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Kurzbeschreibung

Die Autorin (geb. 1925 in Wien) gibt Einblick in ihre etwas zwiespältige Beziehung (heimisch oder fremd?) zu Landschaft und Dorfgesellschaft, in der sie Teile ihrer Kindheit und Jugend verbracht hat. Mit einigen Fotos aus den Zwanziger- und Dreißiger Jahren.


Dohokandedodedooiweidohokan (Da sitzen die da, die da immer dasitzen)

Im einzigen Dorfwirtshaus ist es ruhig geworden. Nur wenige Bewohner der älteren Generation, die sich da öfters zusammengesetzt haben, sind noch am Leben. Auf ein gemütliches Plauscherl »zusammenhockn« nannten sie es, ganz im Sinne des Mottos, das über dem Stammtisch hängt: » Dohokandedodedooiweidohokan «.

Sitzen doch einige beisammen, dann wird der Kreis um den Stammtisch bald größer, weil sich jeder Gast, der kommt, »zuwiseczn muiß«. Schnell werden ein paar »Bummerln« Karten gespielt, um sich die nächste Runde Gspritzte zu sichern. Rafft sich dann einer zum Nachhausegehen auf, sagt sein Nachbar schnell zur Wirtin:

»Oans geht nu«, was aber noch nicht das »Letzte« sein muß.

»I tua jiatzt hoam, weu ma de großn Darm scho in de kloan einischloifan«, witzelt der offensichtlich sehr hungrige Österreicher Karl. Er hat wieder einmal beim Sonntagsfrühschoppen die Mittagszeit übersehen.Lustig wird es mitunter auch, wenn ein paar trinkfeste »Jaga« dabei sind, deren es genug in dieser bewaldeten Landschaft gibt. Da kommt es schon manchmal vor, daß die Wirtin die Sperrstunde nicht einhalten kann. Ansonsten wird das »Ausgehen« am Wochenende, wie es früher in Wielings der Brauch war, immer seltener.

Loisitante war in ihrer Jugend beim »Ausgehen« ebenfalls gern dabei. Sie verachtet es auch heute nicht, in geselliger Runde ein gutes »Achterl« zu genießen. Mit bewundernswertem Appetit ißt sie dazu stets eine Wurstsemmel. Mit ihren 84 Jahren lächelt sie dann zufrieden vor sich hin und möchte beim Erzählen von früheren Zeiten halt gar zu gern mit ihrem Mann Schritt halten. Die Wortgefechte der beiden sind oft sehr lustig anzuhören.

»A so is des net gwest!« ist ein bei Leanderonkel gebräuchlicher Ausspruch, mit dem er heftig reagiert, wenn es Loisitante bei einer Erzählung wieder einmal nicht so genau nimmt. Er streckt dabei die rechte Hand vor und will mit dieser Geste bekräftigen, daß er es besser weiß. »Des muaß enk i dazön«, sagt er dann und rückt seine etwas zu klein geratene Gestalt in Position. Mit seinen 86 Jahren hat er ein erstaunlich gutes Gedächtnis. Als Zweitältester im Dorf weiß er über alles genau Bescheid. Wo anderswo gelacht werden muß, genügt hier ein Lächeln, da die Menschen recht vorsichtig sind: Es ist eine Gegend der Gesten und Gebärden. Wer aber einmal ihre herbe, aber doch herzliche Gastfreundschaft kennengelernt hat, fühlt sich wohl in der Wärme ihrer Häuser, inmitten der großen Einsamkeit dieser Gegend ...