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Kurzbeschreibung

»Volksbuch«, Wien 1978, bearb. von Heidulf Gerngross und Mathias Hentz mit Hilfe von Thomas Redl und Wolf Günther Thiel.
Hrsg.: ST/A/R-Printmedium Wien, Mithrsg.: Paul Brettschuh, Philipp Konzett


In den Jahren 1968-78 entstand aus Texten, Wortspenden und dem "Raumalphabet" das »Volksbuch«. Darauf aufbauend soll nun das »ABC des RAUMES« als Erweiterung und Ergänzung zum »Volksbuch« erscheinen.

Das Buch beinhaltet Arbeiten von Heidulf Gerngross, beginnend mit 1956, an den physischen, geistigen und sprachlichen Raumgrenzen. 50% des Textes stammt von Heidulf Gerngross. 68 Seiten wurden von ihm schriftlich verfasst, die restlichen ca. 500 Seiten Text wurden über ein Mikrophon (über dem Bett hängend) mit akustischer Aufnahmeautomatik aufgenommen und transkribiert. Um nicht elitär eine singuläre Welt vorzustellen, wurden diese Texte mit sieben anderen Trivialliteratur-Gesprächspartnern nach einer mathematischen Ordnung vermischt.

Die neuerliche intensive Beschäftigung mit dem ursprünglichen Werk – vielfach zitiert als "erster Computerroman" – animierte Heidulf Gerngross zu einer Überarbeitung. Es liegen 36 Schaffensjahre zwischen dem ersten Erscheinen und heute. Gerngross hat sich entschieden, die Grundstruktur des »Volksbuches« zu belassen, nicht in die Textzeilen einzugreifen, vielmehr Schichten aus Bildern, Skizzen und Texten drüber und dazwischen zu legen. So erscheinen im neuen Buch – »ABC des RAUMES« – auch erstmals Teile der originalen Texte des »Volksbuches«, Skizzen und Lochkarten der Produktion, insgesamt das Raumgeflecht des Heidulf Gerngross’schen Denkens und Tuns.

Auf diesem netzartigen sprachlich-geistigen Fundament wurden weitere Räume geplant und gebaut und mit 600 Bildern, davon 96 Seiten in Farbe, dokumentiert. Das »ABC des RAUMES« wird in Sprache, Schrift und Zahlen, Bildern und Architekturen als Weg beschrieben und bebildert, den Heidulf Gerngross als Arbeit an den Raumgrenzen von 1956 bis 2014 gegangen ist.


Rezensionen
TEXT+KRITIK:

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Das absolute Extrem einer inkommensurablen Literatur ist Heidulf Gerngross’ 1280 Seiten starkes „ABC des Raumes“, ein Buch, an dem Gerngross neun Jahre gearbeitet hat, ohne auch nur eine Zeile selbst zu schreiben: geschrieben hat es ein Computer, der von Gerngross mit rund 30 Programmen gefüttert wurde. Das Ergebnis ist ein Monstrum, alle Sätze, die einen erkennbaren Sinn ergeben, eine nachvollziehbare Aussage machen, tun dies zufällig. Ein Buch ohne jede Wertung, von dem sein „Autor“ sagt: „Gesprochen ist es leicht zu lesen.“ Und in der Tat, wenn Gerngross aus diesem Buch rezitiert, scheinen sich Sinnzusammenhänge aufzutun, die aber allein der Lesende hineinträgt, denn das Buch selbst ist absolut sinnlos: es verwendet außer buchstaben- und wortähnlichen Zeichen auch imaginierte Bilderschriften. Sprachwelten tun sich da auf, die Absurdität bildhaft machen, sinnlich erfahrbar: der abgebildete Irrwitz. Aber doch: Witz.

[…]

(Rezension in: TEXT+KRITIK. Zeitschrift für Literatur, Sonderband Österreichische Gegenwartsliteratur, 2015 [?])