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Kurzbeschreibung

1960 – 1961

New York, Mai. Als René Burri in das Büro von Magnum Photos rauschte, dabei sein jugendliches Flair verströmte, sagte er, indem er seine Filme auf einen Tisch kullern ließ: Falls jemand Hilfe oder Auskunft in Brasilien braucht, soll er die O. kontaktieren. Sie kennt sich aus, spricht die nötigen Sprachen, kennt Land und Leute und, na ja, sie ist außerordentlich nett. Nett? René war ziemlich verliebt und sang ein rosa getöntes Loblied auf mich. Wir hatten einen romantischen Flirt erlebt. Das war nicht verwunderlich in dieser Stimmung, in der wir alle damals waren. In Brasilia herrschte eine Aufbruchstimmung, überall Abenteurer, Pioniere, Fernsehteams und Journalisten, freilich auch Photoreporter, und vor allem viele Bauarbeiter, die sich zu unserem Ärger für ein Photo postierten statt weiterzuarbeiten. Die Luft war beladen von rotem Staub und Lärm. Eine neue Hauptstadt entstand da. Brasilia! Wo gab es das schon, eine aus dem Nichts gestampfte Stadt? Ich arbeitete mit einem Fernsehteam des NDR und dem Regisseur Max Rehbein zusammen, wir drehten „Stadt aus der Retorte“.

Kaum ein Jahr später, im Februar 1961, erschien Elliott Erwitt auf Renés Empfehlung in Rio, wo er eine Reportage über den Karneval machen sollte. Da war er also, EE, ein stiller Mann mit einem fragenden Blick, verschmitzten Lächeln und trockenen Humor. Einem Humor, bei dem man erst nachdenken musste. Mit seiner stillen Art war er aber sehr präsent, ein Beobachter, dem man das nicht anmerkt. Ein schön geformter Mund mit perlenden Zähnen. Seine Schüchternheit verlieh ihm einen besonderen Charme, den ich bisher nicht kannte, der mich aber für
ihn einnahm.

Von russischen Eltern in Paris geboren, in Mailand aufgewachsen, war EE 1939 mit seinen Eltern in die USA ausgewandert. Da war er 11 Jahre alt. Als wir uns in Rio kennen lernten, war er 33 und ich 28. Er hatte ein gebeuteltes Leben hinter sich, reiste in der Welt umher und machte Photos, die einen im Auftrag, die anderen nur für sich mit seiner Leica M3, die er immer bei sich trug – seine treueste Braut, wie er die kleine schwarze Kamera nannte. Und ich bin in den Niederlanden geboren, in einer Familie französisch-holländischer (Hugenotten), siebenbürgischer und Südtiroler Herkunft. 1947 bin ich mit den Eltern und Geschwistern nach Brasilien ausgewandert. Beide sind wir mehrsprachig aufgewachsen, um sein Russisch beneide ich EE bis heute.

[…]


Rezensionen
Irmi H.-C.:

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Zwischen "Schnautztetung" und der Erwähnung Deiner 8-jährigen Ehe mit Pit - liegt ein buntes Kaleidoskop prallen Lebens im Hochgeschwindigkeitstempo, facettenreich, atemberaubend; mir drohten bereits beim Lesen Schwindelanfälle und Herzattacken.

"Schnautztetung" finde ich grandios! Wenn man sich nicht stößt zwischen der Verknüpfung des Kosenamens eines Hundes mit der des Vorsitzenden der kommunistischen Partei Chinas, ist der Wortwitz Ausdruck hohen Intellekts, Schöpfergeists, Kreativität, großer Zärtlichkeit, Nähe und Liebe. Darum bist Du zu beneiden!

Am Ende Deines Buches bist Du rasant schnell in "Dear Okky" verwandelt. Schade für die schöne Schnautztetung, aber endlich frei, frei für das eigene Ich, das der Leserin so manches Mal auf 443 Seiten abhanden gekommen schien. Wo auch sollte ein ICH noch Platz finden in all den Turbolenzen und Wirbelstürmen eines Lebens im Düsenjet? Interessant finde ich, daß hinter dem Eisernen Vorhang sich der Wandel zu vollziehen begann und dennoch kannst Du - um mit Peggy Guggenheim zu reden - sagen: "Ich habe alles gelebt", und da Du betroffen warst vom Tod der Edith Piaf mit deren Text: "Je ne regrette rien."

Ich allerdings bedaure, daß Du Deinem Buch nicht noch viel mehr Fotos mit auf dem Weg gegeben hast!

Glückwunsch zu so viel Ausdauer, Akribie, Durchhaltevermögen! Nur wünsche ich Dir viel Erfolg! Denn der Titel Deines Buches EE & OO ist geradezu genial!!! Ebenso die Rückseite mit der rosa Rose!

(Brief von Irmi H.-C., Neuenstein an Okay Offerhaus)


Hede K.:

[…]

Es ist ein Wahnsinn, was Du geleistet hast, um das Buch auf den Weg zu bringen, chapeau!!

