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Kurzbeschreibung

An die Fahrt nach Österreich erinnere ich mich genau, obwohl sie streckenweise wie in Trance verlief, ich mich lähmen ließ von dem, was auf mich zukommen sollte. Ich fuhr mit dem Bus von Straßburg nach Kehl, die kleine Schwesterstadt auf der deutschen Rheinseite. Dort musste ich mehr als eine halbe Stunde auf den wegen angeblicher Bauarbeiten in Paris stark verspäteten Zug warten. Ein grauer, trauriger, unbelebter und schmutziger Bahnhof. Versperrte Hütten, die früher den deutschen Zöllnern gedient hatten. Es war kalt, ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit, auch ein wenig nebelig, dazu Wind, der eine nordische Feuchte in die Rheinebene trug und das Warten unerträglich machte. Den Schwarzwald entlang ging es parallel zum Rhein nördlich nach Karlsruhe. Kleine Schrebergärten begleiteten die Geleise, dahinter dominierte ein fahles Einheitsgrau. Im Karlsruher Bahnhof schöne alte Eisenträger. Bei Bruchsal an einer Müllhalde vorbei, die mit grauem Schotter, der aussah wie kalte Lava, bedeckt war: Entlüftungsrohre, Krähen und Rehe auf der Oberfläche, die mich an einen menschenleeren Planeten denken ließen, eine unwirkliche Filmkulisse. Die Luft spiegelte gelb. Mir kamen die Giftgasangriffe auf die Kurden in den Sinn. Ich wollte nicht wahrhaben und akzeptieren, dass Onkel Hans im Sterben lag und ich deswegen im Zug nach Österreich saß. Ich hatte einen langen, ruhigen, warmen Sommer in Straßburg erwartet, als der Anruf von Kathrin kam, sie mich vom Unfall von Onkel Hans informierte und ich deshalb gezwungen war, meine Sommerpläne zu ändern.