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Kurzbeschreibung

Lesen, Bücher und Bibliotheken dienen noch immer als Zubrot zu unserem heutigen Alltag, gut für Seele, Gemüt, Bildung, Menschsein. Lesen ist Vielheit, verleiht uns Flügel, hebt uns in andere Welten und Weiten. Durch das Lesen schaukeln wir dahin, im Strom der Zeit, mit uns die Dinge, die uns umgeben.

Öffentliche Bibliotheken hüten die (Lese)Welt, die (Buch)Welt, geschützt und geborgen in ihren Regalen. Deshalb sind diese kulturellen Einrichtungen so bedeutungsvoll für ihre Gesellschaft. Deshalb werden sie aber auch in Zeiten unbändiger Macht missbraucht.

Dieses Buch will punktuelle Seitenblicke in die "Lesezeiten" dieser Welt und ihrer Menschen bieten, es versucht mit zeitaktuellen Dokumenten unleugbare Tatsachen und Wirklichkeiten aufzuzeigen, will auf Lesen, Literatur und Öffentliche Bibliotheken als Einrichtungen und Abbilder ihrer Zeit eingehen.


Rezensionen
Georg Pichler:

Adalbert Melichar, österreichische BibliothekarInnen wohlbekannt (nicht zuletzt auch den LeserInnen der "Bücherschau" als Rezensent), ist seit Jahrzehnten selbst als öffentlicher ehrenamtlicher und nebenberuflicher Bibliothekar tätig. In dieser Zeit sammelte er auch unzählige historische Dokumente und Unterlagen aus dem bibliothekarischen Bereich. Einer größeren Öffentlichkeit dieses Material zugänglich zu machen, ist eine Intention dieses Buches. Weiters möchte der Volksbildner Melichar jedoch auch mit dem Buch "unterhalten, anregen, will sich Problemen stellen und zuletzt zur Einsicht, Weitsicht und Weltsicht ermuntern".

Der historische Gang durch die wechselvolle Geschichte der politischen und gesellschaftlichen Einstellungen zum Thema Lesen, Büchern und Bibliotheken lässt er im Jahr 1797 beginnen unter dem Motto "Macht & Ohnmacht vorsätzlicher Volksbelehrung". Das bedeutete in diesen Zeiten Bevormundung und Zensur, kaum Mittel für die "Volksbüchereien", wie sie meist genannt wurden – immer mit dem Beigeschmack der Bedürftigkeit behaftet. Autoren wie Peter Rosegger oder Ludwig Anzengruber werben für Freilesehallen oder es geht darum, wie man Bauern zum Lesen bringt.

Es geht um den Kampf gegen "Schmutz- und Schundliteratur", Überlegungen zu einer Systematik, Leser- und Entlehnstatistiken werden dokumentiert, Leihgebühren diskutiert. in der Zwischenkriegszeit bis 1938 entstehen viele ideologische Heimat- und Volksbibliotheken und die Arbeiter- und Volksbildungsbibliotheken, deren indoktrinationsarbeit während der NS-Zeit im Einsatz an der Heimatfront naturgemäß radikalisiert wird. Stets zeigt sich nur allzu deutlich, dass die Bibliotheken durchaus "ein Spiegelbild ihrer Zeit" liefern, wie der Untertitel dieses Buches lautet.

Es ist ein verdienstvolles Kompendium, das auch eine umfangreiche Chronologie der niederösterreichischen Bibliothekslandschaft bietet, die sicher nicht nur für Niederösterreicher interessant ist. Ein kenntnisreiches, klug zusammengestelltes Lesebuch für jeden Buch- und Bibliotheksliebhaber.

(Georg Pichler, Rezension in: Bücherschau Nr. 189, 04/2010)