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Kurzbeschreibung

Busseln täten die mich schon alle gern!
Über Kellner-Kunst & Kellner-Gunst
Eine Konversation

Peter Roos
Seit 28 Jahren sorgen Sie für das Wohl Ihrer Gäste im berühmten Wiener Kaffeehaus »Landtmann«. Jetzt tritt also der legendäre »Herr Robert« ab. Wirklich?

Herr Robert
Auch eine Legende hat ihren Pensionsanspruch!

Peter Roos
Bedienen Sie sich in Zukunft selbst?

Herr Robert
Zu Hause bin ich der »Gast«! Meine Gattin Gerda bedient mich besser als ich es je könnte! Natürlich servier ich mir morgens um halb Fünf – so früh steh ich auf – den Kleinen Braunen selbst!

Peter Roos
Wie kamen Sie überhaupt in diesen Beruf?

Herr Robert
Schon als Bub hat es mir einen Riesenspaß gemacht, im Dorf- Beisl dem alten Herrn Wirt beim Servieren zu helfen. Peter Roos Was muß ein Ober können?

Herr Robert
Grüßen! Ein Ober muß Grüßen können! Den Menschen im Gast erkennen. Den Stamm-Gast erkennen, denn das Kaffeehaus lebt vom Stammgast, und aus jedem Gast kann ein Stammgast werden. Und der will mit Namen begrüßt sein –

Peter Roos
Und mit Titel!

Herr Robert
Recht hams, Exzellenz!

Peter Roos
Warum nennen Sie mich seit 13 Jahren, seit ich Ihr Stammgast sein darf, »Exzellenz«?

Herr Robert
Weil ich bei Ihnen einen Schmäh führ! Aber schauns – die meisten Gäste wollen doch Wer sein. Und wer wer ist, der hat einen feschen Titel. Die Gäste wollen betitelt werden. Jeder Nudel-Drucker will doch ein »Herr Doktor« sein – also wird er promoviert oder gleich zum »Herrn Professor« befördert. Ein Kaffeehaus-Gesetz ist naturgemäß, daß der Ober den wahren Titel seines Gastes kennt! Ich habe sogar noch einen echten »Rittmeister« zu bedienen!

Peter Roos
Der Ober muß naturgemäß das Tablett jonglieren können! Herr Robert Besser, der jongliert nicht! Ein Ober trägt das Plateau! Körperbeherrschung! Geschicklichkeit! Geschwindigkeit! Flink muß er sein, der Herr Ober. Im Service hab ich mühelos 13 Dessertteller mit Wiener Würstl am Arm – das ist Voraussetzung! Man hat ja schließlich nicht umsonst drei Jahre gelernt! Aber, Exzellenz, das Wichtigste ist: Diesen Beruf muß man lieben, unbedingt lieben; wissens eh, was ich mein! Wer nicht zum Dienen bereit ist, der soll sich die Fersen gebn! »Dienen«, bitte, ist nicht »devot«! »Bedienung« heißt nicht »Bückling«! Der Gast ist ein Partner, dem der Ober etwas bieten will. Der Gast ist der König, doch der Chef bin ich!

Peter Roos
Sie sind ja nicht nur Herr über 28 Kellner, Herr Robert. Sie sind eine Legende zu Lebzeiten, eine Instanz für exzellenten Service und guten Geschmack, mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. Sie treten im Fernsehen auf, Ihre Meinung ist in der Presse gefragt, Sie werden in Büchern portraitiert; mehrfach sind Sie literarisiert worden – in Frederick Forsyths Bestseller-Roman »Die Faust Gottes« liest man gar von einem »soignierten Oberkellner Robert«. Wie lebt es sich mit weltweitem Ruhm?

Herr Robert
Da hab ich naturgemäß eine Freud, wenn meine Gäste mir alle diese Druck-Stückerl bringen! Aber viel gscheiter wärs, wenn der Herr Schriftsteller Forsyth in seinem Roman das Burgtheater nicht mit dem Opernhaus verwechseln tät –

Peter Roos
Das »Café Landtmann« gehört ja zu den berühmtesten Kaffeehäusern der Welt. Ist die Kundschaft auch berühmt? Herr Robert Was soll i sagn? Der Karajan, der Peter Kraus, der Kanzler Kreisky, Strauß, Franz Josef, Kohl, Helmut – von Richard Burton über George Tabori zu Heinz Rühmann: Alle waren da, der Schah von Persien, bitte! Soll ich Exzellenz noch Namen servieren?

Peter Roos
Was sind das für Gäste?

Herr Robert
Welt-Gäste.




"Herr Robert" ist eine Legende. Der Oberkellner des berühmten Wiener Kaffeehauses "Landtmann" leitete 28 Jahre lang 28 Kellner und bediente 750 000 Gäste im Jahr. Seine Arbeit, die Professionalität, Charme, Witz, Schmäh machten ihn weltberühmt – sogar der amerikanische Bestsellerautor Forsyth hat ihn literarisch verewigt. Peter Roos, der deutsche Schriftsteller, in Wien lebend, war 13 Jahre Stammgast jenes Maître, hat ihn bei der Arbeit beobachtet und durfte selbst, als "Beikellner", vom Meister lernen, was heute bedeutet, daß "der Gast König" ist.



Mit den 41 Fotografien des Wiener Fotografen Clemens Fabry ist eine wohlwollend-kritische Hommage an diesen außergewöhnlichen Ober und Menschen entstanden; und am Beispiel des Herrn Böck alias "Herr Robert" wird erstmals der Blick frei auch hinter die Bühne des Wiener Kaffeehaustheaters – gastronomische Arbeitswelt im grellen Neon wird sichtbar gemacht.