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Kurzbeschreibung

Längst ist er zum Ereignis geworden, das die Leute zwingt, einen Standpunkt zu beziehen, der nicht der ihre ist, zu verurteilen, was sie nicht verstehen, zu enttarnen, was sie verblüfft. Längst ist er Teil des Straßenbildes, des alltäglichen Rituals, das nichts ungesehen, nichts ungehört, nichts unberedet läßt. Es beginnt stets im Postamt, wo er Sterbeurkunden, Trostbriefe an Angehörige und Urnen aufzugeben hat, und endet an der Schank des Wirtshauses, wo er den vorbestellten Schnaps übernimmt und sich selbst zwei Doppelte zum Frühstück genehmigt, keinen mehr und keinen weniger, so als folge er einer Regel. Dazwischen die Gemischtwarenhandlung, die Bäckerei, der Fleischhauer, gelegentlich auch der Schuster oder der Schmied. Er holt Bestellungen ab und gibt Bestellungen auf. Bargeld führt er nicht mit sich, das Schloß läßt anschreiben, rechnet auch verläßlich und pünktlich ab. Das erleichtert seine Rolle, auf die er einen Eid geleistet hat: den Stummen vom Schloß, wie ihn die Leute nennen, der selbst die Grußformel durch ein Kopfnicken ersetzt. Niemand weiß, welcher Befehl seine Schritte lenkt, seine Handgriffe ordnet, seine wiederkehrende, stumme Präsenz erzwingt.

Othmar Eiterer, ein gebürtiger Salzburger, Jahrgang 1937, setzt in "Requiem für Anton P." einem Vater und seinem behinderten Sohn ein Denkmal. Bevor sich der Vater am Karfreitag des Jahres 1944 erschießt, vergiftet er seinen Sohn, um ihn nicht den Häschern des Regimes ausliefern zu müssen. "Like a flitterin fleur ye canna hear" ist Schottisch und heißt auf Wienerisch "Wia r a bleankaznds Bleamal mit buntschwoaze Aung". Nachzulesen in dem Gedicht "Day an' Nicht" des Dichters William Soutar.

Wolfgang Paterno im Falter