Und erst das Buch selbst, es ist eine solche Freude, es zu lesen. Ich erlebe alles mit Dir mit. Ich mag Deinen Erzählstil sehr, so wie Du alltägliche Aktionen, wie Hausarbeit, Besorgungen etc. aneinanderreihst, das ist ja heute ein "Stil" ich nenne es mal Blogstil ohne daß es je langweilig wird, von den wunderbaren Begegnungen ganz zu schweigen.

[…]

(Hede K. aus Karlsruhe in einem Brief an Okky Offerhaus)


Anton Holzer: Liebe und Fotografie

"Als wir uns in Rio kennen lernten, war er 32 und ich 27. Er hatte ein gebeuteltes Leben hinter sich, reiste in der Welt herum und machte Photos, die einen im Auftrag, die anderen nur für sich." Er, das war Eliott Erwitt, Globetrotter und Fotograf der legendären Agentur Magnum. Und die Frau, die sich an diese Begegnung erinnert, heißt Okky Offerhaus. "Ich bin", erzählt sie, "in den Niederlanden geboren, in eine Familie französisch-holländischer, siebenbürgischer und Südtiroler Herkunft. 1947 bin ich mit meinen Eltern und Geschwistern nach Brasilien ausgewandert."

Dort arbeitete sie als Mannequin und polyglotte Mitarbeiterin einer brasilianischen Fluglinie. Die erste Begegnung mit Erwitt fand am 10. Februar 1961 in Rio statt, sie sollte das Leben der beiden verändern. Offerhaus notierte in ihr Tagebuch: "Ein netter eigenartiger Mann, verträumt und asiatisch". Es folgte ein Affäre (Erwitt war noch verheiratet), später eine mehrjährige Liebes- und Arbeitsbeziehung. Durch ihn, so erkannte Offerhaus, habe sie das Sehen gelernt: "Dinge, an denen man sonst leicht vorübergeht, Formen, Licht, Leben, Momente." Jahrelang begleitete sie den Fotografen als Assistentin auf seinen Reisen durch Europa, die USA, Asien und Südamerika. [...]

Jahrzehnte später schrieb Okky Offerhaus das Buch "EE & OO. ...but a plastic rose is forever". Darin lässt sie die aufregende, leidenschaftliche Zeit mit Erwitt in Erinnerungen, Tagebuchnotizen und Fotos Revue passieren und gibt Einblick in die Dynamik des modernen, globalisierten Fotojournalismus. Sie berichtet vom gehetzten Leben Erwitts zwischen Fotoaufträgen und Luxus, Politik und Film, Glamour und Werbung. Ein faszinierender, kräftezehrender Parcours. Offerhaus, inzwischen am Fuße des Semmering sesshaft geworden, hat ihrer großen Jugendliebe, Elliot Erwitt, ein Denkmal gesetzt.

(Anton Holzer, Rezension in: Wiener Zeitung, 10. Oktober 2015, S. 39)


Gregor Auenhammer: Okky Offerhaus: Im Namen der Plastikrose

Die Kosmopolitin erzählt in Wort und Bild über ihre Zeit an der Seite der Fotografenlegende Elliott Erwitt

Frei nach Ovid war es "das goldene Zeitalter" der Magnum-Fotografie, epischer Reportagen, florierender Magazine, in das uns Okky Offerhaus bibliophil entführt. In Wort und Bild erzählt die heute am Fuß des Semmerings zurückgezogen lebende Kosmopolitin über ihre Zeit an der Seite der Fotografenlegende Elliott Erwitt.

1934 in den Niederlanden mit französisch-siebenbürgischen und Südtiroler Wurzeln geboren, in Brasilien aufgewachsen, arbeitete sie in Mode- und Flugbranche, bevor sie Agentin für Film und Fotografie wurde. Während der Dreharbeiten für Max Rehbeins Stadt aus der Retorte in Brasília lernte sie René Burri kennen, ein Jahr später in Paris Erwitt. Als dessen Assistentin – bald auch dessen Geliebte – bereiste sie die Welt.

Offerhaus gewährt intime Einblicke in eine Epoche, als Länder und Völker noch originär und einzigartig waren, eine Welt der Differenzen und Divergenzen, der Ungerechtigkeiten und polarisierender Ideologien, aber auch großer Freiheiten. Persönliche Erinnerungen an den ernst-unernsten Erwitt, der sich mit seinem skurrilen Humor vor sich selbst und der Realität verbarg, an Ernst Haas, Cartier-Bresson, Robert Capa, Inge Morath, Marc Riboud et alii, zwischen Jetset und Eisernem Vorhang, zwischen Rio, NY, Paris, Wien, Hongkong, Tokio und Tel Aviv, sind garniert mit Fotos, Briefen und Skizzen.

Offerhaus aber weiß: "Unser ganzes Leben besteht aus Trennungen, kleinen und großen, langen und kurzen, angenehmen und schmerzlichen, und niemals gewöhnt man sich an sie, aber so ist das Leben."

