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Kurzbeschreibung

Monika Helfer. Mit Zeichn. von Michael Köhlmeier


Ich heiße Irma und bin eine Weltenbummlerin. Bevor ich eine Reise unternehme, mache ich mich kundig. Ich kenne mich auf der Erdkugel aus wie in meiner Schreibtischschublade. Also, das heißt, ich finde oft etwas nicht gleich.

Kuba liebte ich sofort, weil es aussieht wie ein schlafendes Krokodil. Ich schrieb dem Präsidenten einen Genesungsbrief, weil er nämlich schon so lange krank war, und daraufhin erhielt ich eine Flugkarte und einen Gratisaufenthalt für drei Wochen.


Rezensionen
Ingrid Bertel: Babalu Aye und die tanzenden Kinder

Die Kindergeschichte „Irma und der Tyrann“ von Monika Helfer mit Zeichnungen von Michael Köhlmeier

Monika Helfer kann nicht nur wunderbar über Kinder erzählen, sie schreibt auch Kindergeschichten ohne Zeigefinger und Besserwisserei. In „Irma und der Tyrann“ begegnen wir alten Bekannten und einer großen kleinen Autorin. Die Bilder zu dieser Geschichte hat Michael Köhlmeier gezeichnet.
Irma ist elf und weiß genau, dass sie einmal Schriftstellerin sein möchte. Oberstes Ziel dabei ist ein großer Wortschatz, das weiß sie auch genau. Was bedeutet zum Beispiel das Wort „lamentieren“? Oder „Pazifistin“? Oder „Parkinson“? Und was ist der Unterschied zwischen „entlohnen“ und „belohnen“? Solche Fragen stellt Irma an den kubanischen Präsidenten Fidel Castro – und sie besteht auf dem Wort „Präsident“, schon aus Respekt.

„Irma und der Tyrann“ nennt Monika Helfer diese Kindergeschichte – und es hat nicht den Anschein, als ob mit „Tyrann“ Fidel Castro gemeint sei. Denn der ist lieb und ziemlich arm, wie er vor Irma so daliegt in seinem dunkelblauen Jogginganzug und sich im Krankenbett kaum mehr aufrichten kann. Er hat das Mädchen eingeladen – und Irmas Freunde Loisl und Ruta kommen auch noch dazu, aber davon weiß der Präsident nichts.

Ein zauberhaftes Buch
Es hat schon eine Art Glanz, wenn Monika Helfers Kinder Kuba entdecken. Das noble Touristenhotel verlassen sie umgehend. „Wenn du zaubern lernen willst, müssen wir in eine Bruchbude gehen“, rät Loisl. Aber das Zaubern bekommt Ruta gar nicht. In einen Hund verwandelt streunt sie fortan mit Irma, Loisl und dem neuen Freund Ernesto durch die Gegend. „Ein weiteres Schreibproblem stellt sich mir“, gesteht Irma: „Wie beschreibe ich einen Schuft, obwohl ich ihn total lieb finde?“

„Irma und der Tyrann“ ist ein zauberhaftes Buch (auch wenn Ruta nicht wirklich zaubern lernt). Nicht unwesentlich tragen die Zeichnungen Michael Köhlmeiers zu diesem Zauber bei. Es sind Portraits aus wenigen kraftvollen Strichen, die in ein paar angedeuteten Merkmalen den Ausdruck Castros, die tänzerische Anmut eines Tangopaars, den martialischen Gang der Soldaten oder das Erschrecken eines Hundes auf’s Papier setzen. Die schnelle Bewegung, in der diese Zeichnungen entstanden sind, passt wunderbar zum hellwachen Herumstreunen der Kinder, zu ihrem offenen Blick – und zum Erzählgestus Monika Helfers.

„Nein, das will ich nicht schreiben, das ist ein Kitsch“. Irma hat ein feines Sensorium für das, was erzählbar ist und was besser im Kopf der Leser entsteht. Sie besucht ein letztes Mal den Präsidenten, der völlig erschöpft ist, „grau im Gesicht wie ein schlecht geputzter Aschenbecher“, und beteuert: „Uns passiert nie etwas, wir haben ja die Schutzengel.“ Und das ist kein Kitsch, weil Monika Helfer nämlich genau weiß, wann und wie sie ihren Wortschatz einsetzt.

(Ingrid Bertel, Rezension in: Kultur. Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft, 30.9.2014)


http://www.kulturzeitschrift.at/kritiken/literatur/babalu-aye-und-die-tanzenden-kinder-die-kindergeschichte-201eirma-und-der-tyrann201c-von-monika-helfer-mit-zeichnungen-von-michael-koehlmeier

Christ Dietrich: Bei den wilden Hunden

„Irma und der Tyrann“ ist zwar ein eher kleines Buch, aber es ist trotzdem nicht zu übersehen.

Märchenhafte Erzählungen sind aufmerksamen Lesern bzw. Zuhörern von gelegentlich vorgetragenen Texten der Vorarlberger Schriftstellerin Monika Helfer bereits begegnet, „Irma und der Tyrann“ enthält solche Texte. Vom Zeichnen schreibt Michael Köhlmeier etwa in seinem neuen Roman „Zwei Herren am Stand“, bei denen es sich um keine Geringeren handelt als um Charlie Chaplin und Winston Churchill.

In einem Buch, das zwar klein, aber nicht zu übersehen ist, tritt nun der ehemalige Präsident von Kuba auf. Zumindest scheinbar, denn der Name wird nicht genannt. Oder sagen wir, unverkennbar ist er es jedenfalls im Text und in den Zeichnungen. Köhlmeier hat das Buch illustriert, wie aus dem Handgelenk geschüttelt wirken die Figuren, die Dimensionen und Details verschwimmen auch beim wilden oder friedlichen Getier. Ein Kontrastprogramm zu einem Text, in dem jedes Wort, jedes Satzmaß stimmt. Und siehe da, es ist eine Ergänzung, die sich schön zu dieser Erzählung fügt, die von einem Mädchen handelt, das dem Präsidenten einen Genesungsbrief schreibt und in der Folge nach Kuba reist, in ein Land, das sie schon deshalb mag, weil es aussieht wie ein schlafendes Krokodil.

Überwindung
Dieses entpuppt sich zwar nicht als gefährlich, aber als ein Ort, an dem wundersame Dinge nicht Erstaunen hervorrufen, sondern bestenfalls Respekt, wenn nicht Gleichmut. Die Verwandlung eines Menschen in einen Hund zählt dazu und wenn dann alle wieder ihre eigentliche Gestalt annehmen, stellen wir fest, dass es möglich ist, im modernen Märchen der Welterfahrung und Sozialkritik auch dann Platz zu verschaffen, wenn sie wie eine lockere Erzählung daherkommen, in der die Hauptfigur im Übrigen mit Schreibproblemen ringt. Wer von Irma liest, erfährt auch sehr schön von deren Überwindung.

(Christa Dietrich, Rezension in: Vorarlberger Nachrichten, 20. September 2014)