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Kurzbeschreibung

Jemand musste G. gestoßen haben, denn ohne dass er gestolpert wäre, stürzte er in den Abendstunden eines trägen Sommertages die Treppe zu seinem Zimmer hinab – einen engen, hölzernen Schacht über zumindest drei Stockwerke, bevor sein Körper, längst bewusstloses Fleisch geworden, mit einem dumpfen Ton im Parterre aufschlug. Dort lag er dann, reglos und zumindest nach den Worten einiger später hinzugekommener Schaulustiger auch bereits leblos, auf den fahlgelben Kacheln des Stiegenhauses. Atmete vielleicht nicht mehr. Blutete auch nicht. Verströmte nur noch Wärme und den sonderbar dünnen Sauermilchgeruch organischer Strukturen als letztes, nach und nach verebbendes Anzeichen einer Menschlichkeit und ihrer vergehenden Existenz. G.s Nachbarin auf der unteren Etage des Hauses entdeckte seinen zerschlagenen Körper als Erste nach dem Sturz – bereits nach wenigen Minuten, was ihm wahrscheinlich auch die Reste des in ihm verbliebenen Lebens rettete –, weil sie dem befremdlichen Poltergeräusch vor ihrer Türe auf den Grund gehen wollte, und ebendort lag G. ohnmächtig ausgebreitet. Sie fand Schleifspuren im dunklen Holz der Wandvertäfelungen im Stiegenhaus und Schlaglöcher, die hell aus den Holzpaneelen hervorstachen, wo er im Fallen mit seinen Schuhen dagegen geprallt war. Die Nachbarin las akribisch in jenen unfreiwillig angeschlagenen Materialschäden, fand ausgerissenes Haar in den Verstrebungen des Treppengeländers oder Häufchen von Sägemehl. Sie tastete sich an dieser Spur der Zerstörung immer tiefer die engen Treppenkehren hinab, bis sie im Erdgeschoß endlich auf die verbliebene Masse von G.s Körper trat. Sie sah nach oben zu seiner Dachkammer, von wo er herabgefallen sein musste, aber das andere Ende des Treppenhauses war im Dunkel nicht mehr zu erkennen. War versunken in den Schatten unter dem Dach und nichts, auch keine Bewegung darin, die sie hätte ausmachen können…