(Gregor Auenhammer, Rezension in: Der Standard, Album, 6. Februar 2016, A6)


http://derstandard.at/2000030433629/Okky-Offerhaus-Im-Namen-der-Plastikrose

Hanna Ronzheimer:

"Ich war fasziniert von dieser Magnum-Welt", schwärmt die Kosmopolitin Okky Offerhaus. Zur Welt der amerikanisch-französischen Fotoagentur Magnum gehörte auch der bereits verstorbene Rene Burri, dessen Che Guevara-Portraits um die Welt gingen. Oder der heute 87-jährige Elliott Erwitt, der mit seinen skurrilen Schnappschüssen Fotogeschichte in Schwarz-Weiß schrieb. Okky Offerhaus lernte die beiden als junge Männer kennen und schloss sich ihnen an. In ihrem Buch „... but a plastic rose is forever“, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz, blickt sie zurück auf die frühen 1960er Jahre, in denen sie als Assistentin und Lebensgefährtin von Elliott Erwitt um die Welt reiste. Ihre Tagebuchaufzeichnungen gewähren Blicke auf ein spannendes Leben und ein turbulentes Stück Zeitgeschichte.

"16. April 1963. Lunch mit Elliott. Später kam Wayne Miller auf einen Drink zu uns in die Wohnung, wieder so ein typischer Magnum-Photograph. Diese Männer standen auf besondere Weise zu ihrem Beruf, es umgab sie eine gewisse Aura der Unabhängigkeit, denn sie sahen ihre Aufgabe nicht darin, die Erwartungen des Auftraggebers genau zu „produzieren“. Elliott machte manchmal absichtlich einige weniger gute Extrabilder, damit der Artdirector des Auftraggebers sich wichtig bei der Entscheidung fühlen konnte, welche er ablehnte und welche er behielt."

Okky Offerhaus ist keine typische junge Frau ihrer Generation. Geboren im holländischen Rotterdam lebt sie mit ihrer Familie seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Rio de Janeiro. In den 50er Jahren erlangt sie als eines der ersten Mannequins Brasiliens Berühmtheit. Als 1960 die Hauptstadt Brasilia eröffnet wird, reisen viele internationale Fernsehteams und Fotografen an. Okky Offerhaus trifft auf den jungen Fotografen Rene Burri und später auch auf Eliott Erwitt.

Mit Elliott Erwitt beginnt Offerhaus eine Arbeits- und Liebesbeziehung im New York der 60er Jahre. Unter dem Spitznamen "Instant-O" ist sie rund um die Uhr für die Fotografie einsatzbereit. Sie kümmert sich um Requisiten, wählt Models aus oder transportiert Filmrollen. Manchmal ist sie auch einfach Kameraträgerin, wie etwa an jenem Tag im Jahr 1962, als Elliott den Auftrag erhält, John F. Kennedy für das Titelblatt von Newsweek zu fotografieren. Während Offerhaus inmitten eines Pulks von Pressemenschen steht, tut sich ihr plötzlich die Chance ihres Lebens auf.

"Ich setzte mich hinter all den „Kollegen“ auf eine lederne Bank und wartete auf das nächste Geschehen, als Kennedys Pressereferent in den Raum hineinrief: "Where is the girl with the two cameras?" Alle drehten sich nach mir um und ich lief geradewegs an ihnen vorbei, direkt in Kennedys Office, wo Elliott schon an der Arbeit war. Da saß er, John F. Kennedy höchstpersönlich. Er stand auf, kam auf mich zu und begrüßte mich."

Von der Welt hat Offerhaus wohl mehr gesehen als die meisten Frauen ihrer Generation. Sie begleitet Erwitt für Reportagen nach Frankreich, Japan, Irland, Jamaika und zuletzt auf eine abenteuerliche Reise hinter den Eisernen Vorhang. Bei Werbeaufträgen wiederum ist Okky Offerhaus als ehemaliges Mannequin auch selbst auf den Fotos zu sehen.

Okky Offerhaus hielt aber vor allem die schönen Seiten aus dieser Zeit fotografisch fest. Viele ihrer eigenen Aufnahmen zeigen Elliott Erwitt ganz privat, etwa beim Eislaufen mit seinen vier Kindern im Central Park oder in freundlich- entspannter Pose auf Schnappschüssen. Zu sehen sind diese Bilder ab morgen in der Wiener Fotogalerie Zebra.

Der Titel ihres Buches, das Okky Offerhaus morgen Abend in der Galerie Zebra präsentiert, geht auf einen lakonischen Ausspruch Elliott Erwitts zurück. Dieser hatte ihr einst ganz unromantisch, aber durchaus humorvoll eine Plastikrose geschenkt. Mit dem Kommentar "...but a plastic rose is forever".

Nach ihrer Trennung von Elliott Erwitt und der Magnum–Welt blieb Okky Offerhaus lange Zeit weiterhin eine Reisende, bis sie 1994 in Küb am Semmering, dem Heimatort ihrer Mutter, sesshaft wurde. Ihre Freundschaft mit Elliott Erwitt hält schon ein Leben lang. Die Plastikrose des Charmeurs mit dem skurrilen Humor hat die Jahrzehnte allerdings nicht überlebt.

(Ankündigung zur ORF Radio Ö1-Sendung "Leporello" vom 10. Februar 2016, Gestaltung: Hanna Ronzheimer)


http://oe1.orf.at/programm/427309