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Farben in Marrakesch

[Ein Fotobuch]

Ronnie Niedermeyer

ISBN: 978-3-99028-527-5
24 x 30 cm, 336 S., überw. Ill., Hardcover, Leineneinband mit handgehäkeltem Lesebändchen aus Marrakesch; Text dt., engl., franz-. arab., hebr. und elmayrib
€ 49,90
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Kurzbeschreibung

Farben in Marrakesch | Colors in Marrakesh | Couleurs à Marrakech
Konzept und Fotografie: Ronnie Niedermeyer. [Text: Lilli B. ; André Heller]


Ein Destillat der berühmten roten Stadt bringt das erste durchgehend farbige Fotobuch von Ronnie Niedermeyer. Statt beliebiger Buntheit findet sich hier eine wohlüberlegte Reduktion auf das Wesentliche. Gaukler und Menschenmassen, Geschrei und Getümmel sucht man in diesem Band vergeblich.

Die 282 Farbfotografien öffnen einen Blick auf die Berbermetropole, der von Innehalten, Ruhe, Muße und der Suche nach verlorener Zeit getragen ist.

Das opulente leinengebundene Buch enthält ein handgehäkeltes Lesebändchen aus Marrakesch.


Rezensionen
Wina: Frieden finden im Getümmel

Wer im neuen Fotoband von Ronnie Niedermeyer nach dem Lauten und Grellen sucht, wird sich in der Reduktion auf das Wesentliche wiederfinden.

Die große afrikanische Stadt Marrakesch ist in beinahe quälender Weise verwirrend und kräftefordernd“, schreibt André Heller in seiner Vorbemerkung zu Ronnie Niedermeyers aktuellem Fotobuch Farben in Marrakesch.

„ … hier kann ich Sonnenlicht genießen. Hier kann ich mit meinen Sinnen sehen.“ Lilli B.

Das erste farbige Fotobuch des Fotografen ist ein Destillat der berühmten Roten Stadt und bringt statt beliebiger Buntheit eine wohlüberlegte Reduktion auf das Wesentliche: Die Mauern der Stadt, in unterschiedlichen Rottönen gehalten, breiten sich über die Seiten aus und zeigen „eine Blickweise, die mitten im Grellen, im Hysterischen, im Getümmel einen Frieden, ein Innehalten und Durchatmen ermöglicht.“ Das Geschrei der Händler und hektisches Getümmel, Herrlichkeit und Armut, Wohlgerüche, Gastfreundschaft und Gaunereien sind aus dieser Perspektive ausgeschlossen. Die Ansichten öffnen damit einen ruhigen Blick auf die opulente Berbermetropole, der von der Suche nach einer verlorenen Zeit getragen ist.

Traditionelle nordafrikanische Musik und die darauf anspielende Minimal Music dienten als Vorbild bei der Anordnung der Fotografien: Die Frontalansichten der Mauern werden nach und nach von Elementen wie Dachrinnen, Stromkabeln, Kamintüren usw. ergänzt und steigern sich dann zu immer komplexeren Kompositionen mit Menschen und anderen beweglichen Elementen.

Eine Einleitung zu diesen Fotografien verfasste Lilli B., eine von Geburt an stark sehbehinderte junge Frau, die Marrakesch als kleines Mädchen besucht und seine mannigfaltigen roten Farbnuancen sofort liebgewonnen hatte. André Heller, der zurzeit in seiner neuen Wahlheimat Marrakesch einen großen öffentlichen Park anlegt, schrieb eine Vorbemerkung, die sowohl die Hektik der Stadt wie auch den ruhigen Blick des Fotografen lyrisch umreißt. Diese beiden Texte erscheinen je nach Kapitel in sechs unterschiedlichen Sprachen, darunter auf Deutsch, Hebräisch und Arabisch.

Das in Berberleinen gebundene Buch enthält ein handgehäkeltes Lesebändchen von Al-Nour Textiles. Diese Werkstätte für körperlich beeinträchtigte Frauen liegt mitten in der Medina von Marrakesch. Den Mitarbeiterinnen wird dort nicht nur ein sicherer Arbeitsplatz mit Kranken- und Pensionsversicherung geboten, sondern auch kostenlose ärztliche Betreuung und Verpflegung. Die Tantiemen aus dem Verkauf des Buches Farben in Marrakesch kommen zur Gänze Al-Nour zugute.

„… ein Angebot kathartischer Selbstfindung mitten im gewaltigen Labyrinth der Ablenkungen.“ André Heller

(Rezension in: Wina. Das jüdische Stadtmagazin, Oktober 2015, S. 54 f.)


http://www.wina-magazin.at/?p=11559

Gregor Auenhammer: "Farben in Marrakesch": Rhapsodie in Rot

Fotokünstler Ronnie Niedermeyer zeigt die Berbermetropole als Konglomerat globaler Neugierde, transkontinentaler Verschmelzung und als Refugium der Stille

Um der Ehrlichkeit willen reduziert auf das Wesentliche, präsentiert uns Ronnie Niedermeyer Farben in Marrakesch. Schier endlos scheinen die Schattierungen an Rot- und Rosttönen, der Nuancen an Wärme, Licht, an Strahlkraft und Atmosphäre zu sein. Entgegen üblichen Usancen zeigt das Städteporträt des 1980 in Wien geborenen Fotokünstlers die pulsierende, antike Berbermetropole als Konglomerat globaler Neugierde, transkontinentaler Verschmelzung, spiritueller Zusammenfügung und, trotz des geschäftigen Treibens, als Refugium der Stille. Voller Erhabenheit und majestätischer Grandezza.

Niedermeyer verzichtet bewusst auf normativ Pittoreskes wie Märkte, Getümmel, Händler und Teppiche in der Medina. Anstelle beliebiger Buntheit besteht Niedermeyers wunderbare Monografie über die Perle des marokkanischen Königreiches ausschließlich aus rot getünchten Fassaden. Teils strahlend, teils verwittert, mit Graffitis, Fresken oder Wandmalerei versehen. Der Charme desolée der roten Stadt mit dem Gewirr aus Gerüchen und Stimmen wird perfekt in der Komposition des Buches reflektiert: Arrangiert als Destillat der Berberkunst, grafisch geadelt mittels mäandernder Muster eines originär indigenen Riads, mit Texten in sechs Sprachen, veredelt mit einem handgehäkelten Lesebändchen.

André Heller, der selbst seit einiger Zeit am Fuße des Atlasgebirges sein Herzensprojekt eines idealen Parks verwirklicht, beschreibt Marrakesch, der kollektiven Einschätzung zuwider, als "Angebot kathartischer Selbstfindung mitten im gewaltigen Labyrinth der Ablenkungen, Versuchungen, Betäubungen und Aufpeitschungen." Im Gegensatz zur global grassierenden hysterischen Bilderflut erzielt Niedermeyers ästhetischer Essay Wirkung: melancholisch, ruhig, kontemplativ.

Mit allen Sinnen zu sehen, lehrt Ronnie Niedermeyers fotografischer Essay über Marrakesch. Eine melodiöse Rhapsodie in Rot, Schicht um Schicht monochrom.

(Gregor Auenhammer, Rezension in: Der Standard, Album, 6.11.2015)


http://derstandard.at/2000025005736/Farben-in-Marrakesch-Rhapsodie-in-Rot