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Kurzbeschreibung

Wie kann ich auch nur einen Augenblick daran denken, mich zu beruhigen, dachte ich, wenn alles in mir so voller Aufregung ist? Und ich versuchte es mit einer Schallplatte, mein Haus hat die beste Akustik, die sich denken läßt und ich füllte es an mit der Haffnersymphonie. Ich setzte mich und machte die Augen zu. Was wäre alles ohne die Musik, ohne Mozart? Immer wieder ist es die Musik, die mich rettet. Indem ich mir immer wieder selbst mit geschlossenen Augen das mathematische Rätsel der Haffnersymphonie löste, was mir immer das größte aller Vergnügen gemacht hat, beruhigte ich mich tatsächlich.

Beton
Wer sich auf die Bernhard-Pilger-Reise begibt, wünscht sich insgeheim dies: zu Fuß durch den Haselwald müsse man doch – gleich beim ersten Blick auf den Nathaler Hof – schon einige Töne von weitem herüberhören. Einen Mozart bitte. Einen Strauß bitte. Einen Beethoven bitte …

Gedenken an Paul Wittgenstein, der, wenn das Wetter danach war, allein im Hof sitzend, die Augen geschlossen, eine im ersten Stock abgespielte Schallplatte genoß, die bei weitgeöffneten Fenstern vom Hof unten auf das vorzüglichste anzuhören war.

Keine fiktionale Selbstinszenierung des Autors, wenn er sein Ich hier sagen läßt: Wir hörten stundenlang zusammen Mozartmusik, Beethovenmusik, ohne auch nur ein Wort zu sprechen. Das liebten wir beide. Die Nachbarn können noch heute ein Lied davon singen – wie gesagt wird.

Ein Plattenspieler in jedem Stockwerk. Wir kennen diesen (oder das Transistorradio) als notorische Requisite aus vielen Theaterstücken. Wenn nicht wenigstens eine der Figuren Klavier spielt (eine Mozartsonate, eine Beethovenvariation, Schumanns Fantasie op.17), drehen sie an den Geräten: Haffnersymphonie, Forellenquintett, Beethovens Fünfte …Eine Plattenhülle auf dem Tischchen im unteren Stockwerk des Nathaler Hauses ist leer: Johannes Brahms, die vierte Symphonie. Die Platte liegt noch auf dem Teller. Wann war sie zuletzt abgespielt worden?

Über dreißigmal kehrt das Thema in der Chaconne des vierten Satzes wieder, ein später Höhepunkt traditioneller Formkunst. Wittgenstein hatte vor allem dies an Brahms bewundert und geliebt: die Variation als mathematische Operation, die ihre Regel in sich trägt. Und Bernhard? Inspirierte ihn solche Musik zu seinem immer wieder als musikalisch apostrophierten Wiederholungs-Stil? ...