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Kurzbeschreibung

5. Jänner 2000

Wäre Franz ein Fluß, müßte er pausenlos entspringen. Wo entspringen Sie denn? würde er von am Franzufer entlang promenierenden Frauen ab und zu gefragt werden. Wo fließen Sie denn hin? Führen Sie auch Träume mit sich? Wenn ja, wer träumt die Träume jetzt, da Sie selber Fluß geworden sind? Und Franz würde, wie wir ihn kennen, versuchen sich herauszureden. Sie täuschen sich, gnädige Frau, würde er antworten. Ich bin nicht der, für den Sie mich halten. Ich bin bestenfalls ein Stück vom Ufer, das sich im Fluß spiegelt. Ich bin das Stückchen Ufer, auf dem Sie gerade herumtrampeln. Das heißt, herumtrampeln würde Franz nicht sagen. Ich bin das bißchen Ufer, welchem augenblicklich die Ehre zuteil wird, von Ihnen, gnädige Frau und so weiter… Wenn Sie Ihren Blick einmal kurz hinüber ans andere Ufer schweifen lassen, müßten Sie das Haus sehen, in dem die alte Frau K. seinerzeit gewohnt hat. Als die alte Frau K. noch nicht gestorben, ja noch nicht einmal alt war, hat sie zwei Söhne gehabt, den Hansl und den Seppl. Erzählt wird, daß die damals junge oder jedenfalls noch nicht alte Frau K. den Hansl und den Seppl in einen Käfig beim Küchenherd gesperrt hat, bevor sie ganz früh am Morgen in die Papierfabrik arbeiten gegangen ist. Am Abend, wird erzählt, hat sie sie wieder herausgelassen. Was hätte sie auch sonst tun sollen. Tatsache ist, daß der Seppl später ein tüchtiger Mann geworden ist, mit zweitem Bildungsweg, Beamtenkarriere, Eigenheim und was sonst noch zum Tüchtigsein gehört. In seiner Jugend ist der Seppl Ministrant und Mesner gewesen. Und als er die Dreißig längst überschritten hatte, hat es im Dorf immer noch geheißen, es werde dem Seppl die Richtige eines Tages schon noch über den Weg laufen. Obwohl doch jeder sehen konnte, daß der Seppl vom anderen Ufer ist. Mit Vierzig hat der Seppl dann tatsächlich geheiratet. Jetzt hat sich erst recht keiner mehr ausgekannt. Vom Hansl nehme ich an, er wird viel früher schon aus dem Dorf weggezogen sein.