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Kurzbeschreibung

Mit der Öffnung des "Eisernen Vorhanges" ist es dem Verfasser möglich geworden, nach dem Mühlviertel auch im südböhmischen Raum die Schalensteine zu erheben. Infolge der Sprachbarrieren und der Umbenennung der Örtlichkeiten ist es wesentlich schwerer geworden, die vormals in der Bevölkerung noch bekannten Kultsteine aufzuspüren. Der Verfasser hat sich die Mühe gemacht, das Wissen um die vorhandenen Kultstätten der drohenden Vergessenheit zu entreißen. Er hat ungezählte Tage und Stunden damit verbracht, die Anhöhen im südböhmischen Raum nach solchen Relikten abzusuchen und ist in vielen Fällen auch fündig geworden.


Rezensionen
Marianne Hubalek:

Otto Milfait hat zusammen mit diversen Begleitern, Gewährsleuten und Einheimischen die "Heiligen Steine" im Böhmerwald diesseits und jenseits der österreichisch-tschechischen Grenze dokumentiert. Dass ein solches Werk nur in jahrelanger, mühsamer Arbeit entsteht, kann aus verschiedenen Zeitangaben zu den Begehungen ersehen werden. Die Dokumentation der Schalensteine erfolgt durch geographische Lageangaben und genaue Vermessungen: Durchmesser, Tiefe, mit oder ohne Wasserstand, zum Teil auch Größe und Gewicht der Steine mit der Zahl der Schalen sowie durch Fotos. Dazu werden Höhlen oder Unterstände und auffälliger Baumbewuchs beschrieben. Es fehlt bei Otto Milfait auch nicht die Messung der Strahlung bei den beschriebenen Steinen, woraus der Naturliebhaber und genaue Beobachter dann seine Schlüsse zieht. Im ersten Abschnitt des Buches geht der Autor allgemein auf die "Kultmäler aus grauer Vorzeit" ein und führt hin zur "Verehrung der Schalensteine" bis zur Erklärung von "Bergnamen".

Der zweite und größte Teil des Buches beschreibt die Kultsteine im österreichischen und tschechischen Böhmerwald. Leider ist in der Reihenfolge der Beschreibung der Orte keine geographische Ordnung, etwa von Ost nach West oder dergleichen, zu erkennen, sodass die Auffindung der Orte auf der zwar ausführlichen, aber kleingedruckten Karte auf dem Vorsatz des Buches schwierig ist. So folgt z.B. auf "Die Hügelgräber in Raifmaß" (südlich von Hohenfurth = Vyssi Brod) die "Umgebung von Buchers" (Pohori na Sumave, westlich von Karlstift).

Anschließend folgen Erklärungen zu Felsinformationen wie z.B. Heiligentritte, Jungfrauen- und Rittersprünge, Wackelsteine usw.
Im Nachwort beschäftigt sich Otto Milfait mit der mystischen Vergangenheit und im Anhang mit "Keltischen Festtagen, Gottesdienst bei den Germanen und Kultplätzen der Saligen Frauen".

Mit einem Literaturnachweis und einem ausführlichen Ortsregister Deutsch/Tschechisch und Tschechisch/Deutsch schließt das interessante Buch.

Der Autor hat keineswegs nur trockene Daten in sein Werk aufgenommen, sondern gestaltet es mit kurzen geschichtlichen Exkursen, Sagen, Erzählungen, Naturbeschreibungen und bisweilen mit humorigen Exkursionsschilderungen anschaulich und lebendig aus. Wissenschaftlich nicht belegte Meinungen führt der Verfasser mit Einschränkungen wie "dürfte eventuell" oder "vermutlich", "verschiedenen Aussagen nach sollen" etc. an.

Otto Milfait und seinen sechs Mitarbeitern an diesem Buch ist es gelungen, "das Wissen um die vorhandenen Kultstätten der drohenden Vergessenheit zu entreißen" und gewissermaßen "als Brückenbauer in kultureller Hinsicht die Zeitenwende" mitzugestalten (Vorwort).

Man kann das Buch "Heilige Steine im Böhmerwald" durchaus in der Tradition von Standardwerken der prähistorischen Kult- und Mythenforschung wie z.B. Karl Lukans "Alpenwanderungen in die Vorzeit" (1965) sehen. Dazu gewinnen Beiträge wie dieses Buch, die sich einem "grenzüberschreitenden" Kulturverständnis öffnen, in unserer Zeit besondere Bedeutung.

(Marianne Hubalek, Rezension in: Das Waldviertel, 60. Jahrgang Nr. 1/2011)