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Kurzbeschreibung

Monika Helfer ; Sofie Loeprecht


1. Bild
Viele Autos mit Mamas und Papas fahren nach Italien, weil dort das Meer auf sie wartet. Manchmal werden auch Tiere mitgenommen.

2. Bild
In diesem Auto sitzen Papa, Mama, Tommi, Tina und der Hund Max.
Die Kinder streiten, und das macht den Papa nervös.
Max will mit Bellen den Streit schlichten.
Da fällt der Mama die Sirupflasche aus der Hand und der Sirup verklebt das frisch polierte Auto.
Im Auto riecht es süß, und es ist heiß wie im Backrohr.

3. Bild
»Jetzt ist aber Schluss mit Bellen!«, sagt die Mama. Als ob der Hund Schuld am Streit hätte. Sie öffnet das Autofenster, packt Max am Schwanz und wirft ihn auf die Straße.

4. Bild
»Wieso liegst du auf der Straße und weinst?«, fragt das Pferd. »Ich heiße Theo, und ich nehme dich ein Stück mit. Ich will nämlich Urlaub vom Bauernhof machen. Wie heißt denn du?«
»Max.«
»Wein doch nicht mehr, Max! Wir können Freunde für das ganze Leben werden.«
»Ich weine ja gar nicht.«

5. Bild
»Setz dich auf meinen Rücken, Max!«
»Sag mir, wenn ich dir zu schwer werde.«
»Du bist leicht wie ein Floh«, sagt Theo.
»Wohnst du hier in der Nähe?«, fragt Max.
»Meine Leute haben mich vom Bauernhof weggejagt, weil sie in Spanien Urlaub machen.«
»Dann stimmt das gar nicht mit deinem Urlaub?«, fragt Max.
Theo schüttelt die Mähne. »Hab ich nur gesagt, weil das lässig klingt.«
»Lässig schon«, sagt Max, »aber wenn es doch nicht stimmt. Und rate, was mir passiert ist!«


Rezensionen
Lukas Bärwald: Eine auf Bild- und Textebene mit stark reduzierten Mitteln erzählte Geschichte über ausgesetzte Tiere, die sich einer einfachen Lektüre entzieht.

Ihre im Rahmen ihrer Teilnahme am Ingeborg Bachmann-Preis 1999 geäußerte Intention, Unglaubliches mit reduzierten Mitteln darstellen zu wollen, setzt Monika Helfer mit "Tiere allein" erneut um: Die ersten Seiten erzählen in knappen, weitestgehend schmucklosen Worten vom um sich greifenden Stress einer Familie bei der Fahrt in den Urlaub. Es ist heiß, stickig, eng, die Kinder streiten und zu allem Überfluss beginnt auch noch der Hund zu bellen. Kurzerhand wird er ausgesetzt. Doch an dieser Stelle erfolgt keine Verurteilung oder psychologisches Hinterfragen dieser Handlungsweise - die LeserInnen werden mit dem Geschehen konfrontiert und ungerührt folgt die Geschichte ihrem Lauf. Der Hund trifft andere ausgesetzte oder zurückgelassene Tiere, schart sich mit ihnen ganz im Stile der Bremer Stadtmusikanten in einem menschenleeren Haus zusammen und genießt die Freiheiten der nun vollkommenen Selbstbestimmtheit.

Die gezielte Kargheit und Oberflächlichkeit dieser Schilderungen provozieren eine Reaktion bei den LeserInnen. Ein Bemühen um das Einfühlen in die eben nicht geschilderten emotionalen Zustände der beteiligten Figuren. Dies wird unterstützt durch die ebenso reduzierten Illustrationen von Monika Helfers sechsjähriger Enkelin Sofie Loeprecht: Auf papierweißen Seiten zeichnet sie mit schwarzem Faserstift die skizzenartigen Szenerien. Die auftretenden illustrativen Widersprüche (tränende Augen - lachender Mund) passen ebenso zum Gesamtkonzept, das die Lektüre nicht einfach vorüberziehen lässt, sondern durch verschiedenartige Irritationen das Mitdenken herausfordert. Monika Helfer erklärte 1999 diesen Ansatz mit der Absicht, dass die Geschichte in den LeserInnen passieren solle. Dieses Vorhaben gelingt ihr mit diesem Bilderbuch-Projekt, das sich einer reibungslosen Rezeption verweigert und kontinuierlich Fragen aufwirft.

(Lukas Bärwalde, Rezension für: 1000 und 1 Buch, Nr. 1/10, Februar 2010 [?])


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=94956&rezid=33350

Claudia Theiner: Sekt und Kaviar

Was machen Haustiere, wenn ihre Familien in Urlaub fahren und sie allein zurücklassen? Sie feiern zu Hause mit russischem Kaviar, amerikanischem Beef und vertschüssen sich ins parfümierte Doppelbett von Herrchen und Frauchen. Mit Beherztheit und Solidarität machen sie das Beste aus einer vertrackten Situation und geben sich dem neuen Lebensgefühl hin. Das Bilderbuch von Monika Helfer (Text) und Sofie Loeprecht (Illustration) zelebriert nicht das Selbstmitleid, eher schon die Ironie um den Rollentausch, in dem manch bekannts Gefühl dingfest gemacht wird. Es gefällt der trockene Humor und die karge Illustration, die das Problem kindlich direkt angeht. Und es gefällt das stilvolle Gesamtbild mit dem Text in Rot links und den Zeichnungen mit schwarzen Stift rechts.

(Claudia Theiner, Rezension in: ff. Das Südtiroler Wochenmagazin Nr. 44/09, 29. Oktober 2009)