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Kurzbeschreibung

Woran sind die Männer unheilbar krank?, wurde Ingeborg Bachmann in einem Interview gefragt. Ingeborg Bachmann: Sie sind es. Interviewer: Sie sind es? Ingeborg Bachmann: Wissen Sie das nicht? Interviewer: Wenn Sie es mir sagen! Ingeborg Bachmann: Alle.

Gespräch mit Roland Düringer am 29.12.1999 während einer Drehpause
Was hat dich an diesem Drehbuch interessiert?
Interessiert hat mich, daß es nur um drei Leute geht, daß eher das Darstellerische im Vordergrund steht und nicht die Bilder, Bei diesem Film, habe ich mir gedacht, wird sicher viel Wert darauf gelegt, wie man spielt. Im Österreichischen Film hasse ich das Zeilenreden, daß ein Satz nicht so wie im richtigen Leben gesagt wird. Wenn man sich einen amerikanischen Film im Orginalton anschaut, klingt das ganz anders, da sind alles Menschen und bei uns sind es Schauspieler, die einem etwas vorspielen. Und in diesem Buch waren einige Textstellen so, daß ich mir dachte, aus denen kann man absolut etwas machen, das kann man mit Wahrhaftigkeit füllen, wenn man es ein bißchen bearbeitet. Ich habe zu Florian beim ersten Treffen gesagt, daß ich diesen Film nur mache, wenn ich sprechen darf wie ein arbeitsloser Automechaniker aus dem zweiten Bezirk und nicht so, daß man ihn auch gleich beim Filmfestival Saarbrücken versteht, dann mache ich es nicht.
Was sind die Qualitäten dieser Geschichte? Wie war der erste Eindruck?
Es ist etwas komplett anderes. Wie ich die erste Fassung gelesen habe, habe ich sie lustig gefunden. Auch was ich jetzt beim Drehen auf der Videoausspiegelung sehe, ist teilweise schon komisch. Nicht vordergründig lustig, weil die Figuren witzig sein wollen, sondern durch die Tücke des Objekts wird es komisch. Das Scheitern ist das Komische an dem Film, weil ja alle drei Figuren scheitern bei allem, was sie tun. Aber das Tragische und das Komische liegen ja sowieso sehr nahe beieinander. Man darf sich nicht von vorhinein sagen, ich mache das und schließe das andere aus. Schadenfreude ist ein ganz wichtiges Element des Humors, das ist leider so. Von Charly Chaplin bis zu Mister Bean. Diesen Menschen passieren furchtbare Dinge, die man selbst nicht erleben möchte.
Was war entscheidend für deine Zusage?
Es ist eine Geschichte, wo ich mir gedacht habe, die kann wirklich so passieren. Sie ist ziemlich nah an der Realität und nicht irgend etwas Erfundenes oder krimimäßig Konstruiertes mit Drogenmafia und vielen Toten, sondern einfach eine Geschichte zwischen drei Menschen, das war sicher ausschlaggebend. Man liest das Drehbuch, führt kurze Gespräche mit dem Regisseur. Dann muß man sich darauf einlassen.
Wie bereitest du dich auf eine Rolle vor?
Ich gehe davon aus, daß ich wissen muß, wer ich bin. Das ist einmal das Erste und wenn ich weiß, wer ich bin, gibt es dann so einige Hilfen: welche Farbe ist die Figur, was für ein Tier ist sie, was für ein Element… – Das muß man sich halt dann genau anschauen, damit ich weiß und spüren kann, wie der ist und wie der funktioniert.
Welche Farbe hat der Andi?
Der Andi ist eine Blaupartie, eine Blau-Grün-Türkispartie und vom Element her ist er Luft, also Wind und vom Tier her ist er ein Ochs. Auch von den Empfindungen her ist er ein Ochs und kein wilder Stier. Oarum ist mir auch das mit dem hängenden Kiefer eingefallen. Wenn Leute ein hängendes Kiefer haben, den Mund immer leicht offen, macht das einen leicht debilen Eindruck Für mich wird eine Figur erst interessant, wenn sie Schwächen hat. Der Andi hat unter anderem körperliche Schwächen: er hat einen kürzeren Fuß. In diesem Turnschuh sind Einlagen von zweieinhalb Zentimeter drinnen, dadurch ist mein Becken schief und ich geh einfach anders, ich habe deshalb mittlerweile schon Kreuzschmerzen. Das alles habe ich mit mir selbst ausgemacht und mit dem Florian nicht besprochen, es ist vielleicht auch niemanden aufgefallen, aber ich weiß es und ich weiß, daß man es im Kino spürt.
Wie genau stellt man sich die anderen Figuren vor?
Gar nicht, denn auf die muß ich ja reagieren. Wenn in eine Trafik gehe, dann weiß ich auch nicht, wie der Trafikant ist, und trotzdem muß ich ja auf ihn reagieren. So wie jetzt der Film gedreht wird, geht der Andi in die Schneiderei hinein um sich dort zu verstecken und der Schneider sagt im Spaß: „Was wird das? Ein Überfall?" Und der Andi sagt: „Ja". Und da befindet sich der arme Kerl in einer plötzlichen Zwangslage, er sagt sich: Okay, ich habe gesagt, daß ich einen Überfall mache und jetzt ziehe ich das durch. Es fällt bei ihm ein kleiner Schalter und er zieht die Waffe. In diesem Moment ist er in das Spiel involviert. In der Folge muß er das Problem, daß er sich eingehandelt hat, auch lösen.
Stimmt deine Vorstellung vom Andi mit der von Florian überein? Habt ihr euch abgesprochen?
Nicht wirklich. Wir haben kurze Figurenbesprechungen gemacht und auch, warum es dem geht und über seine Motivationen gesprochen. Ich frag dann natürlich oft, wieso und erwarte eine Erklärung. Wenn ich eine technische Erklärung bekomme, warum ich da jetzt hinüber schauen muß, weil eben der Blick hinüberführt in den nächsten Schnitt, ist es mir klar und verständlich, aber trotzdem muß ich für mich als Schauspieler einen Grund finden, warum die Figur da hinschaut. Ich glaube nicht, daß meine Vorstellungen vom Andi und die des Florians auseinanderdriften, sonst würden wir ja diesen Film nicht miteinander machen. Warum schafft es der Andi nicht eine Linie durch zu ziehen? Er schwankt ja zwischen brutal, liebenswürdig…
Das Element vom Andi ist der Wind, und zum Wind gibt es zwei Zugänge, genauso wie es sie auch beim Wasser gibt, entweder du bist der Wind oder du bist vom Wind getrieben, ein Teilchen im Wind. Der Andi wird vom Wind getrieben, der wird von da nach da getrieben. Ich hoffe, daß es im Film nicht zu einer Mechanik wird, die das Publikum langweilt, daß es immer ein Auf und Ab ist: es hauen sich zwei in die Goschn und zwei Schnitte weiter tratschen sie wieder lieb miteinander, das kann man einmal als Schmäh machen, aber nicht als Methode, die sich durch den ganzen Film zieht, befürchte ich. Vielleicht ist es auch eine Schwäche des Buches. Ich habe immer dafür plädiert, den Bogen der einzelnen Figuren noch einmal zu überdenken...