden Abbildungen zu ermöglichen. Sämtliche Fotografien sind unter Einsatz analoger Technik entstanden.

Vergessen hat große, oft entscheidende Kraft. Und ist nicht nur in der Lage, zu trennen, sondern kann neue, noch zu erfahrende Räume schaffen, deren Nutzung völlig offen vor einem liegt. Insofern stellt das vorliegende Buch eine von vielen möglichen Antworten dar. Gleich dem Lichtkegel einer Stablampe, der im Dunkeln über eine Landkarte wandert und auf einzelnen Punkten unterschiedlich lange verweilt, haben wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Versuch unternommen, uns in dem als "Dementia" bezeichneten Universum zu bewegen. Verbunden mit Bedenken, der Freude am schöpferischen Tun und dem Wunsch zu konfrontieren. Ein Ziel unseres Schaffens möge demnach das Stellen noch nicht formulierter Fragen sein - Fragen an sich selbst und die Menschen, denen man begegnet, mit denen man lebt, mit denen man arbeitet, die man liebt.

(Lucia Straschil, 21. September 2014)



vermächtnis

ich bitte dich heute
für den fall dass ich morgen
dazu nicht mehr in der lage bin.

hülle mich in federgefüllte decken
halte meine nieren warm und
streiche meine wirbel - immer wieder.

hole einen kater in mein bett
der in der lage ist an oder
auf mir zu schlafen.

gib dich mir vor dem abschied
zu riechen und küsse mich dreimal.
dreimal.