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Kurzbeschreibung

Es stimmt schon, dass Robert noch vor wenigen Tagen ein manchmal ängstliches Kind gewesen ist – niemals hätte er den Mut aufgebracht, den silbernen Feuerwehrhelm seines kleinen Bruders aufzusetzen. Wahrscheinlich hat er diesen Spielzeug-Feuerwehrhelm deshalb nicht aufgesetzt, weil er sich gesagt hat: setze ich diesen Helm auf, dann bin ich ein Feuerwehrmann, und als ein Feuerwehrmann muss ich wie alle Feuerwehrmänner Feuer löschen. Und wenn jetzt nur ich diesen Feuerwehrhelm als Kopfbedeckung auf meinem Kopf hätte, ja dann könnte die Feuersirene ja nur mich zum Feuerlöschen rufen!

Und Robert wollte auch nicht und nicht seine neuen Jeans anziehen, nur weil diesen dort je ein Lederherz aufgenäht war, wo sich, genau dahinter, seine Knie befinden würden, wenn er hineinschlüpfen wollte. Aber Robert, was ist denn?, hatte die Mutter gefragt, als sie ihn mit eingezogenem Kopf zu den neuen Jeans hin­überblinzeln sah, was ist denn nur? Dein Lieblingspullover hat an den Ellbogen Lederflecken aufgenäht, und so ähnlich ist es nun bei diesen Hosen: Du lümmelst ja nicht nur gern auf deinem Tisch, du kletterst ja auch gern auf alle Bäume, schleichst dich gern als ein Indianer an, und dabei rutschst du auf den Knien durch die Wiese! Diese Lederflecken sind widerstandsfähig wie Büffelhaut, also schlüpf jetzt endlich in die Jeans, damit ich sehe, ob sie dir passen! Aber Robert schaute die neuen Jeans von der Seite an wie einen großen fremden Hund, drehte sich von den Lederherzen noch mehr weg wie von einem Essen, das ihm nicht schmeckte, und so blieb er sitzen, bis es der Mutter zu dumm war und sie diese Jeans aus Roberts Augen schaffte.

Waren ihm die aufgenähten Hosenherzen unheimlich gewesen, weil sie honigbraun wie Lebkuchenherzen waren, aber deshalb nicht aus Lebkuchen, sondern aus Leder gemacht? Oder wollte er nicht und nicht in ­diese Jeans hineinschlüpfen aus Sorge, von allen Kinderknien der Welt würden sich einzig seine Knie nicht genau hinter den aufgenähten Herzen befinden? Vielleicht wollte Robert von den Knieschutzherzen an eines nicht erinnert werden: dass er noch oft niederfallen würde; dass er sich in den kurzen Sommerhosen die Knie noch oft aufschlagen wird!


Rezensionen
Thomas Wolkinger:

Ein Leseerlebnis vor allem für Ältere: Julian Schutting bringt in „Roberts Donauschlepper” Kinder bewusst mit ihrer weit aus- und wiederholenden Kunstsprache in Berührung, die gerade nicht auf simple Effekte und Verknappung setzt. Erzählt wird die Geschichte des schüchternen Robert, der plötzlich richtig mutig wird, als Schleppermatrose anheuert und dazu auch andere Kinder ermutigen will. Eigenwillig verrätselt, von Angelika Kaufmann, die schon mit Mira Lobe und Friederike Mayröcker gearbeitet hat, elegant ins Bild gesetzt.

(Thomas Wolkinger, Rezension in: Falter 47/2009)


http://www.falter.at/falter/rezensionen/buecher/?issue_id=569&item_id=9783852528519