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Kurzbeschreibung

Kommentierte Ausgabe
Maurus Lindemayr ; Ernest Frauenberger. Hrsg. von Peter Deinhammer und Christian Neuhuber


Er gilt als bedeutendster Dialektdichter des 18. Jahrhunderts im bairisch-österreichischen Sprachraum: Der Lambacher Benediktiner P. Maurus Lindemayr (1723 - 1783) hielt in seinen vielgesungenen 'Bauernliedern' Momente des Alltagslebens fest, wie sie in dieser Eindringlichkeit und Authentizität sonst kaum überliefert sind.

Mit P. Ernest Frauenberger (1769 - 1840) machte sich ein Kremsmünsterer Ordensbruder Jahrzehnte später daran, die Melodien für das Fortepiano zu arrangieren, um so eine wegweisende Symbiose aus Volkslied und Kunstlied zu schaffen.

Nun liegen diese Lieder, die uns von Fehden, Kriegen und bäuerlichem Elend ebenso erzählen wie von den Freuden und Späßen barocker Unterhaltungskultur, erstmals vollständig notiert, erläutert und kommentiert vor.


Rezensionen
Klaus Huber: „Weil mi kain ainzige Sauhaut nöt will“ - Bauernlieder von Pater Maurus

Chorleiter könnten aus dem Vollen schöpfen, wenn sie ihr Volkslieder-Repertoire erweitern wollen; trotzdem wählen viele immer wieder dieselben Lieder aus.

Heute wird ihnen ein neues Singbuch als Fundgrube nahegelegt: "Klavierlieder in oberösterreichischer Bauernsprache", ein bibliophiles Prachtstück aus Richard Pils’ Verlag Bibliothek der Provinz.

Den Herausgebern Christian Neuhuber und Peter Deinhammer, zwei Oberösterreichern mit akademischen Karrieren, haben es die "Bauernlieder" des Lambacher Benediktinerpaters Maurus Lindemayr (1723–1783) angetan, die der Kremsmünsterer Ordensbruder Ernest Frauenberger (1773–1840) für Fortepiano arrangierte – eine gelungene Symbiose aus Volkslied und Kunstlied.

Ein Jahrhundert vor Franz Stelzhamer war P. Maurus Lindemayr der bedeutendste Dialektdichter des bairisch-österreichischen Sprachraumes. Er beherrschte die Kunst, den Menschen mit selbst geschriebenen Liedern all das "hineinzusagen", was sie in Predigten kaum wahrgenommen hätten. Lindemayr erzählt von Fehden und bäuerlichem Elend ebenso wie von den lustvollen Freuden barocker Unterhaltung.

Dabei versteckt er das Belehrende listig hinter Lustigem, oft auch in derbem Gewand, im Dialekt des 18. Jahrhunderts: "Leckts mön A... Menschä! iezt geh i davon / ös nächst böstö Klastä, das i nä trief an / i will eintrettn, ös braucht gar nöt viel / weil mi kain ainzigi Sauhaut nöt will."

Nur weil ihn kein Mädchen erhört, will er ins nächstbeste Kloster eintreten – ein Zerrbild priesterlicher Berufung.

Christian Neuhuber erklärt jeden Text und kommentiert den historischen Kontext. Bei der Buchpräsentation wird er, von Peter Deinhammer am Klavier begleitet, einige Lieder selbst singen. Denn der aus Gmunden stammende Dozent für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Graz ist auch ausgezeichneter Geiger und Pianist, Sänger, Chorleiter und – Fußballtrainer.

(Klaus Huber, Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 7. Mai 2015)


http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Weil-mi-kain-ainzige-Sauhaut-noet-will-Bauernlieder-von-Pater-Maurus;art16,1786169