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Kurzbeschreibung

Von 1908 - 1918 entstanden unter dem Einfluss der Kunstgewerbeschule Werke wie die Farblithographien der Träumenden Knaben zur gleichnamigen Versdichtung (1906), psychologische Portraits, wie der Trancespieler (1906), Landschaften, wie Schweizer Landschaft mit Dent du Midi (1908).

Kokoschka, der als Maler, Grafiker und Schriftsteller neben Egon Schiele und Gustav Klimt als dritter Gigant der österreichischen Moderne gilt, machte erstmals 1908 auf sich aufmerksam. Als er bei der "Wiener Kunstschau" seine Bildergeschichte "Die träumenden Knaben" präsentierte und in einer expressiven Zeichen- und Bildsprache eine erste "offene Darstellung seiner selbst" zum Besten gibt, wird er schlagartig berühmt. Innerhalb weniger Tage verkauft er alle seine Werke, zugleich avanciert er zum Oberwilden und Enfant Terrible der Wiener Kunstszene, dem Thronfolger Franz Ferdinand am liebsten "alle Knochen im Leib brechen" wollte. Sein künstlerischer und persönlicher Werdegang erzählt sich romanhaft. Die leidenschaftliche Affäre mit Alma Mahler, die Verletzungen im Ersten Weltkrieg, die Flucht vor den Nationalsozialisten, die dramatischen Exil-Jahre im kriegszerrütteten Europa und sein Wirken an der Salzburger Sommerakademie ab den 1950er Jahren gehören zu einem wesentlichen Bestandteil der österreichischen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Im Belvedere, das 150 Werke aus der frühen Schaffensphase zeigt, interessieren besonders Kokoschkas Herauswachsen aus dem Umfeld der Wiener Werkstätten, die frühen Grafiken und die in dunklen Farbtönen gemalten Charakterisierungsversuche der seelischen Befindlichkeit einer Person. Wie kaum einem Zweiten gelang es Kokoschka sowohl thematisch als auch medial einen großen Bogen zu spannen - und dennoch stets unverkennbar zu bleiben. In seinem Oeuvre findet sich Märchenhaftes genauso wie Satirisches, Malerisches genauso wie Zeichnerisches, Düsteres genauso wie heiteres. Dass er zugleich Beziehungen außergewöhnlich intensiv lebte und ein politisch wachsamer wie sozial engagierter Zeitgenosse war, macht ihn umso sympathischer.

Die Furche, Johanna Schwanberg, April 2008